Der Israelit
- Journal
- Der Israelit
- Volume
- 27 (1886)
- Issue
- Heft 26 (1.4.1886)
- Date
- 1886-04-01
- Page
- – (sequence 10)
- Language
- German
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- Hebron 1× ep/1047559
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F e « r 11 e t o tu Briefe aus dem Heiligen Lande. (Dritter Brief.) Geliebte Eltern! Wir befinden uns ans unserer Wanderung im Mittelpunkt des Gebirges Inda, welches sich bis über Bethlcchcm hinaus erstreckt. Das Gebirg ist gesegnet an Weinbergen und mit Olivenfeldern bepflanzt. Die Weinstöckcn werden einzeln in Reihen acht oder zehn Fuß von einander gepflanzt. Zuweilen sah ich mittten im Feld eine ländliche Hütte von dem neben an gepflanzten und am Dache emporrangenden Weinstocke ganz übcrsponnen, so daß man hier eine Verwirklichung des Propheteuwortcs gewahrt: „Ein Jeglicher wird wohnen unter seinem Weinstock und unter seinem Feigenbaum."') In jedem Weingarten steht ein kleines Hans oder auch ein Thürmchen von Stein, in welchem der Hüter wohnt. Zur Zeit der Weinlese beziehen die Bewohner von Hebron diese Wachthäuschcu oder richten Hütten oder Zelten auf. Tie Stadt ist dann wie verlassen, während auf den Bergen und im Thal ein fröhliches Leben herrscht, das ist die schönste Zeit des Jahres. Auf den Höhen von Hebron ist der blendend weiße Schnee eine unbekannte Erscheinung. So schneidend auch manchem die Nordstürme brausen und wehen, so führen sie doch nur kalte Regenschauer herbei, die aber weit entfernt die Entwickelung des Pflanzenlebens zu hindern, die Entfaltung desselben fördern. Sie scheinen die Vegetation zu verjüngen. Um die Ehannkahzeit treten angenehmere Verhältnisse ein. Laue Lüfte wehen aus der arabischen Wüste und die Südwinde bringen Leben in die schweigsame Natur. Viel früher als bei uns blühen schon die Obstbänme, die frischen Saaten schießen schnell auf, in den Gärten steht der Jasminstranch in lieblicher Pracht und auf den Wiesen gedeihen die Lilien, die Tulpen und Rarcissen in üppiger Frische und Fülle. Tie ganze Landschaft gleiche einem schönen glänzenden Garten, voll der würzigsten Täfle. Stiemt je eine Gegend int heiligen Lande reich mit allen Erzeugnissen gesegnet ist, so ist es die reizende Umgebung von Hebron. Es ist diescrhalb natürlich, wenn diese lieblichen Gefilde schon in frühester Urzeit reichlich belohnt-wurde». An der Ostseite der Stadt sieht man die Dop« pelh ö hle, n»oSarah. Abraham, Isaak, Rebecka, Lea «) Mich., 4, 4. und Jakob begraben liegen. lieber der Höhle selbst erhebt fich eine Moschee. Keinem Menschen eines, fremden Glaubens gestatten die Türken sa leicht dm Zutritt und nur zu gewissen Zeiten ist .es meinen Glaubensbrüdeni erlaubt, durch eine kleine in der Ringmauer befindlichen Oeffuung nach den Vorhallen hincinzuschanen und zu beten. ' Ta in neuerer Zeit Reisenden anderer Confession, darunter auch Israeliten gestattet war, die Höhle Machpelah zu besuchen und es Euch interessireu wird, Emges über das Innere zu vernehmen, so sei hier die Beschreibung Rosen's erwähnt, der in Begleitung des Prinzen von Wales die Gräber besuchte: „Durch Gitter von massiven Silberstäbeu sind in denr Gemach die Räume unter den beiden Seitcnkuppeln zu Zellen abgesperrt, in welchen wir gegen 12 Fuß hohe, in ihrer Bekleidung , von kostbaren Decken aus schweren grünem Seidenstoff mit cingewobenen Arabesken und Inschriften in Silber sich, imposant ausnehmenden Sarkophage wahrnehlnen. Das Monument zur Rechten wurde als das Abrahams und das gegenüberliegende als Sara's bezeichnet ... Sodann wurde ein 8 Zoll langes silbernes Vorlegeschloß aufgeschloffen und in das eigentliche Grabgewölbe Abraham's der Zutritt gestattet. Auch , hier verbargen drei. Decken, einen Marmorsarkophag. Der Fußboden war mit kostbaren Teppichen kleinasiatischer Arbeit belegt. Gegenüber liegt das Grabgewölbe Sara's. Das Grab Jsabs und Rebecka's wollten die Führer nicht gern öffnen und der Prinz und seine Begleiter drangen nicht auf. die Besichtigung und begnügten fich, noch das Grabgewölbe Jakob's und Lea's zu sehen, das ähnlich dem Abrahams war. Wir besuchten persönlich das Grab Abners und Jsboseth's, gingen eine Stiege hinab und besandeil uns in einem geräumigen Zimmer, das die Form eines Parrallclogrammes hat und erblickten in der entferntesten Ecke das Grab. Am folgenden Morgen begaben wir uns zu dein Grabe Jsal«. Wir gingen über dm türktscheu Gottesacker mach jenen uralten dlckstämmkgen Bänmen, der Pistazien, bereu Alter weit über jenes der türkischen Herrschaft hinansrcicht. An ihre» Zweigen Inntteu in großer Menge die eben l» hochfiel* Entfaltung stehenden Kästchen, dazwischen zeigteil sich die zarten, zierlich gestalteten Frnchlblüthen. Die Nüsse dieses Baumes gehörte» schon ln den /leiten der Erzr?ätcr zn den geachtetstcn Früchten des Landes, beim Jene Boten, welche Jakob nach Joseph, dem Herrscher Aegppteus, nebst anderen Erzeugnissen Kanaans zum Gescheine sendet, waren