Der Israelit
- Journal
- Der Israelit
- Volume
- 27 (1886)
- Issue
- Heft 30 (15.4.1886)
- Date
- 1886-04-15
- Page
- – (sequence 4)
- Language
- German
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ben. Weitere Toaste folgten auf Herrn Landrsrabbiuer Dr. Grouemcmn vom Herrn Schorps, auf die Damen, auf die vielen Gramlanten, die m Depeschen und Briefen ihre Glückwünsche mrtgctherlt hatten. Besondere Freude machten dem Jubilar 2 Bilder, die Herr Photograph Ahron arrgefertigt und die ihn im Walten seines Amtes darstelltcn. Frankfurt, a, M., 13. April. Es dürste auffallend erscheinen, daß die Eonstituirung der freien Vereinigung für die Interessen des orthodoxen Judcnthums noch nicht erfolgt ist, obgleich diese Vereinigung zahlreiche Beitrittserklärungen aus allen Theilen Deutschlands und selbst aus dem Auslande zu verzeichnen hat. Die Ursache lag daran, daß der erste Anreger zur Gründung derselben, Herr Rabbiner Hirsch, unwohl war und das provisorische Comitb wohl nicht mit Unrecht glaubte, nicht ohne denselben weiter Vorgehen zu sollen. Dieses Unwohlsein ist setzt G. s. D. gehoben und hat Herr Rabbiner Hirsch einen Statutenentwurf ausgearbeitet, der nunmehr dem prov. Comite zur Berathung vorliegt. Dieser Entwurf zeigt, daß die Bedenken, die von mancher Seite an den allerdings etwas allgemein gehaltenen Aufruf geknüpft wurden, unbegründet sind, daß die Vereinigung, weit entfernt Zwietracht und Kampf in die Gemeinden bringen zu wollen, solche Bestrebungen ausdrücklich ansschließt. , daß dieselbe nur da unterstützen und fördern will, wo das Bcdürfniß erkannt ist und nur die Mittel zur Ausführung fehlen. Der Statutenentwurf wird, nachdem er vom prov. Comittz unter Hinzuziehung befreundeter Rabbiner eingehend berathen worden, einer zu berufenden allgemeinen Vereinsversamnilung vorgelegt werden. Diese Versammlung wird das Statut definitiv feststellen und dann soll in derselben die Eonstituirung des Vereins und die Wahl der Verwaltung stattfinden. Voraussichtlich wird die Versammlung kurz nach ras berufen werden. Hamburg, 5. April. Ihr 25jähriges Jubiläum als Lehrerin feierte gestern Frl. Lina Lion, die früher an der israelitischen Gemeindeschulc, jetzt als 1. Lehrerin an der israelitischen Mädchenschule, in welche die Gemcindeschule aufgegangcn, thätig ist. Der Jubilarin waren anläßlich dieser Feier drei Portugalöscr in geschmackvollem Etui überreicht worden. Ocstcrr.-Ungar. Monarchie. Wien, 9. April. Der Kaiser hat dem Fünffirdjncv Großindustriellen und Großgrundbesitzer Adolf (Abraham) Engel den ungarischen Adel taxfrei verliehe». Herr Adolf Engel ist feit Zähren Mitglied der Fünfrirchner israel. Pefth. Der ans dem Tisza-Eßlsrer Prozeß idamit gewordene Vater des MoriZ Scharf, ist von Amsterdam, wo er bisher wohnte, nach London Löergcfiedclt. Sem Sohn ist noch in einer Diamantschleifern beschäftigt. R u m a nie». - Ans Bukarest, 4. April, verlautet, daß mehrere Soldaten mosaischen Glanbcns, welche feit einiger Zeit vom Lmieudienst frei und in Reserve versetzt wurde», den Entschluß gefaßt haben, irr einer Eingabe an den König um Staatsländereien zu petitiom'ren. Dieser Entschluß ist gewissermaßen von der Verzweiflung angegeben. Denn durch ihren drei-, vier- und fünfjährigen Dienst sind sie aus ihren früheren Stellungen bezw. aus ihren Gewerben hcrauSgeripcn und Manche unter ihnen könne» sie daruul nicht wiedererlangen, weil man in Rumänien zwar gesetzlich zu 21 Jahren dm Militärdienst leisten, oft aber sehr, sehr spät, ganz nach der Willkür des niedersten PolizeibcamLen, selbst dann eingerecht wird, wenn man Scheine beibringen! kann, daß man in früheren Jahren, aus guten Gründen vom Dienst vollständig dispensirt wurde. — Während nun ein Einundzwanzigjähnger eigentlich nicht viel zu verlieren hat, weil er in feinem Thun und Lassen bis dahin noch unreif genannt werden kann, bedeutet bei einem Fünfundzwanzig bis Dreißigjährigen der drei-, vier- und fünfjährige Militärdienst ein wirkliches Zerreißen des ganzen Lebens. Denn das, was er bis dahin gettieben, muß er für die betreffende Zeit aufgeben, und wenn er fünfunddreißigjährig von der Linie entlassen wird, hat er feine Gewerbe verlernt, und ist zu alt, um ein frisches Leben anzufange», was der vierundzwanzigjährige noch kann. Von den alljährliche» mehrwöchentlichen Störungen durch den Refervistendicnst will ich absehen. Ein zweiter Grund für die im Eingang erwähnten Soldaten durfte der fein, daß gerade während der Periode ihrer Dienstzeit (etwa von > 1881, 1982 an) die Lage der Israeliten in Rumänien sich dadurch verschlechterte, daß die Negierung ihnen durch sogenannte „ökonomische" Gesetze viele Zweige des Erwerbes abgeschnitten hat. Die aus dem Dienst Entlassenen können aber nichts beginnen, denn, was vor vier, fünf Jahren noch ein karges Brod bedeutete, ist heute nicht mehr vorhanden. Da sie als Inden trotz Militärdienst (Art. 7 der Bcrfassttng!) Rumänen nicht werden und einen noch so geringen