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Der Israelit · 1886-04-12 · Heft 29 (12.4.1886) · page 11

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Journal
Der Israelit
Volume
27 (1886)
Issue
Heft 29 (12.4.1886)
Date
1886-04-12
Page
– (sequence 11)
Language
German
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s23 LWS sie allein in der Gemeinde LrnstlichW Zwiespalt erregen." Als nun aber in des vierZiger Zähren die ZiLböiseröersLMDlrmgen ihr Werk begannen, mcht allem den Gottesdienst, sondern such das ganze religiöse Leben Israels nach ihrem GutdünLn mnzvZesüllLcn, schloß Zunz von diesem Streben sich ans mrd bekundete vielmehr bei jeder Gelegenheit seinen WLdcrwNen gegen das pietätlose und, was ihn vor Allem verletzte, hicrachische Vorgehen der junges Rabbiner. Zu einigen Aufsätzen über mid Beschueidung, die . in ^dieser Zeit erschienen, stellte er sich auf die Seite des positiven Zudcnthums, und in einem Werk.>,Fnr Geschichte und Literatur" verherrlichte er das Zudenlhum, wie cs sich im Mittelalter in Nordfrankr.eich und Deutschland gestaltet hatte, und auf welches die Vertreter der Reform mit sonvcrainer Verachtung hcrabZnblicken pflegten. Ja, feinen eigenen Haushalt richtete er neu, streng den jüdischen Gesetzen entsprechend, ein; besonders das letztere verletzte aber den damaligen Heißsporn der Reform, Abraham Geiger, aufs höchste. In einem äußerst charakteristischen Briefe schreibt er an Zunz, er könne ihm diesen Schritt verzeihen, wenn Z. ihn äußerer Rücksichten halber gcthan habe, aber was er ihm nicht verzeihen könne, fei, daß er dies prinzipiell, nicht seiner Stellung wegen, thäte. Zunz antwortete darauf mit der größten Entschiedenheit. „Uns müssen wir refornürcn", schreibt er, „nicht die Religion: Bestehende Mißbräuche, nach Außen, wie im Innern, haben wir anzugreisen, nicht ein ererbtes Hciligthum. Das Geschrei gegen den Talmud ist bereits die Stellung des Apostaten".. Redner führt darauf noch kurz die unter Zunz' Redaktion erschienene Bibelübersetzung an, welche, sich durch ihr Anschließen an den überlieferten Text so vortheilhaft auszcichnet, und hob noch hervor, daß allerdings Zunz sich in seinen letzten bibclkritischcn Arbeiten durchaus auf den entgegengesetzten Standpunkt gestellt habe, was uns aber nicht irre machen dürfe in der Dankbarkeit für dasjenige, was er für die Geschichte des Judenthums geleistet hat. Redner schloß mit den Worten Rabbi Akiba's, der den mit ihm in das Paradies der Weisheit Eindringendtn zuricf: „Wenn ihr zu den Steinen reinen Marmors kommt, nennt sie nicht Wasser, Wasser". Die Wissenschaft des Judenthums, wie Zunz sie angesehen, sei eine solche Mauer reinen Marmors, die dem Jndcnthumc Schutz und Bollwerk sein sollen, aber niemals die Thora, den belebenden Quell des religiösen Geistes ersetzen könne. Schlage man aber an sie mit dem Moscsstabe des Glaubens und der wahrhaft religiösen Gesinnung, so werde sie das belebende Wasser hcrvorsprndeln lassen. — Nachdem noch die Versammlung dem Lorfitzcndes ihren Dank für -enm ßrn§eöns§svo2rs Wirten im IrätreFe des Berewsmib besonders für seine gediegenen nnd interepamen Vorträge kundgegeben, wurde die TH3tigteit des Vereins für dieses Jahr beschlossen. Nktems, 4. April. Das 25 jährige Amtsjubilänm des auch in weiteren Kreisen als nenhebräischer Dichter bekannten Religionslehrers I. S. Witt ko wer wurde in der israelitischen Gememdeschnle in sehr solenner Weise gefeiert. In der Aula der Schule waren sammlliche Schüler und Schäkerinnen und das gcsammte Lehrperfonal versammelt, ferner waren der konigl. Kreisschulmspector Wagner, der Oberrabbmer Dr. Lob, die Schulcommission der Gemeinde und die Damen des Schulvorstandes anwesend. Der Jubilar wurde von einem passenden Ehorgesang unter der bewährten Leitung des Obercantors Nathanson empfangen. Darauf feierte Oberrabbiner Dr. Löb in schwungvoller Rede die Verdienste des Jubilars und überreichte demselben das Geschenk der Vorsteherin, sämmtliche Prachtbilder aus dem altjüdischen Familienleben von Prof. Oppenheim, des Lehrkörpers, einen prachtvollen silbernen Pocal, und das Geschenk der Schüler und Schülerinnen, einen kostbaren achtarmigen silbernen Leuchter. Herr A. I. Holländer, der Präses der Schulcommission, Heilte darauf dem Jubilar in wohlgesctzter und humorvoller Rede mit, daß der Gemcindevorstand sich veranlaßt gesehen, in Ansehung der vielfachen Verdienste des Jubilars, demselben eine Gehaltsaufbesserung von l6s/s% seines bisherigen Gehalts zu gewähren. Sichtlich gerührt betrat nun der Jubilar das bekränzte Pult und hielt eine längere Ansprache an die Festversammlung, in welcher er in beredten und geistreichen Worten seinen tiefgefühlten Dank für die ihm erwiesene Ehre aussprach. Rührend waren die Worten anzuhören, die der Jubilar an jede einzelne Klasse der Schule richtete. Die weisen Lehren, die er seinen zahlreichen Schülern und Schülerinnen für das Leben gab, verfehlten nicht, einen tiefen. Eindruck bei allen Anwesenden hervorzurnfen. Der Synagogenchor beschloß darauf die erhebende Schulfeier mit einem sehr gut executirtcn hebräischen Ehorgesang. In seinem Hause wurde Herr Wittkowcr noch durch viele und' ansehnliche Geschenke. ehemaliger Schüler und Schülerinnen, sowie durch Hunderte von Depeschen und'Gratulationsbriefen erfreut. Zur Erinnerung des Tages, erhält jeder Schülerdas Bild des Herrn W. mit Widmung nnd höchst gelnngenem v^v.

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