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Der Israelit · 1886-04-15 · Heft 30 (15.4.1886) · page 7

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Journal
Der Israelit
Volume
27 (1886)
Issue
Heft 30 (15.4.1886)
Date
1886-04-15
Page
– (sequence 7)
Language
German
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535 I „Sei vickt undankbar gegen des Allgütigru sagte der Kaöbr vsWeifend. ^abcn wir uiHL a§e i Unache, Zhm Kr Las gwße Gluck zu danken, daß i er uns solch einen Schwiegersohn Leschieden hat?" „„Aber seine SLätmrg, sein immerwährender s Umgang mit den Großen! Lehren doch unsre Wersen r in dm Sprüchen der Väter: Geselle dich nicht zu i dm Großen; denn sie ziehen nur ihres eigenen Vor-; chells willen in ihre Nähe den Geringen, und stehen; ihm nicht der zur Zeit der Gefahr."" i „Aber dieselben Weisen lehren, daß derjenige, welcher sich in reiner Absicht mir den allgemeinen Angelegenheiten beschäftigt, sicher und fest auf die Hilfe und Unterstützung des allmächtigen Gottes .* zählen fonn. Zhm gegenüber sind alle Menschen machtlos. Bedenke doch, wie viel Gutes Daniel bereits unsren Brüdern erwiesen, wie er sie vor Gewaltthat und Unterdrückung beschützt hat' Gelobt : sei Gott, daß cs unsrem Kinde vergönnt sein soll, . ihm in seinem edlen Stteben eine treue Gehilfin i 511 werden." - „Ja, geliebte Mutter," sagte Nechamah, „auch ■ mich beglückt dieser Gedanke gar sehr. Ich werde! mich bemühen, ihm eine beglückende Häuslichkeit - zu gründen, in welcher er allsruhen kann von den vielen Sorgen seines schweren Berufes." mein geliebtes, mein einziges Kind,"" rief die Mutter auf's Neue weinend, „„daß wir Dich solch einem ungewissen Loose aussctzen müssen! Wie schön wäre es gewesen, wenn Du einen der Jünglinge aus der hiesigen Gemeinde geheirathet . hättest und bei uns geblieben wärest bis an das Ende unsrer Tage! Gott hat es anders beschlossen. Da dem aber einmal so ist, so bitte ich Dich, daß Du das Haus nicht verlassest, bis Du mit Daniel von dannen ziehest, daß Du mit keinem sremden Manne verkehrest bis nach Deiner Hochzett."" „Aber, Mutter, soll ich ein ganzes Jahr lang wie eine Gefangene behandelt werden?" „„Ach, mein Naphtali, mein einziger Sohn, - verließ das Haus und wurde todt und kalt und starr zurückgebracht!"" „Liebe Mutter, beruhige Dich. Ich werde nicht hingehen, um eine Procession zu sehen, und was soll es für Gefahr haben, wenn ich ausgehe, eine Freundin zu besuchen oder am Sabbat-Nachmittage aus den Wällen zu lustwandeln?" „„Du willst mir das nicht versprechen? Nabbi, ' befiehl Du ihr doch, daß sie das HanS nicht ver- , lasse."" „Wenn Du, liebe Frau , Deinent Kinde einen Befehl eriheilst, so wird unsre gute, gehorsame Nechamah rmr das thnn, waS Da gebietest. Allein, ich finde es grausam, sie eMZusperrrn." „„Sein,"" sagte Frau Bremdel, „„wenn Du nicht mit mir überemftimmst, so will ich nicht auf meiner Meinung beharren. Aber mein Herz ist so schwer." . . : Frau Bremdel ging in die Küche, um das Mittagessen zu bereiten, Nechamah aber begab sich in das Studierzimmer ihres Vaters, um dort einen Brief an den Geliebten zu schreibru. Zwar hatte er sich erst vor ganz kurzer Zeit von ihr entfernt; auch wußte sie nicht, wann sie Gelegenheit smde» würde, das Schreiben an des Kaisers Hof zu senden; allein, ihr Herz war übervoll, und sie mußte dem Geliebten schreiben, wie unendlich sie ihn liebe, wie sehr sie seine Abwesenhett entbehre. Sie schrieb in hebräischer Sprache, in der sich geläufig auszudrücken sie von ihrem Vater erlernt hatte. Das junge Mädchen hatte eine für jene Zeit ganz ungewöhnliche Bildung genossen. Sie vermochte nicht allein deutsch zu lesen und zu schreiben, sie war auch der französischen Sprache mächtig, die damals am Unken User des Rheines vielfach gesprochen wurde. Inden alten Memmorialbüchern der. israelitischen Gemeinden Worms und Mainz finden sich hin. und wieder Anklänge davon. So ist in dem alten Mainzer Memmorialbuche dem Haskarath Nefchamoth eine altfranzösifche Uebersetzung beigefügt, und von Worms wird erzählt, daß der Synagogendiener die Andächttgen in altfranzöfischer Sprache mit den Wollen „ä scola“ in die Synagoge gerufen habe. Nur wenige Tage waren seit der Abreise Daniels verflossen, da ritt Kurt, der Diener des- Grafen von Baffenheim, vor dem Hause des Rabbiners zu Worms vor. Er übergab sein Pferd einem der Neugierigen, die sofort herbeigekommen waren, und trat in das Haus. „Kann ich den kaiserlichen Rath, Herrn Daniel von Gernsheim sprechen?" fragte er die ihm entgegentretende Frau des Rabbiners. „„Kommt herein"", sagte sie, „„in die Stube meines Mannes."" Sie öffnete die Thüre und trat mit ihm ein. „„Hier ist ein Mann,"" sagte sie, „„der Daniel sprechen möchte."" „Wer seid Ihr?" fragte der Rabbiner. „„Ich bin ein Bote des Grafen von Bassenheim und habe im Aufträge meines Herrn mit dem kaiserlichen Ralhe zu sprechen."" „Breindel", sagte der Rabbiner, „hole Brod und Wein, damit der Bote sich erquicke." Als die Fra» das Zimmer verlassen hatte, 1

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