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Der Israelit · 1886-03-25 · Heft 24 (25.3.1886) · page 11

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Journal
Der Israelit
Volume
27 (1886)
Issue
Heft 24 (25.3.1886)
Date
1886-03-25
Page
– (sequence 11)
Language
German
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Wohlwollen der Marharbuts oder deutlicher gesagt, auf das der Gristttchkeir, deren Fanatismus man doch allgemein kennt, angewiesen ist. Sultan Sidi Muley Hassan steht nämiich eben im Begriffe den vor einiger Zeit gegen ihn aufgeftandenen Statthalter der Provinz Sus, Sidi Leu Haschem, von dem ich Ihnen iu einer meiner letzter, Correspondcnzcn schon fo manches mitgetheilt habe, mit Krieg zn. überziehen und ihn wieder znm Gehorsam znrnckzubringeu. Zn der Nähe der Hauptstadt Fez wird daher schon ein Heer zusanuneugezsgcn, an dessen Spitze sich der Sultan selbst stellen will, um dasselbe gegen den Rebellen ins Feld zu führen. Zum Kriegführcn, dies werden Sie wohl wissen, benötlngt man aber auch der Sympathie» der Bevölkerung, und diese kann man sich in dem fanatischen Marokko nur dann erwerben, wenn man ans die Inden schlägt und auf ihnen herumtritt. Sidi Muley Hassan wird sich daher für jetzt wohl hüten, sich gegen die Juden wohlwollend zu zeigen, da er dadurch die Sympathien der Geistlichkeit, der Bevölkerung und auch eines großen Thcils der Armee verlieren könnte, dir sich dafür den, genannten Rebellen, der früher Marhabnt war und noch heute feinen ehemaligen Gebieter durch seine Frömmigkeit und seinen Fanatismus zu übertrcffcu sucht, zuwcndcn. würden. Sollte jedoch der Sultan aus diesem.Kampfe siegreich znrückkehrcn, dann dürfen wir hoffen, daß er den Juden seines Reichs wieder seine Gnade znwende» werde. Jndeß beschäftigt jetzt noch eine andere Frage die Inden im marokkanischen Reiche. Das hier residircnde diplomatische Corps hat sich nämlich jetzt an den Sultan mit dem Ersuchen gewendet, er möge ihm gestatten, seinen Amtssitz nach der Residenzstadt Fez zu verlegen, damit dasselbe dann direct mit dem Herrscher und seinen Mnistern verkehren soll können. Sollte dieser Wunsch des diplomatischen Corps in Erfüllung gehen, dann würde dies auch für die Juden Marokko's von großem Vortheile sein. Die Anwesenheit der Vertteter der europäischen Machte in Fez würde in den Anschauungen des Sultans und der Bewohner seiner Hauptstadt große Veränderungen hervoröringen, da dieselben sich so gewöhnen würden oder gar müßten, dem Fortschritte und der Eivililation Zugeständnisse zu machen, die dann auch den Juden zugute kämen. Alan weiß cs ja, welch wohlthätigen Einfluß die Anwesenheit der europäischen Gesandten in Peking ans die chinesische Regierung ,md die Bevölkernng ihrer Hauptstadt ansgeiibt hat lind auch noch heute ausübt. In Fez würde dies derselbe Fall sein. Wir hier können bas diplomatische Corps leicht entbehren, da tu nuferem Hafen stets ein oder mehrere europLischc Kriegsschiffe liegen, die auch jeden Augenblick bereit sind, der Bevölkerung hier, falls dieselbe einige fanatische Tlnwandluuacn bekommen sollte, die Lehren der Toleranz iu die Stadt herein zu bombardiren. MU der Ucbersiedeluug des diplomatischen Corps nach Fez soll zugleich auch der Bau einer guten Fahrstraße von hier nach der Residenzstadt, an der cs noch immer gebricht, in Angriff genommen werden.— Die öfterreischische Regierung hat sich nun beeilt, an Stelle ihres kürzlich in London verstorbenen Consular-Agcnten in Mogador, des bekannten Kaufmannes und Rabbiners Elmalek, dessen Sohn mit der Würde seines Vaters für die letztgenannte Stadt zu bekleiden, was unter den Inden Mogadors eine große Freude hervorgcrufen har. Möge der Himmel diesen jndenfrenndlichen Schritt des Kaisers Franz Josef und seiner humanen Negierung tausendfach lohnen und dieLcbcnstage dieses edlen Herrschers mehren. Es wäre indeß eine große Undankbarkeit von uns, wollten wir vergessen, daß alle Vertreter der europäische» Mächte hier und in den anderen marokkanischerrHäfen uns mehr oder minder ihr Wohlwollen znwendcn mrd soweit cs in ihrer Macht liegt, uns zu schützen und zu beschirmen suchen. So bewahrheiten sich auch an uns die erhabenen Worte unseres Lehrers Moses: ü'rbyji rrnoxo *6' crryw pja ctotd hnt cj ui. „Und selbst wenn sie schon fein werden «n Lande ihrer Feinde werde ich sic nicht verachten und nicht verwerfen, um sie gänzlich zu vernichten und meinen Bund mit ihnen zu zerstöre», denn ich der Ewige bin ihr Gott." Möge cs mir nun gestattet sein, Ihnen in meinen nächsten Brise freudigere Nachrichten "über unsere Glaubensgenossen im marokkanischen Reiche mittheilen zu können. Briefkasten der Redaction. Herr Daniel Ackermann anS WirSloch ersucht uns, initzulhcilen, da ft die Brirslaslcn-Noti; in Nr. 20: ,D.A. mW." nch nicht ans den genannten Herrn bezieht. D. in Fürth: Ihre Mitthkilungen werden uns angenehm fein: anonyme oinjendnngrn werden jedoch nicht anfgenommen. Ntrhiige ITö Jungen JnnMett etm Inichen Reichenberg in Atjenheim. •$. M. Dachrach in l^lmSborn. vehtkr A. Vrvy in Dklwangkn. krhrer u. vantor Simon Derendt in Osann. Saninel Sttiig in Ecblüchtkrn. l*cf>rrr u. Kantor M. Joseph in Solingen. Isaae Rosenthal in Wtvnke. Mose» tuiml-nial»» in Krrnmach. oantor Joseph (MfmlUiii in ^'angerin. f'ehrrr und Dorsiinger Schirstngkr in Mergeniheitn.

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