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Der Israelit · 1886-04-29 · Heft 33-34 (29.4.1886) · page 7

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Journal
Der Israelit
Volume
27 (1886)
Issue
Heft 33-34 (29.4.1886)
Date
1886-04-29
Page
– (sequence 7)
Language
German
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ft*# | I §taÄ»e, die Mittel MMkinden, Lre Esch MD §rj f wünschte!! Ziele führen werden. Mer ich Lenne j ] rinni weisen Mann, der senseits des Rheins im ’ Walde als Einsiedler lebt. Wenn es Euch recht | i in, toüUm wir ihn anfsllcheu und feinen Rach em- 1 1 holen." I ‘ Der Ritter war damit einverstanden, und am j! andern Morgen, mit TagcsanbruS, wänderten die i Beiden an den Rhein, wo ein Fährurcmn sie über | i den Fluß führte. Dort, wo jetzt Dorf an Torf i'l sich reiht, wo des Wanderers Weg im Sommer durch wogende Kornfelder führt, wo jetzt nach ver- - fchicdcucn Richtungen hin das Dampfroß in der | volkreichen Gegend den Verkehr vermittelt, befand 1 - sich zur Zeit unsrer Erzählung ein dichter Wald, j in welchem Bären und Wölfe hausten. Mitten f im Dickicht hatte ein Einsiedler die alten Riesenj bäume umgehallen und sich ans deren Stämmen ein j Kirchlein erbaut. .Oer verbrachte er einsam seine! I Tage, und von weit und breit wandcrtcn die Leute herbei, um sich von dem Manne, der im Rufe der Helligkeit stand, Rath zu holen und feinen Segen! zu erbitten. Hans Wyler war schon mehrfach bei j ihm gewesen; er kannte daher den Weg genau. Sie fanden den Einsiedler, da er in seiner Hütte neben dem Kirchlein ein Heiligenblld für dieses schnitzte. Der Eremit war ein uralter Mann, welcher das gewöhnliche Maß menschlichen Lebens längst überschritten hatte. Lebte er doch schon fast ein halbes Jahrhundert als Einsiedler im Walde, und war er schon kein Jüngling mehr,, als er die Einsamkeit ausgesucht hatte. Ein langer, schneeweißer Bart fiel ihm bis auf die Brust hernieder, und unzählige Runzeln durchfurchten fein mageres Angesicht. Die beiden Männer knieten vor ihm nieder und erbaten seinen Segen. Segnend legte der Einsiedler feine Hände auf ihre Häupter und murmelte einige unverständliche Worte. Hans Wyler öpnete den Quersack, den er niitgebracht hatte, und entnahm ihm ein Brod, eine Flasche Wein und einige Säckchen, mit Erbsen, Bohnen und Hirse gefüllt. Der Wirth zur goldnen Kanne legte die Gaben in der Hütte nieder, ohne daß der Einsiedler es zu beachten schien. „Heiliger Vater," sagte Hans, „dieser edle Ritter, Herr Wolf von Trachcustcin, ist ans ferner Gegend hierhcrgekommen, um bei Euch sich Rath zn erholen. Ein elender Jude hält das Herz nnicrcs allcrgnädigstcn Kaisers durch ciucn bösen Zauber gefangen. Einer der Vorfahren des edlen Herrn von Trachenftcin zog einst ans, den Lindwurm zu erschlagen, welcher das Volk beängstigte, i Dieser edle Ritter, sonder Furcht und Tadel, ist j sntzeZoZen, um das hM§e. deutsche Reich von den Feneln zu befreien,, m die ein Jude das. Herz des Kaisers geschlagen. Wcnn?es ihm gelingt, des Inden Braut Zu verfiihren, so ist ihr Verlobter dem Tode verfallen. Noch hat wohl keines Frän-! lems oder Dirnlems Herz dem schonen Ritter widerj standen. Aber dieser Judendinie kann er nicht! nahen, um sie Zu gewinnen. Der Vater hält sie emgefchloffcn. DcMalb sind wir Zu Euch gekommen, damit Ihr uns ein Kräutlein oder ein Pulver verabreicht, das, von der Jüdin genossen, sie in Liebe Zu dem Ritter entbrennen läßt, auf daß sie von selbst dem Ritter zulaufe. Die alte Trude, die den Säbbatdienst in dem Judenhause versieht, wird cs ihr schon in ihr Morgensüpplein mischen. Gewährt unsere Bitte, heiliger Vater! Ihr werdet dadurch Kaiser und Reich von dem verderblichen Einflüsse des Juden Daniel von Gernsheim befreien" Als der Erevlit den Namen Daniels von Gernsheim nennen hörte, erzitterte sein ganzer Körper. Wie abwesend starrte er vor sich hm, und die beiden Männer wagten kein Wort zu reden. Alte Erinnerungen hatte dieser Name im Geiste des Einsiedlers wachgerufen. Einst war er ein vornehmer Herr, ein mächtiger Ritter, gewesen, der froh und glücklich an der Seite seiner schönen Gemahlin aus seinem Schlosse Goddelau gelebt hatte. Da wurde er zum Heerbanne aufgerufen und mußte mit seinen Vasallen dem Kaiser helfen, die in Deutschland eingefallenen Hunnen zu vertreiben. Nachdem der Feldzug war siegreich beendet worden, kehrte er ruhmgekrönt in die Heimath zurück. Nächtlicher Weile zog er in sein Schloß ein£ da fand er seinen besten Freund, der Ritter von Buttelborn, bei seiner tteulosen Gatttn. Er tödtete den falschen Freund und das buhlerische Weib. Aber die mächtigen Verwandten des erschlagenen Ritters sannnelten ein Heer, belagerten die Burg Goddelau, erstürmten und zerstörten sie. Durch einen unterirdischen Gang entkam der Ritter den Händen seiner Feinde. Er entfloh nach Gernsheim, wo ihm der Jude Daniel Unterkunft gewährte und ihn lange Zeit in feinem Hause versteckt hielt, bis er, nngekannt und unbeachtet, aller weltlichen Freuden überdrüssig in den Wald zog, um daselbst als Einsiedler zu hausen. Ein Halbes Jahrhundert war seitdem vergangen. Jener Daniel von Gernsheim war längst gestorben. Es mußte wohl sein Enkel sein, der jetzt beim deutschen .Kaiser, zu hohem Ansehen gelangt war. Endlich raffte sich der Eremit aus seinem Nachsinnen empor. „.s>rr Ritter", sprach er, „wenn ich Euch zn

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