Der Israelit
- Journal
- Der Israelit
- Volume
- 27 (1886)
- Issue
- Heft 31-32 (19.4.1886)
- Date
- 1886-04-19
- Page
- – (sequence 9)
- Language
- German
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' LeiLerröer Netikel. Are HedäHtnißKunst die ßeörmfche Sprache. Von Gsrar Lehmas«. Dampf und Electtizität find die Schlagwörter unserer modernen CulLur. Diesen Beiden analog könnte man für das geistige Leben die Worte Stenographie und Gedächtnißkunst setzen. Denn schnell, wie der Dampf die Maschine treibt, so schnell wird heute das gesprochene Wort auf dem Papier verewigt, und wie die Electtizität ihre Drahte in die Welt sendet zum Dienste der Menschheit, so muß das Gehirn heute seine Nervendrahte missenden und ansvannen, um das ungeheure Wissen der Gegenwart zu erfassen und zu begreifen. Eine der Hauptfunctionen, die das Gehirn Zu verrichten hat, ist die des Gedächtnisses. Man begreift darunter diejenige Fähigkeit des Geistes, vermöge deren wir Gedanken, welche wir einmal harten, oder Begriffe, die wir merkten und faßten, überhaupt Gedachtes, Gesehenes und Gehörtes behalten und willkürlich wieder in uns erneuern können. Trotzdem daher das Gedächtniß kein produktives,, sondern ein reproduktivesGeisiesvermöaen ist, trotzdem ist es heute bei den immensen Anforderungen, die die Wissenschaft an jeden Gebildeten stellt, wichtiger denn je. Man hat deshalb in nichtjüdischen Gelehrtenkreisen. den Versuch gemacht, dem natürlichen Gedächtniß durch künstliche Mittel zu Hilfe zu kommen und es ist im höchsten Grade erstaunlich, wie man gerade auf dasjenige System verfallen ist, dessen Technik uns Juden schon seit Jahrtausenden eigen ist. Hören wir einmal, wie die modernen Mnemotechniker ihr System auföauen. Der berühmteste unter ihnen ist der Philologe Carl Otto genannt Rcrcntlorv, der auf seinen Reisen und Wandervorlcsnngcn das größte Aufsehen erregte. Sein Verfahren in Bezug ans die in der Geschichte und Geographie nothwendkg Zu behaltenden Zahlen (z. B. der Jahre,. des Flächeninhaltes, der Einwohnerzahl u. dcrgl. m.) besteht aus Zahlensnbstitntionen für die Buchstaben solcher Worte, welche auf den zu memorirenden Hauptgegenstand Bezug haben (z. B.: I — t — das t hm einen Grundstrich, — 2 n oder v — zwei Grundstriche, - 3v ober m — drei Grundstriche, — 4 q — «juator, qualre) im b sind diese Unterstellungen selbstredend zuvor in's Gedächtniß einzAprägen! Wie ungeheuer leicht hüben wir es mm, die wir der hebräischen Sprache mächtig sind und denen seit frühester Kindheit die Zahlenwerthe der hebräischen Buchstaben bekannt sind, diesen Gedächtnißkünstlern gegenüber! Wir wissen, daß «X» MO 403 300 2ö0 100 90 SO 70 Cö 50 40 SO 20 10 9 S 7 6 5 4 3!1 2 ", n r n p s s y d : o b 3 ’cnnmi]» 900 000 700 * - r n 1 - - Welche Erleichterungen und Annehmlichkeiten uns diese Kenntniß verschafft, in Wissenschaft wie im Gcschäftsleben, in Gesellschaft wie im Privatverkehr, in Schule sowohl als im Hause, ist eigentlich noch ' viel zu wenig bekannt und mögen diese Zellen dazu beittagen, diese Fertigkeit mehr wie bisher ausznnützen. Wie angenehm mag es z. B. einem Logarithmenrechner sein, dem an dem Merken derZahl 19840010203008050 liegt, wenn er statt dessen nur die Worte «KM 'S LW zu behülten braucht oder wie bequem ist es für den Kaufmann, der 4322 Eentuer Tuch gekauft chattund^ _ diese Zahl durch das Wort bchalt. Wenn wir nun das arabische Stellenwerthsystem bei Ueberttagung in's Hebräische bcibehalten, so ist es nicht gesagt, daß wir uns gerade auf die ersten neun Buchstaben des hebräischen Alphabets beschränken müssen, sondern wir können auch die übrigen Buchstaben in ihren kleineren Werthen (pp isdd), je nachdem es uns gerade zur Wortbildung paßt, verwenden. Angenommen, wir sollen uns die Zahl - 412941928 merken und setzen dafür die Buckstaben 1*021X2311 so lassen sich hieraus schwer Worte bilden; wenn wir aber statt einiger Einer gleichwerthige größere Buchstaben, z. B. Zehner und Hunderter nehmen, z. B. statt' des 3 — 2, -> 200, statt des 1 — 4, 2 — 40, statt n l, * 10 it. f. w., so erhalten wir die leicht zu behaltenden Woert 2^2 ist hierdurch für die Bildung eines Wortes ans einer Zahl der größte Spielraum gewonnen und man kann mit Leichtigkeit „Bezichnngen schaffen", wie die Mnemonik es nennt, denn die gcsammten Lehren der Mnemotechnik beruhen ans den Idecnäffocialionsgefctzcn. So können z. B. für