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Der Israelit · 1886-04-19 · Heft 31-32 (19.4.1886) · page 17

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Journal
Der Israelit
Volume
27 (1886)
Issue
Heft 31-32 (19.4.1886)
Date
1886-04-19
Page
– (sequence 17)
Language
German
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3ülVlL$g§rgss!g. Zweite SÄsze jk JÜr. 3 t L 32 des Ismetit. Zeitnugssarhrichte« vsL S^orrefpoudevzen. .Rumänien. Jassy. Von hier werden nach nss 30 jüdische Familien unter Anführung des bekannten Schriftstellers Dr. Lippe nach dem heiligen Lande auswandern, nm in Safcd eine Kolonie zu gründen. Tie Leute sind durchaus wohlhabend und beanspruchen keine fremde Unterstützung. Frankreich. Paris. Obgleich der Kriegsmimster allen isr. Soldaten während des Pcßachfestcs einen Urlaub von acht Tagen bewilligt hat, wurde von einigen Offizieren einzelnen isr. Soldaten der Urlaub verweigert. Der Herausgeber der Arch. Isr., an den sich dieserhalb die Soldaten gewandt, hat die Beschwerde an den Kriegsmimster gebracht. Amerika. Philadelphia, 1. April. Mit nicht geringem Bedauern werden wohl die Leser der „Ncw-Aorker Staatszeitung" und anderer „Daily v" in den Annoncen der Landlords (Hausbesitzer) für Miether ihrer Etagen oder Häuser den Einschalter: „Keine Juden!" bemerken. Gewiß unangenehme Vorfälle. F c n i l l e t o n. Am Scheidewege. Eine Skizze aus dem Leben. Bon Ion. Lehmann. In seinem „einfach niöblirten Zimmer" lief der junge Mediziner Dr. Bärfeld aufgeregt hin und her. Er schien einen heftigen Kampf mit sich zu kämpfen. Dr. Bärfeld war erst vor Kurzem nach D. gekommen, und als junger Arzt ohne großen Vcrwandtschafts- oder Bekanntenkreis hatte er fast noch gar keine Praxis erlangen können. Von Hause hatte Bärfcld keine Zuschüsse mehr zu erwarten, da sein vor wenigen Monaten verstorbener Vater kaum so viel hinterlasscn hatte, daß die Mutter und die jüngeren Geschwister davon leben konnten. So kam es, daß der junge Doktor schon früher amHnngertuch genagt hätte, weniger sich den Luxus, ein Tuch zu zernagen, hätte gestatten kömten. Fast allen Kollegen m D. war die Lage des armen, jungen Mannes bekannt, und da sie dem ebenso bescheidenen, als talentvollen nnd geschickten Jünglinge Wohl wollten, so hatten sie ihm die Stelle eines Inspektors am städtischen Kraukcnhause verschafft. Die 1200 M. jährlichen Gehalt schützten ihn vor der äußersten Noth und konnten ihn, bis er Kliemen bekomme, vor dem Untergänge bewahren. Bärfcld hatte Anfangs bei diesem Vorschläge eine herzliche Freude empfunden; doch bald waren ihm Bedenken aufgcsliegen, denn, wie er wußte, war es geradezu unmöglich, in dieser Stellung die Sabbatgcsetze zu wahren. Moses Bärfcld, der Vater des Doktors, war ein „Halber" gewesen; für sich noch „fromm", konnte er sich in Ansichten nnd Duldung in seinem Hause den Neformirteften an die Seite stellen. Dr. Bärfcld hatte ein frommes Gemüth, und da er in den letzten vier Semestern, die er auf der Universität zu München verbracht, ausschließlich in frommen Familien verkehrt hatte, so war es in ihm zur Reise gelangt, stets den Satzungen unserer heiligen Religion treu zu bleiben; jetzt aber war er wieoer in's Schwanken gerathen. Soll ich Hungers fterbcn? fragte er sich ein über das andere Mal, oder soll ich aufgeben, was mir bisher heilig war, und soll ich Dich aufgebe», Necha, mein Trost und meine Hoffnung in allen Leiden? Zwar besitzen werde ich Dich niemals dürfen, aber dürfte ich es wagen, nur noch an Dich, Reine, zu denken, wenn ich mir selbst untreu würde, meiner innersten Ueberzeugung entgegcnhanoelte? Niemals! rief er laut, und er erschrack sosehr vor seiner eignen Stimme, als habe er sein Todesurthcil sprechen hören. Der tiefe Schmerz, der sein Innerstes durchwühlte, lies; seinen ganzen Körper erbeben. Noch ein Augenblick des Besinnens; cf zog mir hastigem Griffe sein Portemonnaie nnd zählte seine Baarschaft. Obgleich er seit Wochen fast nur von Brod gelebt, war sein Geld auf 57 Pfennige herabgeschmolzen; dabei schuldete er seiner Wirthin die Miethe für zwei Monate. Der Hungertod ist mir zu schmerzlich, sagte er, während eine finstere Entschlossenheit sich auf seinen Zügen malte, und der Sunde des Selbstmordes zieh' ich die Sünde der Sabbatentweihung vor. Geschehe, was nicht anders sein kann; es sei!

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