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Der Israelit · 1886-04-19 · Heft 31-32 (19.4.1886) · page 13

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Journal
Der Israelit
Volume
27 (1886)
Issue
Heft 31-32 (19.4.1886)
Date
1886-04-19
Page
– (sequence 13)
Language
German
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5S1 rungebcrr denselben von Men Setten, schroff strebt Las Gestm! nach öden mb düs Thal fidü den präckngsten Gürten Lar, den man sich nur denken iami. Gn schönes, feuchtes Grün überzieht die Erde, das Zar freundlich contrafürt gegen die Oede und Dürre der nackten FelfenbrLdnrrgen^ welche gebieterisch-irr die Hohe starren. In dem Bache, dessen Walter rauschend dahmströmen durch das von Rosen geschmückte blumenreiche Beet, ergötzen sich muntere Fifchlcm, deren schuppcnartiges Gewand in den schönsten Farben prangt. Auch zog man dort seltene Früchte und Pflanzen. Kaum eine Liertelstunde von Bethlehem befindet sich das Grab der Rachel, der Gemahlin des Patriarchen Zakob. Man liest im I. Buch Moses <35, 20), daß Jakob daselbst ein Denkmal errichtete. Bentmin von Tudelc und Rabbi Petachja fanden hier cm solches aus 11 Steinen zusammengefügt vor, nach der Zahl der 11 Söhne Jakobs, Benjamin war noch nicht geboren, da er mit dem Tode feiner Mutter erst das Licht der Welt erblickte. Das Grab ist mit weißem Gyps bedeckt, auf dem mehr als tausend hebräische Namen geschrieben sind. Bethlehem ist die Heimath Elimelechs, der mit seinem Weibe Noomi in's Moabtter-Land zog (Ruth 1,1), ebenso des Boas, der die Moabitin Ruth hcirathete und der Urgroßvater David's wurde. David hütete hier die Schafe seines Vaters und ward hier von Samuel gesalbt (1 Bam. 16 n. 17). Rehabcam befestigte Bethlehem (2 Chron. 11, 5. 6.). Ich eile den Hügel hinauf, um das obere Ende eines tiefen Thalcs hermn^ das östlich zum tobten Meere hinläuft. Die kolossalen grauen Felsen, die wir bestiegen, find so kantig, als ob der Hammer eines Arbeiters sie behauen hätte. Um diese Felsmasscu schlingen sich grüne Reben, während sich ein Reichthum dieser edlen Gewächse auf den Flachen entfaltet, welche am Fuße der Felsen urbar gemacht worden sind. Die Thürme, welche aus dem grünen Grunde ragen, sind von Palmen beschattet, die ihre dunklen Früchte auf die Stcindccke hcrabfallcn lassen. Ich erblicke einen ungeheuren Abgrund zwischen fünf oder sechs hohen Bergen, die düster ausschcn und ihre felsigen Gipfel nach oben richten, als wollte» sie die niedrig schwebenden Wolken erreichen. Zur linken Sette der Berge liegt Mod in, die Burg und das Grab des Helden aus dem Makkabäcrgeschlechte. Die Trümmer dieses berühmten Schlosses werden von zwei verwaisten Terebinthen beschattet. Man sieht noch bic Spuren einer Wasserleitung, welche von dem Berge in die Tiefe führt. Von dieser Höhe erblicke ich Jerusalem. Die großen Mnarets starren pyramidenförmig empor und die hoben Kuppeln einiger hohen Häuser glänzen im reinsten Wchtgolde, mit welchem sie die Sonne überschüttet. In schwarzes Dunkel gehüllt, erhebt sich der Oelberg unter dem zauberischen Grunde des hellblauen, wolkenlosen Firmaments. Bis zu den Thoren jjoh Jerusalem dehnen sich Hügel aus mit Felsmapen abwechselnd, die den Anblick der Stadt verdüstern. Alte Olivenbäume stehen am Wege und wiegen ihre schwärzlichen Kronen im leisen Winde. Je näher wir der heiligen Stadt kommen, desto mehr hänfen sich die Trümmer, und Ruinen eurer ehemaligen Größe und Herrlichkeit. Manchmal ragen diese verwitterten Reste so steil in die Höhe und sind so schwach gestützt, daß sie den Wanderer augenblicklich zu bedecken drohen. Endlich wurde die heilige Stadt sichtbar. Denkt Euch meine Gefühle. Ich sehe I c r u s a l e m. Ich habe cs mtt Gottes Hülfe erreicht. Gottes Güte hat mir vergönntem der heiligen Stadt zu weilen. Bald, geliebte Eltern, mehr von dieser ewig denkwürdigen Stadt. Wie soll ich Jerusalem schildern, wie den Eindruck, den ich hatte , als ich mich dieser Stadt näherte! Mehrere Mitreisende küßten den heiligen Boden , andere weinten vor Freude und Rührung. Ich erinnerte mich der Scene im Taffo: „Jerusalem sehen wir vor ihren Blicken/ Jerusalem, sie schlauen s mit Entzücke«, Und Tausend Stimmen rufen im Vereine: Jenrsalcm! Jerusalem! die Eine- Und Einer zcigt's dem Andern, und vergessen Sind Müh' und Noch des Weges, ungcmessen." Wir zogen durch das Jaffa thor ein und / nahmen unser Absteigequartier bei unserem langjährigen Freunde Rabbi Israel Wolf , der, wie viele meiner Glaubensbrüder, vor Jahren hierher gekommen war, den Rest seines Lebens durch Beten und fromme Werke zuzubringen. Noch am selbigen Abend besuchte ich die Synagoge der Aschkenasim und machte die Bekanntschaft einiger intelligenter Glaubensgenossen. Ich gedenke hier einen Monat zu verweilen und von hier aus mehrere Briefe an Euch abgehen zu lassen. Das werden lauge, hoffentlich aber keine langweiligen Briefe werde». Ich weiß, daß Euch Alles vom heiligen Lande interessirt und darum will ich recht ausführlich sein. Seid hcrzlichft gegrüßt von Eurem dankbaren Sohue Ben Joseph.

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