Der Israelit
- Journal
- Der Israelit
- Volume
- 27 (1886)
- Issue
- Heft 31-32 (19.4.1886)
- Date
- 1886-04-19
- Page
- – (sequence 7)
- Language
- German
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schwemm, La sie jafür ihr Leben fmMcn mußten, wenn fie irgend etwas davon verrachen Härten. Nur so viel erfuhr Nnben, daß Mttrr Wolf von Lrachenftein am Tage nach dem Hosicfte, von einigen Knappen und Knechten begleitet, nach Worms abgereist sei. Wohl zerbrach er sich den Kopf darüber, was der Ritter, der aus Obewsterreich stammte, in Sorms zu thun habe. Mein er vermochte cs nicht zu errarhen.- Da kehrte Daniels Bote zurück und brachte Briefe vom Rabbi und. von Ncchamah. Daniel küßte den Brief seiner Braut. Dann wollte er den Umschlag lösen, um sich in den Inhalt des Schreibens zu vertiefen, allein, er bezwang seine Begier. Er trat auf die Thierschwelle, legte die Hand auf den Gottesnamen der Mesusah und sprach: „Ich stelle Gott mir stets vor Augen: Er ist zu meiner Rechten, ich werde nicht wanken." Dann küßte er seine Hand, die den Gottesnamen berührt hatte, und nun erst öffnete er den Brief der Geliebten. Mit unbeschreiblicher Wonne las er die Ergüsse einer reinen, kindlichen Seele. Immer heiterer wurde seine Stirne, und als er an den Schluß des Schreibens gelangte, sprang er in die Höhe und rief: „Gott, mein Gott, wie kann ich Dir genug danken! Mein Schwur hindert mich, irgeud eine Warnung nach Worms gelangen zu lassen und jetzt schreibt mir die Geliebte, daß sie bis nach der Hochzeit nicht vor die Thüre des väterlichen Hauses treten wird. Das ist Deine Fügung, allbarmherzigcr Gott! Gesichert ist sie vor den Nachstellungen des Ritters, der sich ihr gar nicht zu nähern vermag, der sie wahrscheinlich'nicht einmal sehen wird. Kein Zweifel an der Treue meiner Braut ist in meinem Herzen aufgestiegen; aber ein so junges Kind! Und schwach ist das Menschenherz. Nun aber ist sie vor allen Angriffen gesichert. Gesegnet seiest Du, theure Atutter, daß Du so sorgfältig Dein Kind bewachst." Von diesem Tage an war Daniel wieder heiter. „„Herr,"" sagte Rüben „„wie froh bin ich, daß Euch das Essen wieder schmeckt! Ist die Gefahr, die Euch bedroht hat, beseitigt?"" „Gott hat sie gnädig an meinen: Haupte vorüber gehen lassen." Im Gasthof zur goldnen Kanne in Worms war Ritter Wolf von Lrachenftein mit seinen Reisigen eingekehrt. Der Wirth beeilte sich, den vornehmen Gast nach seinen Wünschen zu fragen. Reben der großen Wirthschaftsflube befand sich ein kleineres Gemach, in welchem die vornehmeren Gäste zn verkehren pflegen. Jetzt war es leer; denn die Gäste psseZtca erst nach Sonnenuntergang emznkchreu. In dieses Zimmer führte der Wirth dm Ritter. „„Macht's Euch hier bequem, gnädiger Herr"", sagteer, „„und befehlet mir, womit ich Euch dienen kann."" - „Zum Ersten," sagte der Ritter, „holet zwei Krüge von Eurem besten Wein, einen für mich und einen fiir Euch. Dann besorget ein leckeres Mahl für mich und für Euch; ich will mit Euch zusammen essen und trinken; aber nur mit Euch allein. Sorget dafür, daß wir ungestört bleiben. Ich habe mit Euch zu reden." „Ich weiß," antwortete der Wirth, sich ttef verneigend, „die hohe Ehre zu schätzen, die Ihr mir erweiset, gnädiger Herr, und werde Alles auf das Pünktlichste besorgen." Der Wirth entfernte sich, und ein Mädchen kam herein, um den Tisch zu decken. Bald darauf erschien der Wirth wieder, zwei mächttge Steinkrüge auf den Tisch stellend. „„Trinkt, gnädiger 'Herr,"" sagte er, „„das ist ein köstlicher Tropfen, eigenes Wachsthum, aus den besten Lagen «nfercs an edlen Wein so reichen Stadtgebietes."" „Setzt Euch zu mir, Herr Wirth und gebt mir - Bescheid. Aus Euer Wohl!" „„Aus Euer Wohl!"" „Das ist ein köstlicher Wein, feurig und mild und nicht so hart, wie unser Oefterreicher. Der labt den Gaumen und fließt sanft und mild durch die Kehle. Wie lange kann cs wohl noch dauern, Herr Wirth, bis das Essen angerichtet wird?" » „„Eine halbe Stunde."" „Werden wir bis dahin ungestört bleiben?" „„Ich habe angeordnet, daß Niemand herein kommen darf."" „Seid Ihr in Worms geboren, Herr Wirth?" „„Meine Vorfahren haben bereits in Worms gewohnt, als der tapfere König Siegfried den Lindwurm erschlug."" „Auch einer meiner Ahnen, der starke Ritter Wingold. erschlug einst einen Drachen, und daher heißt mein Schloß der Lrachenftein." Der Wirth stand auf und verneigte sich. „„Ich bin hochbeglückt,"" sagte er, „„daß der edle Ritter von Lrachenftein mein armes Hans durch seine Anwesenheit ehrt. Ich heiße Hans Wyler und bin erbgcseffener Bürger der freien Reichsstadt Worms."" „Ihr kennt wohl so ziemlich alle Bewohner der Stadt?" „„Gewiß, gnädiger Herr.""