Der Israelit
- Journal
- Der Israelit
- Volume
- 27 (1886)
- Issue
- Heft 31-32 (19.4.1886)
- Date
- 1886-04-19
- Page
- – (sequence 20)
- Language
- German
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wenig nnd rief hinein: „Herr Doktor, Sie finb mcschngeDann eilte er in großen Säsen die Treppe hinunter. Der Doktor hatte dies gar nicht gehört. Don seinem Büchettcal hatte er ein (Exemplar der Gesänge Davids genommen und seine Licblingsstellcn aufgeschlagen. Schiwißi adonai lencgdim so las er, Gott stelle ich mir stets gegenüber, ki mijanini dal emmot. denn ist er zu meiner Rechten, wank' ich nicht, sckomereni ül ki choßißi bock, bewahre mich, mein Gott, denn ich vcrttaue aus Dich". Und er las sott nnd sott! Etwa eine Stunde mochte er so verbracht haben. Als er das Luch weglcgte, fühlte er sich wunderbar gestärkt. „Ich will nichts unversucht lasten," sagte er scsi und seine jetzige Entschlossenheit war eine ganz andere, als der wilde Trotz, in dem er sein „Es sei I" gerufen, „Nichts sei ungeschehen, was mich retten kann. Fahr' hin, mein Stolz, ich will zu ihm, ich will ihn, so arm ich bin, um die Hand seiner schönen, geistvollen, reichen Tochter bitten, und läßt er mich dann ans seinem Hause Wersen, wohlan! auch das ergehe über mich! Aber vielleicht, mein Gott, vielleicht? Tu bist ja so unendlich gut, Tu hast mir ja schon so oft geholfen aus tausend Nöthen." Es waren fast ihre Worte. „O, mein Gott, Allcrbarnlcr, wenn vielleicht eine Stunde mich rettete, auS allen Schmerzen, ans Noth, aus Verzweiflung!" „Ich lege Euch heute vor Tod und Leben," citirte er. Er fab nach der Uhr; in einer halben Stunde ging der Nachtschnellzug nach München ab. Wollte er ihn erreichen, mußte er sich sehr beeilen. Er trat in das Zimmer seiner Wirthin. „Fron Kübel", sagte er, „ich schulde Ihnen noch die Micthe für zwei Monate." „C, das hat gut Wege", sagte die brave Frau. „Ich will cs auch noch nicht bezahlen," lächelte er, mit einen! Anflug von Schmerz, „ich wollte Sie bitten, mir noch 50 M. dazu zu leihen." „50 M.!" wiederholte die Frmu „Ist viel Geld! Judcsten, Sic sind ein braver Mensch, Herr Doktor, und werden mir'» wicdergcbcn, sobald Sie können. Sie sind ein frommer Iud, Herr Doktor, nnd ich bin eine fromme Katholikin; aber die unseren Herrgott lieb haben, sind All miteinander verwandt und lauter brave Menschen," damit ging sic und brachte die gewünschte Summe. Es war an einem Sabbat Nachmittage. Die Läden.dcS Itzigsohn'scheitGeschäftes waren geschlossen; ein großer oster stand mitten im Eomptoir und Tristan saß an einem Pulte und stellte die Summe zusammen, die er für die Reise etwa brnnchen würde. „45 M. 10 Pfg." schneb er „das RetonrbilleL. Biel Geld für so cm unsicher Geschäft." „6 M. für einen Strauß nach der Verlobung, einer für fünf that's aucher strich die 6 aus. „Schrecklich dunkel ist es hier," fügte er mit rinem bösen Blick auf die Läden. „Aber, was soll man machen? Ich muß cs die kurze Zeit, bis ich verhcirath' bin, schon aushatten; man macht eine Diel bessere Pattbie hcmzutag als Frommer. Nachher kann ich ja's Geschäft ruhig ausmachcn." Ein Postbote überbrachtc ein Telegramm; Tristan riß es auf. „Dottbleibcn! Nccha Goldstern, Dr. Barfeld gestern Abend verlobt." Einen Augenblick sah er die gedruckten Buchstaben sehr verdutzt an; dann ging ein verständnißinniges Lächeln über seine schönen Züge, wie wenn eine trockne Brodtorte plötzlich mit Eiersauce überfloijcu wird. Darauf zählte er die Worte der Depesche und schrieb dem Schadchen 70 Pfennige gut. Dann überbrachre er sie seinen Ettern, die im Cabinet, er hinter seinen Geschäftsbüchern, sie Hücker einem Lcihbibliothekroman, faßen. »Keinen Menschen soll man um Auskunft augeh'n!" sagte er, und als Papa und Mama Jtzigsohn gelesen hatten, ries Papa Jtzigsohn: „Ich Hab' Dir schon oft gesagt. Du sollst vorsichtiger mit fremden Menschen sein!" Tristan aber .sagte.: Jetzt weiß ich, was dem Doktor seine Stuß bedeutet haben!" Auflösung des Preis-Räthsels im vorjährigen Volks-Kalender: nit>, K alendcr. — rtt>, Bimdcstafcl. — m>, Schreibtasel. llnttr den Einsendern der richtigen Auslösungen wurde gelooft und fiel der (gewinn auf Herrn Selig SchwarzssHilb, Frankfurt a. M., welchem der Gewinn, bestehend auS Lessings illuftrirte Werke in Prachtband, franco zugesandt wurde. - Wochen-Kalender. Freitag, 23. April, 18. Nissan. Samstag, 24. April. 19. Nissan, 'n mrrn vtt a-nnrne Sabbat-Ausgang 7 Uhr 55 Min. (Mainzer Uhr). Sonntag. 25. April, 20. Nissan. '« Try pv« Montag. 26. April. 21. Nissan. '' -vsty PID21 Dienstag» 27. April. 22. Nissan, 's r:iy riDDI Vt Mittwoch, 28. April, 23. Nissan, '.nwyjn reu sieslcS-Ausgang 8 Uhr — Min. (Mainzer Uhr.) Freilag, »v. April. 25. Nissan. Samstag, I. Mai. 2«. Nissntt.' 'w *h r\c n"2? S't'i?