Der Israelit
- Journal
- Der Israelit
- Volume
- 27 (1886)
- Issue
- Heft 35 (3.5.1886)
- Date
- 1886-05-03
- Page
- – (sequence 10)
- Language
- German
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reichen Wafferzustnß des nahen Baches in 10 Minuten das Feuer zum TLeile zu lsschen. Urtterdeffeu harren sich die zahlreichen Bewohner des Dorfes vor dem Hause und in dem Hofe Liel's zusammengerottct und srünnten mit dem Zinse: „Tödlet den Juden!- dem Hause zu. Der brave Finanzmann Pongracz, den die Rotte in der Dunkelheit für den Wirth hielt, wollte mit der Gefahr seines eigenen Lebens in die Wohnung dcs Wirthes cindringcn, uni ihn zu beschützen, er wmdc jedoch von dem Unterrichrer des Dorfes davon zurückgehaltcn, der ihn mahnte, vor dem räuberischen Volke selbst zu flüchten, was er auch nach wiederholten Ermahnungen that. Als die räuberische Menge in die Zimmer gedrungen war, suchte sie daselbst den Wirth, den sie auch unter dem Bette verborgen auffand; sie stürzte ans ihn los und schlug ihn mit Acxten und Stöcken, bis er seinen Geist ausgaö. Fenster, Thürcn, Möbel re. 2c. wurden von der Menge in Stücke gehackt, so daß außer der; Mauern im Hause nichts übrig blieb. Im Keller öffnete das Gesindel alle Fässer, deren Inhalt es ausflictzcn ließ. Die alte Frau des Biel, die mit ihm allein das Haus bewohnt, ist noch frühzeitig den Räubern entkommen. Die Leiche wurde am Morgen blutüberströmt und von den Schlägen bis zur Unkenntlichkeit entstellt, auf dem Fußboden gefunden. Dem Gerichte wurde heute darüber die Anzeige erstattet. Pesth. Die englische Botschaft in Wien hat im Wege des Ministerinms des Auswärtigen an das ungarische Unterrichtsministerium die Bitte gerichtet, ihr über die Anzahl der in Ungarn lebenden taubstummen Kinder, deren Unterricht und Erziehung in Anstalten und endlich darüber Aufklärung zu geben, in welchem Verhältnisse der Staat und die Gemeinden zu den Kosten beitragen. Der Unterrichtsminister hat aus diese Anfrage eine Ausfnuft crthcilt, welche die folgenden wesentlichen Daten enthält: In Ungarn befinden sich 15,000 Taubstumme und eMiren. zwei Tanbstnmmen-Jn-. stitute: das Landcs-Taubstnmmen-Jnftltut in Wachen und das ans dem Fochs'schen Legate errichtete israelitische Taubstmmnen-Jnstitut in Budapest. Beide Anstalten stehen unter der Aufsicht des königlich ungarischen Unterrichtsminifters. In der crsteren wurden im Schuljahre 1884/5 93 Zöglinge unterrichtet, von welchen 43 Landes-Stistungsplätze, 33 Privat-Sriftttngeplätzc .intte hatten und 3 ans private Kosten erzogen wurden. Dem Gcschlechte nach waren 01 Knaben, 32 Mädchen, der Religion nach 72 Römisch-Katholische, 1 Griechisch-Katholischer, 13 Reformirte, 5 Evangelische und 2 Inden. Der theoretische Unterricht strebt Zk§! es, -dH. dir Zöglinge specken lernen rmd' sich bk ta Leörrr mrlhrveudigM Kenntnisse erwerben; her preLffch: Umerrrckt befaßt sich mit der UaterweisrmZ m rLEHen Industrien. Bezüglich der letzteren ist Zn erwähnen, daß 7 Knaben das SchusterhandDerk, 11 das Schneiderhandwerk, 4 die Tischlerei u. s. w. erlernen, 32 weibliche Zöglinge erhielten Unterricht in Handarbeiten. Tie eigenen Einnahmen der Anstalt betrugen 23,945 fl., ihre gesammte Dotation war 37,000 fl. Das isr. Landes-Taubftummen-Znstitnt wurde im Jahre 1877 für 120 Zöglinge eröffnet: gegenwärüg sind 75 Schüler dort, nntergebracht. Die Gemeinden tragen nicht zu Erhaltung der beiden Jnstüute bei. Pefth. Der Budapester israelitische Harckwcrks- und Ackerbauverein hatte jüngst unter Vorsitz des Dr. Armin Schocnberg seine ordentliche Gcneralvenammlung. Dr. Schoenberg betonte in seiner Eröffnungsrede, daß sich in letzter Zeit betreffs Hebung des industriellen Unterrichts im Baterlande, insbesondere in der Hauptstadt die erfreulichsten Bestrebungen geltend machen und daß dem Vereine seitens hoher Behörden, Körperschaften und Privaten die größten (Sympathien entgegengedracht werden, wofür er seinen tiefgefühlten Dank darbringt. Dem Jahresberichte entnehmen wir die folgenden Daten: 1885 hatte der Verein 147 Hand- Werkslehrlinge, 5 Zöglinge der k. uug. Ackeröauschule „JftvLntelek," l Frequentant der' k. ung. Winzerschnlc, 6 Stipendisten an der k. ung. Staats- Gewerbe-DUttelschule und 3 Stipendisten an der k. ung. Kunstgewerbeschnle, zusammen 162 Zöglinge, um 15 mehr, als im Vorjahre. An Legaten und Spenden sind dem Vereine 3161 fl. zugegangen 2c. Italien. , Nom, 18. April. Zwischen dem Vattca« und dem hiesigen Ghetto herrscht jetzt ein lebhafter Verkehr, was übrigens uns römischen Inden nichts Seltenes ist, da sich dieses schon fett nahezu fünfzehnhundert Jahren jedes Jahr in der Osterwoche erneuert. Um nämlich den Gläubigen zu zeigen, wie die chr. Religion von Jahr zu Jahr mehr Anhänger auch unter den Inden findet, ist es schon ein uralter Gebrauch des Vaticans, daß er immer am Eharsamftag in der Laterankirche die Taufe an einer Judenfannlie und zwar stets durch den Eardinal-Vicar und unter Entfaltung eines großen kirchlichen Pompes vollziehen läßt. Nach der Taufe werden dann die Neubekchrten vom Papste in Audienz empfangen, dem sie persönlich betheuern, daß