Der Israelit
- Journal
- Der Israelit
- Volume
- 27 (1886)
- Issue
- Heft 30 (15.4.1886)
- Date
- 1886-04-15
- Page
- – (sequence 17)
- Language
- German
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XXV1L ZrchrgauZ. Zeitrrsgs«achriLhLe« srab SorrefporrLerrzerr. D e u t s ch 5 anti. Wrefcheu, 7. April. Der diesmalige Bericht über Derwalmng und Stand der Rttsche-Flarau'schcu Waiscn-Erziehungs-Anstalr für Mädchen in nuferer Provinzial-Hanptstadt pro 1865 beginnt Leider mit der Mittheilnng einer Reihe schwerer Verluste, welche diese Verwaltung im Lause kaum eines Jahres erlitten. Herr Paul Jolowicz, seit dem Jahre 1877 Atitglied des Vorstandes, würde am 11. Dezember 1884 der Anstalt durch den Tod entrissen. Während seiner 7jährigen Thärigkeit war der nun Tabingeschiedenc aufs eifrigste bestrebt in treuer Pflichrcrföllnng das Gedeihen der Anstalt zu fördern. .Ihm folgte ün Tode am 18. Juni 1885 Herr Gustav Sander. Seit Begründung der Anstalt im Jahre 1872 wirkte derselbe mit aufopfernder Liebe als Vorsitzender des Vorstandes. Seiner unermüdlichen Thärigkeit für das ihm ^so liebgeworhenc Institut, wie seinem regen Interesse für dieses und die Zöglingeift das Gedeihen und Wachsen der Anstalt zu einem großen Theile zu verdanken. 2*4 Monate später, am 2. September 1885, hatte die Verwaltung den Heimgang der Anstalt-Mutter , der vortrefflichen Erzieherin der Waisen, des Fräulein Pauline Meysel zu beklagen. Am 1. Januar. 1878 rrar sie ihr schweres Amt an und lebte sich im Laufe der Jahre so in dasselbe hinein, daß die Zöglinge sie, wie eine Mutter verehrten. Sie war eine treue und liebevolle Fürsorgerin für die Kleinen. Das Andenken dieser drei Dahingeschiedcnen wird in der Anstalt stets erhalten bleiben. An Stelle des Herr Paul Jolowicz ttar Herr Gustav Kronthal in den Vorstand.' Im Juli 1884 war Frau Marie Kronthal zur Stellvertretern! der crkrantten Frau Geheimrath-Bertha Jaffe, und als diese Dame, zum größten Bedauern, ihr Amt niederlegre, an ihrer Stelle zur Vorstands-Dame gewählt worden. Frau Jda Sander, Gemahlin des Verewigten Herrn Gustav Sander, überrmhm das Amt als Stellvertretern: der Vorstands-Damen. Fräulein Sara Szymliewicz aus Berlin wurde als Leiterin der Anstalt und Erzieherin der Zöglinge an Stelle des Fräulein Meysel. Wesentliche Veränderungen sind jn der Berichtsperiode bei den Zöglingen, deren Zahl jetzt 10 beträgt, nicht vsrgekommen. Ende 1884 ttar die fünfzehnjährige Beny Salomon aus der Anstalt, um, für die Reise reichlich ausgestattct nach Amerika, zu nahen Angehörigen zu gehen. Zu gleicher Zeit verließ Klara Blum.. . die Schule, um zu einer Schneiderin in die Lehre gegeben zu werden, ist aber bis zu diesem Augenblicke noch Pflegling der Anstatt. Ein Mädchen besucht das Schullehreriuncn-Seminar, die Andern gehen in die Mittelschule. Mt dem Betragen und Fleiß der Kinder hat die Verwaltung allen Grund zufrieden zu sein, und ist dies um deßhalb besonders hervorzuhcben, weil die meisten iu geistig verwahrlostem Zustande der Anstatt zugeführt werden, und dieser die schwere Aufgabe zusällt, tiefgewu^elte Fehler auszurotten, und in den Mädchen Gefühl für Sitte, Ordnung und Fleiß zu erwecken.. Infolge Reifen und in Erwägung, daß bei jüngeren Kindern leichter die schlechten Einwirkungen ihrer früheren Verhältnisse verschwinden, hat der Vorstand den Entschluß gefaßt in Zukunft bei Ausnahme neuer Zöglinge möglichst jüngeren Kindern vor älteren den Vorzug zu geben. Die Zinsen der Frau Philipine Demuth „Prämien- ' Stiftung" im Betrage von 128,75 M. wurden im letzten Jahre laut Bestimmung am 21. Jjar an folgende Zöglinge vcrtheilt resp. auf ihre Sparkassenbiicher eingezehtt: Malvine Bergel. 64,37 M., Betty Berget 32,19 M., Martha Kaul 32,19 M Nach Entlassung der Betty Salomon hat der Vorstand in Rücksicht auf die finanziellen Vcrhältniffe beschlossen, vorläufig keine neuen Zöglinge auftunehmcn. Der Gesundheitszustand war im Allgemeinen ein befriedigender. In Krankheitsfällen bewährte sich, wie stets, die liebevolle und selbstlose Hingabe des Herrn Sanitätsrath Dr. Hirschberg, wofür den Dank auszusprcchen der Vorstand sich verpflichtet fühlt. Der Betrag der Spenden bleibt seit Jahren so ziemlich auf derselben Höhe von ca. 1000 M. pro anno. Rur im vergangenen Jahre floß der Anstalt eine besonders hohe Zuwendung von 3000 M. seitens der Frau Eommerzienrath Emilie Jaffe zu. Auch die Hinterbliebenen des Herrn Geheimen Eommerzienraths Bernhard Jaffe bedachten die Anstalt mit' der ansehnlichen Spende von 300 M. Auffällig dagegen ist der Umstand, daß sich die festen Beiträge stetig von Jahr zu Jahr verringern. Nachdem sie im Jahre 1878 die Höhe von 1711 M. erreicht hatten, fielen sie schon 1879 auf 1630,25 M., im