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Der Israelit · 1886-04-08 · Heft 28 (8.4.1886) · page 7

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Journal
Der Israelit
Volume
27 (1886)
Issue
Heft 28 (8.4.1886)
Date
1886-04-08
Page
– (sequence 7)
Language
German
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ff essilf e*9B. X. All die zahlreichen Feinde und Gegner der Juden, welche am kaiserlichen Hoflager sich zusammcngesundeu hatten, waren durch die Niederlage, die sic erlitten, mtt verdoppeltem Haste gegen Daniel und seine SLammcsgenosteu erfüllt worden. Tag nud Nacht sannen sie darauf, wie sie Daniel und seine Stammcsgenostca zu schaden und ihn beim Kaiser zu verdächtigen vermöchten. Allein, des Kaisers Vertrauen zu seinem jüdischen Rathgeber war zu groß, als daß es durch die mannigfachen Einflüsterungen und Verleumdungen hätte erschüttert werden kömien. Da kam den Feinden Daniels ein Umstand zu Hilfe, von Hessen Vorhandensein sie selbst keine Ahnung hatten. Einer der mächtigsten und reichsten Könige hatte eine einzige Tochter, ein einziges Kind, die Erbin seines Meiches und seiner Schätze. Auch der Nus von der Schönheit und Anmuth der Prinzessin war in die Ferne gedrungen. Der Kaiser wünschte für seinen Weiten Sohn — der Erstgeborene hatte Aussicht, zum römischen König erwählt und einst des Kaisers Nachfolgers zu werden — durch diese Vermählung eine Krone zu.erwerben. Er schickte daher insgeheim einen verttauten Diener an den Hof jenes Königs und ließ bei ihm anfragen, ob er wohl geneigt sei, die Prinzessin mit dem Kaiscrsohne zu verloben. Der Gesandte kehrte zurück und brachte den Bescheid, daß der König es als ein großes Glück ansehen würde, wenn seine Tochter dem K aisersohne vermählt werden würde. Er trage jedoch ein schweres Bedenken. Er habe vernommen, daß der Kaiser einem jüdischen Rathgeber sein Ohr leihe und daß der Jude thatsächlich Regent des Reiches fei,J>a alle Entscheidungen nach seinem Willen getrosten würden. Er-habe zwar kein Recht, sich in die innern Angelegenheiten der Negierung Seiner Majestät, des Kaisers, zu mischen, andererseits verbiete ihm sein christliches Gewisten, sein einziges Kind dem Sohne eines Hauses anzuverttauen, das thatsächlich von einem Juden gelenkt und geleitet werde. Bevor also weitere Unterhandlungen angeknüpft werden könnten, stelle der König die Beengung, daß der jüdische Rathgeber vom kaiserlichen Hofe entfernt lverdc. . , Als der Kaiser diese Botschaft vernahni, gelicth er ln großen Zorn. „Ich lasse mir feine solche Bedingung stellen," sagte er, „und Ich deute nicht daran, meiner! treueu Diener und vorzüglichen Berathcr wrtzrrschicken." Dem GesauLre» befahl er das tiefste Stillschweigen an. und so schien auch diese Angelegenheit einen für Daniel günstigen Verlauf zu nehmen. Allein, tief im Herzen des Kaisers, ihm selber unbewußt, keimte die böse Saat. Daniel war cs, um dcsscutwillcu sciuem zweiten Sohne ein großes, mächtiges Reich und eine schöne anmuthsvolle Gemahlin entgehen sollte; Daniel war es, durch den Zwiettacht gesäet wurde zwischen dem Kaiser und vielen mächtigen Fürsten des eigenen Landes! Einige Wochen nachher langte eine Gesandtschaft des Königs an, um anzusragen, ob die Vorbedingung erfüllt sei und dann die wetteren Verhandlungen auzuknüpsen. Der Kaiser empfing den Gesandten des Königs in geheimer Audienz. Diesmal gerieth der hohe Herr nicht in Zorn. „Ich habe," sagte er, „die Vorbedingung Eures Königs-noch nicht zur Ausführung bringen können. Bleibt eine Zeit lang an meinem Hofe und beobachtet das tiefste Stillschweigen. Ich will: mir die Sache noch einmal überlegen." Zu Ehren des ftemden Gesandten wurde ein großes Fest veranstaltet. Es war eine erhabene und erlauchte Versammlung, die sich im kaiserlichen Schosse eingefunden hatte. Der Kaiser erschien im vollen,, kaiserlichen Ornate. Die Kaiserin trug die große Courschleppe von Goldstoff, mit Zobelpelz besetzt, über einem Unterkleid von weißem Atlas, das mit echten Spitzen garnirt war. Dazwischen glänzten Goldstreifcn mit Brillanten; die aus Goldstoff gefertigte Taille war ebenfalls mit Zobel eingefaßt und mit Brillanten besetzt. Aus kostbaren großen Diamanten war das Diadem der Kaiserin gebildet, hinter welchem sich weiße Federn auf das Haar legteiz. Kaiser und Kaiserin nahmen auf Thronsesscln Platz; rechts und links standen die Angehörigen der kaiserlichen Familie; an diese reihte sich der gesammte Hofstaat, an dessen Spitze der Oberst- Kämmerer stand; dem Throne gegenüber hatte sich der Ober-Ceremonienmeister gestellt, um die Cour zu leiten. Zuerst ttaten die fremden Gesandten ein, und zogen, sich tief verneigend, an dem Throne vorüber; dann folgten die am Hoflager anwesenden Fürsten und Fürstinnen des deutschen Reiches; hierauf erschienen die geistlichen Würdenttäger, Eardinäle, Erzbischöfe, Bischöfe, Aebte und Prälaten. Dann folgten die Grafen und Gräfinnen, die Rcichsbarone und ihre Damen, die Ritter und Edelfrauen. Es währte fast eine Stunde, bis die ganze hohe Gesellschaft vor dem Kaiserthrone vorübergezogen war. Run stoßen die Hosmarschälle ihre mit goldnen

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