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Der Israelit · 1886-04-15 · Heft 30 (15.4.1886) · page 9

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Journal
Der Israelit
Volume
27 (1886)
Issue
Heft 30 (15.4.1886)
Date
1886-04-15
Page
– (sequence 9)
Language
German
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I T iJLVlL$^rggs5g, <3f%r g!S/ vir : LerLevöer NrLLkeL. Literarischer WerkHt. Deutsche Sch ul-Lied er vouL. Lewandowskr, Kömgl. Musik-Director Zu Berlin. Fünfte vermehrte und verbesserte Auflüge. Verlag von M. Poppelauer's Buchhandlung. Nme Friedrichsstraße 61. 1886. Das uns vorliegende neueste Produkt des Herrn Lewandowskr hat uns mit lebhaftem Interesse erfüllt. — Sowohl die sorgfältig und mit Vorsicht gewählten Dichtungen, als auch die besonnene Würdigung der. Texte in melodischer Hinsicht, eigenen diese Lieder ganz vorzüglich zum Schulgebrauch. — Was wir an diesem genialen Künstler stets bewunderten und auch heute gerne anerkennen, ist die natürliche und ungesuchte Einfachheit der Modulation seiner Tonstücke. Wir können deßhalb dieses Gesangbuch, dcsien Inhalt an Noblesse, Charakter und wahrer Empfindung nichts zu wünschen übrig läßt, nur dem Wohlwollen der Schul-Direktorcn und Lehrer bestens empfehlen. L. Schl. ZeitnsgsnachrichLe« und Gorrefpondeuzen. Deutschland. W. Berlin. In den Kreisen, die sich für ausgewiesene Polen interessiren, erzählt inan sich folgenden höchst humanen Charakterzng unseres Kronprinzen, der uns von achtbarer Seite mitgetheilt wird und wohl verdient bekannt Zu werden. — Ein polnischer Schneider, der fleißig und arbeitssam,. als solcher, eine lange Reihe von Jahren hier arbeitete, cs aber'unterlassen hatte sich naturalisiren zu lassen, wurde mit Weib und Kindern plötzlich von hier ausgewiesen. — Dem bedrängten, achtbaren und strebsamen Schneider, der sich niemals im Leben das geringste hatte zu schulden kommen lassen, dessen Kinder fleißig hier die Schule besuchten und dessen Ehe eine glückliche war, wollte es durchaus nicht einlcnchten, daß die Behörden ein Recht haben einen achtbaren Mann über die Grenze zu weisen. Nachdem alle Beschwerden nichts gefruchtet, faßte er sich ein Herz und bat dringend und flehend, da sein Lebensglück davon abhänge, den Kronprinzen sprechen Zu dürfen. — Der Kronprinz erfüllte die Bitte des Schneiders und empfing denselben. Dieser trug > Sr. k. k. Hoheit seine trübe Lage, in welche er sich als Familienvater, in Folge der Ausweisung befinde und meinte, „daß Sr. k. k. Hoheit denn wohl durch einen einzigen Federstrich, oder durch ein gutes Wort an rechter Stelle, würde abhclfc» können u. s. w." — „Nein, mein Lieber, das kann ich nicht, würde gerne helfen, aber wir sind alle den Befehlen der Obrigkeit Gehorsam, schuldig, und falls die Behörde Sie ausgewiesen, so folgen Sie einfach dem Befehle, so schwer cs Ihnen auch wird." Theilnehmend frug der Kronprinz aber weiter, wo der Schneider hmzugehen gedenke; er meinte, nach Amsterdam, aber die Reise mit Frau und Kindern koste viel und zehre alles auf, was er noch besitze, da er für feine Sachen, die er doch um jeden Preis verkaufen möge, sehr wenig erzielen dürste. Der Kronprinz entließ den Schneider mit dem Befehle ihm anzuzeigen, mit welchem Zuge er Berlin verlassen würde. — Dies geschah, und am Tage der Abfahrt, wurden dem erstaunten Schneider ans K osten des Kronprinzen für sich und die Seinen Billete bis Amsterdam ausgestellt, auch demselben ein ansehnliches Reisezchrgeld übermittelt. Von Holland aus theilte nach wenigen Wochen der Ausgewiefene hiesigen Freunden brieflich mit, daß die Güte des Kronprinzen noch vst-l weiter sich erstcckte. — Nachdem er seine Meldungen in einem Orte, nahe bei Amsterdam, bei den Behörden eiligereicht, tvurde er eines Tages vor das Konsulat gefordert und. ihm dort eröffnet, daß aus Wunsch des Kronprinzen von Deutschland für ihn eine Arbeitsstelle in einem guten Hause gefunden sei, die er mit Freuden angenommen und in welcher er sich sehrwoh! fühle und Brod für die Seinen schaffe. — Dieser humane Zug des Kronprinzen wird in hiesigen polnischen Kreisen überall erzählt, und uns wurde derselbe mit einer Freude und Zuversicht mitgetheilt, die alle unsere Zweifel über den Haufen werfen nmßten. — Altorm, 5. Äpnl. Eine Generalversammlung der Mitglieder des.Klans-Instituts fand am Sonnabend Abend statt. Es handelte sich um die Frage, ob anläßlich der demnächstigen Durchführung des Hochstraßen-Projects ein Neubau, der unter dem Namen Klans bekannten, bei der großen Synagoge bclegencn Betschule, welche demnächst niedergerissen wird, vorgenommen werden solle. Nach längerer

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