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Der Israelit · 1886-03-22 · Heft 23 (22.3.1886) · page 11

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Journal
Der Israelit
Volume
27 (1886)
Issue
Heft 23 (22.3.1886)
Date
1886-03-22
Page
– (sequence 11)
Language
German
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409 Ehrenmitgliedern ernannt. (hflcrer hatte vor einiger Zeit in der Depniinenkammer eine echt antisemitische Rede gegen die Juden in Algerien gcbaltcn. Was obengenannte Gesellschaft nur den? Ernennen des Ersteren zmn Ehrcnmitglicdc bezwecken will, ist uns nicht recht erklärlich. Glaubt sie vielleicht, daß Herr AnÄienx durch die Berührung mit jüdischen Literaten eine bessere Gesinnung gegen die Juden erlangen wird? Qui vivra. venu! E n g I ö u d. London. Herr Samuel Montag» wird Zum Herbste nach Rußland reisen, um in den großen polnische» Städten mit den Vorständen und Rabbmcn über die Auswanderung russischer Juden persönliche Rücksprache zu nehmen. London. Sonntag den 14. wurde in Ramsgate auf das Grab des verewigten Sir Moses Montefiore cm Grabstein gesetzt. Die Verwandten und Freunde des Verstorbenen hatten sich zahlreich daselbst eiugcfunden. Dr. L. Löwe hielt bei dieser Gelegenheit eine längere Anrede an die Anwesenden. Er erwähnte unter Anderem, daß der Stein, auf welchem der Sarg ruht, dem Berg Moriah entnommen ist. Unknüpfend an die Traditton, daß vor 3158 Jahren am 7. Adar unser Lehrer Moses gestorben, verglich e; in anziehender Weise die hervorragenden Eigenschaften der beiden Moses mit einander. Rußland. Warschau. „Der hier erscheinende hochofsiziösc „Dziewnik Warszawski" meldet: Die russische Regierung wird in Folge der Ausweisungen russischer Staatsangehörigen ans Preußen die Eoutrolmaßregeln bedeutend verschärfen, um so die Rückkehr von Polen und Juden nach Rußland, wie auch den Zuzug von Deutschen möglichst zu verhindern. Babylonien. Hilleh (Babel) am Euphrat. Habe ich Ihnen in meinem letzten Schreiben eine Wallfahrt znm Grabe des Propheten Ezechiel geschildert, so werde ich Ihnen heute eine Hochzeit und ein Leichenbegängnis; hier in Babel beschreiben; ich werde jedoch mit letzterem beginnen, nm mit erstem», einem Freudenfeste, schließen zu können. Da das Morgenland nicht nur in Betreff feines Glaubens, seiner Lebensweise, Kleidung u. s. w., sondern selbst in seinen Zeremonien streng konservativ ist, so können wir es fast mit vollster Sicherheit anmchmen, daß die Gebräuche, die noch heule in unserer Gemeinde, bei Hochzeiten nnd Lcichrnbegängnisien herrschen, ntlt nur wenigen Ausnahmen, noch aus der Zeit bcr owon ir*crv vielleicht sogar noch aus der Zeit der ^22 'vu (babylonischen Verbannten) stannnen und somit eigentlich Palästina zn ihrer Heimat haben. Bevor ich jedoch mir der Schilderung des Leichenbegängnisses beginne, will ich noch einige Worte der Enstehungs-7 gcschichtc der Nsnp fron heiligen Gesellschaft widmen. Wie mir cm Chacham aus Risibis fcrsj) mitthcilte, fei es eine nfeap (Ucberlicferung) der Juden Ehaldöas, daß die erste ran? man hier in Babel gegründet wurde und soll ihr Gründer kein gc* ringcrcr als N'zun ^N'prrr (der Prophet Ezechiel) v'i-.-. -rrft 'ü^v inoi (möge sein Verdienst uns für ewige Zeiten bcistchcn l) gewesen sein. Solange nämlich die Juden in Palästina weilten, brauchten sie keine besonderen Leichenbcstatttmgsvereme, da sie sicher waren, nach jüdischer Sitte nnd von ihren eigenen Glaubensbrüdern zur ewigen Ruhe gebettet zu werden. Als aber dieselben nach ihrer Verbannung nach Babylonien über dieses ganze Reich und später anch über Persien, Medien, Afghanistan u. s. w. zerstreut wurden und zu befürchten war, daß sie sich nach und nach den Pflichten, die uns unsere heilige Religion in Betreff des rct< bv idh (Pietät für die Todten) auferlegt, entziehen werden oder daß sie diese Pflichten sogar vergessen werden,- da raffte sich der Prophet'Ezechiel auf, stiftete hier eine 'senp m:n und fand sein Vorgehen bald Nachahmung in allen Gemeinden der babylonischen Diaspora. Schon der chaldäische Name ramp rnan (in hebräischer Sprache würde derselbe nsnip man lauten) zeugt dafür, daß dieser Verein in Chaldäa, also hier in Babel, das Licht der Welt erblickt hat. Von dem genannten Propheten soll auch die Klcidcrordnung für die Todten Herkommen, indem er festsetzte, daß der Todtc, da er nun eingeht in den Tempel Gottes, um dort ein Priester zu sein, dieselben Kleider erhalten solle, welche die Kohanim (Priester) beim Tempeldienste trugen, nämlich ein n:'ro (langen Nock, oder wie die deutschen Juden sagen, Sargencs), dann dvxq (Beinkleider), bäh . sGürtel) und rssso (Mütze oder Haube). Später kamen dann noch das Talith, die Fußsocken rc. dazu. Eben nun auch, well dieser fromme Verein gleich nach der Zerstörung des ersten Tempels entstanden ist, erklärt cs sich auch, warum derselbe bei allen Inden, -mögen dieselben in Babylonien, in Deutschland, in der Sahara, in Bokhara, in Indien, in England n. s. m., wohnen nnr n-an heißt. Schildern wir nun ein Leichenbegängniß hier ln Babel. , Iß in unserer Gemeinde Jemand gestorben, so verfügt sich cluwwder Hebrah Kadischah in das

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