Der Israelit
- Journal
- Der Israelit
- Volume
- 27 (1886)
- Issue
- Heft 26 (1.4.1886)
- Date
- 1886-04-01
- Page
- – (sequence 1)
- Language
- German
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XXVH. Sahrgaeg. J[ö ZA. ~~ Ein . - KenLrak - Hrgan für bas orfßobose IudentHmn. * Herausgegebcu von L-r. Lehms«» in Mainz. AM8 Douuerftag, des r. April 5646 (L886). Leitender Artikel. Ksgadaß (Hek WeßaH. IV. : Mainz, 2S. Mär-z. Nachdem der zweiLe Becher. entsprechend dem Erlosungsworte vrnry« mrix *rlfcsns „und Ich werde l euch erretten von ihrer Knechtung," cingeschentt ist i worden, beginnt das Kind zu fragen; ist kein Kind i da, so fragt em Erwachsener; ist man allein Leim } Seder, so fragt man sich selbst. Die Frage lautet: - - „Wie unterscheidet sich diese Nacht von allen I Nachten? In allen Nachten essen wir Gesäuertes und Ungesäuertes, in dieser Nacht nur Ungesäuertes. In allen Nächten essen wir allerlei Kräuter, in blcfcr Nacht nur Bitterkraut. In allen Nächten tunken wir auch nicht einmal ein, in dieser Nacht zweimal. In allen Nächten essen wir sowohl sitzend wie angelehnt, in dieser Nacht nur angelehnt." i Warum gerade diese vier Unterschiede der Seder- ' nacht, die sie von den übrigen Nächten des Jahres unterscheiden, hervorgehoben werden — diese Frage; hat die Erklärer der Hagadab vielfach beschäftigt, \ da es ja noch andere Unterschiede gibt — wir er- I Innern nur an die vier Becher — die hier nicht t erwähnt werden. Don Jizchak Abarbancl erklärt? es folgendermaßen. ES muß dem Kinde anssallen, t daß wir an diesem Abende widcrsvrechknde Dinge vornehmen, Dinge, die zum Theil Knechtschaft und I Niedrigkeit, zum Theil Freiheit iinb vornehmes [ Wesen bekunden. Für beides werben je zwei Zeugen gewählt. Las nngesänerte Brod iß ein Zeichen der Knechtschaft; cö ist ja das Brod des Elends, das unsre Bäter gegessen haben in Mizrajim, und die bitteren Kräuter erinnern an die Leiden, die wir dort erduldet haben. Dagegen Ist cs Sitte &ä^ä&ESäS der vornehmen Leute, die Speisen durch Eintunken in Saucen und dergleichen zu würzen und in Lehnsesseln bequem sich anzulehnen. Wie vereinen sich nun diese Gegensätze? Und darauf paßt dann die Antwort: Sklaven sind wir gewesen, und durch die Gnade Gottes sind wir freie Männer geworden. Rabbi Ephrajim Lintschüh sindct in dieser Frage eine Symbolik. Das Galuth gleicht der Nacht. Wodurch unterscheidet sich das gegenwärtige Galuth von den andern Nächten der Verbannung, vom' Galuth Mizrajim, welches nur 210 Jahre wahrte, vom Galuth Babel,--das »nur 70 Jahve dauerte? Die andern Nächte fanden bald ihren Abschluß, und es leuchtete wieder'der Freiheit goldnes Morgenrots), während die Nacht des gegenwärtigen Galuth nun schon so lange, lange währt? Ach, wir selbst tragen die Schuld. Wohl finden wir, daß auch in Mizrajim und in Babel die Israeliten nicht immer einig waren. In Mizrajim fam Moscheh dazu, als ein Israelit den andern schlagen wollte. Vom Galuth Babel wird uns erzählt, daß Mordechai beliebt war bei den Meisten seiner Brüder, daß es also eine Minderzahl gab, welche die hohen Verdienste des großen Mannes tücht genugsam würdigte. Das aber waren nur Ausnahmsfälle, während in diesem langen und bitteren Galuth unter den Israeliten fortwährend Streit und Hader vorherrschen NLv hi ron rft’Vn (nw, Zank, Streit). Während der vielen Jahrhunderte des gegenwärtigen Gatnth bat cs in Israel an große», edlen, frommen und heiligen Äännern und Frauen nicht gefehlt: aber die Erlösung konnte nicht eintreten, well zahllose Streitigkeiten die Gemächer von einander tmmtni. Secten ntib Parteien zerrütteten cortwährcnd der» Frieden der Bcrbarinten. Saddnsäer, Beottiosiarler, Mitläer, Karäer, Sabbatianer rc. re. brachten Unheil u»b Bem'imttlg über die