Der Israelit
- Journal
- Der Israelit
- Volume
- 27 (1886)
- Issue
- Heft 28 (8.4.1886)
- Date
- 1886-04-08
- Page
- – (sequence 9)
- Language
- German
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jtüWtiVawiÄÜi^, LerLesder MtüteL XSnL^rgssg. Kmerikmrische Miefe. □ Nero-Aork, 24. März. Wenn mir besonderer Stoff über die Tßättgkeit der Herren Rabbiner, Pittsburger Glaubens, vorliegt, pflege ich gewöhnlich nicht sogleich zu nrtheilen, sondern ich warte erst ans Berichte von verschiedenen Seiten , um ja den Herren nicht Unrecht zu Lhun. Die Herren erweisen Za den Beichten des „Israelit" ziemlich viel Aufmerksamkeit und zwar Jeder nach seiner Art; Einer dementirt wahrheitsgetreue Angaben des ^Israelit." die sich mit dem Vorleben des „Rabbi" beschäftigen, der Andere beschwert sich über die Angriffe des „Israelit" u. s. w. Es ist daher von Ihrem Correspondenten nicht mehr als billig und recht, wenn er sich über die Dinge, die er über die Herren zu sagen hat. eingehend Lnformirt, bevor er berichtet. Heute habe ich dies betr. der neuesten That des Rabbiner Dr. Sonnenschein in St. Louis gethan und nachdem ich erfahren, daß die Zeitungsberichte darüber vollständig der Wahrheit entsprechen, will ich nicht verfehlen, auch den deutschen Glaubensgenossen die neueste Leistung des Herrn Sonnenschein kund zu thun. Die in St. Louis erscheinende „Jewish Free Preß" berichtete vor einigen Wochen Folgendes: „Die fragliche Scene ereignete sich bei der Beerdigung der Tochter von Herrn Henrkquez. 2823 Clark Avenue. Als die Zeit des Trauergottesdienstes herannahte, verlangte der Doktor (Sonnenschein) in gebieterischer Weise, in seiner Aufregung vergessend seinen Hut zu entfernen, als eines seiner Rechte, daß alle Decken, welche über die Spiegel und Bilder im Zimmer sich befanden, entfernt werden müßten und daß derartige Dinge nicht geschehen sollten, wo man ihn zur „Dienstleistung" berufe. Rach altem Herkommen hatte man die Verdeckung vorgenommen und ein Mann wie Dr. Sonnenschein hätte die Wünsche der Familie bei der Beerdigung des geliebten Todten respectiren sollen n. s. w." Dies in kurzen Worten der Sachverhalt, wie ihn neben der genannten Zeitung viele andere erzahlen. Der Herr Doktor mag natürlich stolz darauf sein, wie er hier seine Reform erzwungen hat, allein bei Unparteiischen „ mögen sie sich - zur Reform oder zum ConservMsmus bekennen, hat sich derselbe wenig Bewunderer für feine neueste That erworben. Der größte Reformer hat es bisher in richtigem Taktgefühle vermieden, bei solchen Anlässen in dieser Weise auftutreten; im Hause eines Todten waren bisher derartige Scenen nicht vorgekommen. Einem der Häupter der Pittsburger Reform sollte es Vorbehalten bleiben, auch hier seine Autorität zu zeigen und zwar in einer Weise-, die dieser Reform wenig neue Anhänger zuführen dürfte. Der Herr Doktor, dessen Thätigkeit in Europa ebenso wie seine „seme^eitige" Gesinnung ihn m orthodoxe Kreise verwies, weiß sicher, weßhalb diese Ceremonie obwaltet und daß sicher die Motive hierfür derartige sind, daß sie selbst von den freidenkendsten Menschen respectirt werden können. Möge der Herr Doktor Za recht oft solche übereilte Scenen aufführen; sie schaden ihm und seiner Sache und sind die besten Bundesgenossen seiner Gegner. Bei Erzählung dieses Vorfalles schreibt ein hiesiges Blatt, daß, um konsequent zu sein, der Herr Doktor einen letzten Willen zu Papier bringen sollte, daß dereinst seine Gebeine mit einem Mnsikcorps zur Ruhe gebracht würden u. dgl. Reformen. Möge sich der Herr Doktor noch eines langen Lebens erfreuen und" möge es ihm. beschieden sein, den Zusammenbruch seines „Reformbaucs" zu erleben, damit er am Abende seiner Tage seinen Jrrthum einsehe und wieder in die Bahnen einlenke, welche er in jüngeren Jahren einschlug. Das Purimfest wurde auch hier allenthalben gefeiert, und nur die zwei Tempel Beth -El und Emanuel hatten ihre Pforten geschlossen. Dagegen fanden überall Festlichkeiten statt und besonders die jüdischen Institute wie die Hebrew - Free - Schools, Charities n. s. w. hatten recht nette Feierlichkeiten arrangirt. Die Purimtage werden eben nicht vergessen, wenn die Größen der Reform auch nichts von ihnen wissen wollen. lieber die Zeit der Eröffnung des neuen Seminars verlautet bis jetzt noch nichts, allein, wenn die. Zeit herankömmt, wird eine andere Frage. entstehen, woher komlnen Schüler. Diese Frage ist