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Der Israelit · 1886-04-29 · Heft 33-34 (29.4.1886) · page 20

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Journal
Der Israelit
Volume
27 (1886)
Issue
Heft 33-34 (29.4.1886)
Date
1886-04-29
Page
– (sequence 20)
Language
German
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B osn re v. Serajews. Die JnftaLstlon des neuen Metropolitan hat Wiederum gezeigt, daß die Anhänger der verschiedenen Confessioneu in Bosnien wie in der Herzogowina seit der österreichischen Herrschaft in voller Einigkeit neben einander leben. Bei dem vom Metropolitan gegebenen Bankett, zu welchem der Obcrrabbincr eine Einladung erhalten, druckte der Prälat seine besondere Befriedigung aus über die Betheiligung an den Festlichkeiten seitens der israelitischen Gemeinde. Der Kroncomunffär, Herr .Eosta von Hörmann ist bei den Israeliten so beliebt, daß, als derselbe jüngst ernstlich erkrankt war, in der Synagoge Gebete für seine Genesung verrichtet wurden. Ruß l a n d. Petersburg. In einer der letzten Sitzungen der Commission zur Prüfung der Judenfrage stellte ein antisemitisch gesinntes Mitglied den Antrags die Zahl derjenigen jüdischen Aerzte, welche nicht in der Armee und den städtischen Verwaltungen augestellt sind, zu beschränken. Ein anderes der höchsten Aristokratte angehörendes Mitglied vertheidigte die angcklagten praktischen jüdischen Aerzte aufs Wärmste, indem er insbesondere die humane Ausübung ihres Berufes in Bezug auf die Armen vhne Unterschied des Glaubens belobte. Der Chef der Polizeibehörde hat seine strenge . Maßregel gegen jüdische Soldaten und deren Familien zurückgenommeu und ihnen erlaubt, ihren Wohnsitz in Petersburg zu behalten. Wie wir bereits berichteten hat die Universität in Wilna jüdischen Studenten verboten, christlichen Kindern Unterricht zu ertheilen. Der dieserhalb an den Untcrrichtsnllnlstcr gerichtete Bericht drückte den Wunsch aus, daß diese Maßregel auf alle Universitäten des Reiches ausgedehnt werden möge. Der Minister übergab diese Frage einer besonderln Commission zur Prüfung, welche dieselbe mit großer Majorität znrückgewiesen hat. Der berühmte Orientalist Dr. Harkavy wurde zum Mktgliede der wissenschaftlichen Gesellschaft Silogos in Constantinopel ernannt. Er ist nicht allein der erste Jude, sondern auch der erste Russe, der dieser Ehre thcilhaftig wurde. Warschau. Seit voriger Woche erscheint die von Herrn Sionimsky seit 18 Jahren heransgegebcnc jüdische Wochenschrift „Hazcsirah" täglich. Mega. Die ^Ausweisungm VW Inden aus hiesiger Ttadt werden mit großer Stange fortgesetzt? Jüngst wurde auch der allgemein geehrte Lehrer Loria, welcher schon feit 20 JHren di:e jiskr Aussicht der Regierung stehende Schule leitet, ausgcwiescn. Obgleich der UuterrichtsmüüftLr Herrn Loria ein besonderes Lob für seine Wirksamkeit in der Jugenderziehung aasgesprocheu, verfügten die Lokalbehörden dessen Entfernung aus Lee' Stadt. Eine Ordre des Ministers des Innern, an den sich Herr L. gewandt, verfügte die einstweilige Jnhibirung dieser Maßregel. In Galt« stürzte am letzten der Fußboden der Frauengallerie in der Synagoge zusammen, wodurch mehr als 60 Frauen schwer verletzt worden sind. Wieso das Unglück geschehen konnte, ist noch nicht aufgeklärt.: T ü r f.c L Kouftairtiuopel. Der Chacham Bafchi, Herr Moses Lcvy Essend!, hat feinen einmaligen jährlichen ' Gehalt uu Betrage von 1700 L., außerdem eine größere Summe leihweise der jüdischen Gemeinde übergeben, damit mit diesem Gelde die Armen überhaupt und arme Studirende insbesondere unterstützt werden. Sein Schwiegersohn, Seuor Jacob Elnakva, hat der Gemeinde ein Grundstück von 400 Quadratmeter geschenkt, auf welchem ein Erosn m errichtet werden soll. Palästina. Jerusalem. Der verstorbene Herr Elias D. I. Ezra in Calcntta har, wie der in dieser Stadt erscheinende „Paerach" berichtet, eine große Summe zur Errichtung einer Jeschibah in Jerusalem-, die seinen Namen tragen soll, hinterlassen. Die hiesige jüdische Gemeinde wurde durch die Ankunft einer weiteren Anzahl jüdischer Familien aus Aemen unangenehm überrascht. Gleich ihren Vorgängern haben sie ihre Heimath in Südarabien in Folge schrecklicher Verfolgungen verlassen. Die Angekommenen brachten die nichts weniger als freudige Nachricht mit, daß nach dem Peßachseste noch eine viel größere Zahl bedrückter Inden aus jener Gegend nach Jerusalem kommen werde. Die jüngst Angekommcnen haben zwar ihre Brüder vor dieser Ucbersiedlung gewarnt und ihnen die traurige Lage der Juden in Jerusalem vor Augen gestellt, aber die Warnung hat nicht den geringsten Effekt «»«geübt.

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