Der Israelit
- Journal
- Der Israelit
- Volume
- 27 (1886)
- Issue
- Heft 23 (22.3.1886)
- Date
- 1886-03-22
- Page
- – (sequence 7)
- Language
- German
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len i 11 t1» tu 'gtapantop. v. Bot dem Thore zu Worms, an der aufgezogenen Zugbrücke, hielt Daniel mit seinem Gefolge. Ter ThorwarL lugte ans einem kleinen, in der Stadtmauer angebrachten Fenstcrchen, und fragte, wer Einlaß begehre. „Der kaiserliche Rath, Daniel von Gernsheim, mit Gefolge/ lautete die Antwort. Da wurde die Zugbrücke Herniedergelaffen, und Daniel und die Seinen ritten durch das geöffnete Thor. Dankbar schaute der Mann zu Gott empor, als er in die alterthümliche Stadt einritt, die er als dreizehnjähriger Knabe, das Herz voll banger Besorgniß, verlaffen, und in die er nun, nach einem Zeiträume von etwas mehr als fünfzehn Jahren, als bochangesehener Mann zurückkehrte. „Wollen Eure Gnaden," fragte der Thorwart, „bei Seiner Gestrengen, dem regierenden Herrn Bürgermeister vorreiten?" -„ZZerviß,"" antwortete Daniel. „so kann mein Sohn Eurer Gnaden den Weg zeigen." „„Unrwthig; ich weiß hier Bescheid."" Da ritt er fürbaß, an der Spitze seines Gefolges, durch die engen Straßen der Stadt. Der Hufschlag der feurigen Roffe ertönte, und manches Fcnsterleiu wurde geöffnet, und manches Mägdlein schaute neugierig hinunter ans die schmucken Reiter. Der regierende Bürgermeister enrpfing den kaiserlichen Rath mit geziemender Höflichkeit und bot ihm Quartier in seinem Hause an. „Ich möchte Eure Gestrengen," sagte Daniel, „ersuchen, durch einen Eurer Bediensteten für mein Gefolge und für die Stoffe Sorge tragen zu lassen, ich selbst gedenke bei meinem Oheim, dem Rabbiner dieser Stadt. Quartier zu nehmen." Der Bürgermeister sah bei. diesen Worten den kaiserlichen Rath groß an. Dann aber, leuchtete ei» Blitz des Lerständnisses in seinem Auge auf, und er sprach: „„Ah, Ihr seid der weise Daniel, der fötfcr» lichen Majestät berühmter Rathgebcr! Möget Ihr recht lange in unsrer Stadt verweilen! Ich stehe Euch zu Diensten, wenn Ihr meiner Dienste bedürfen solltet!"" „Ich danke Euch, gestrenger Herr, für Euer gütiges Anerbieten. Doch hoffe ich nicht, in die ^oge zn komnten, von demselben Gebrauch mache«! z» miMfcii." Daniel verabschiedete sich vom Bürgermeister imb schritt auf die Judengaffe zu. Mit freudiger WehnmLh erblickte er die alte Synagoge, damals schon altersgrau, gerade noch, wie heute, nach so vielen Jahrhunderten. Neben der Synagoge befindet fich ein schmales Gäßchen und an der Ecke desselben steht.heute noch das Haus, welches ehedem die Rabbiner von Worms bewohnten. Er öffnete die Hausrhür und trat in die breite Flur. Wie oft hatte er hier mit Naphtali, seinem Vetter, gespielt! Wie werden ihn Oheim und Muhme empfangen? Wird ihnen das Wiedersehen des Jugendgespielen ihres einzigen, verlorenen Sohnes die Herzen nicht zu sehr erschüttern? Er klopfte an die nächste Thüre zur rechten Hand; da war, wie er fich erinnerte, des Oheims Studierzimmer. Es ertönte kein einladendes Herein. Daniel öffnete die Thüre, und siehe, da saß sein Oheim, im Talmud eifrig studierend. „Guten Morgen, Rabbi," sagte der ELntretende. Erstaunt blickte der Rabbi auf die vornehme Erscheinung, die vor ihm stand. Er erhob sich, trat aus den Fremden zu und fragte: „Was steht zu des gnädigen Herrn Befehl?" „„Rabbi, Oheim, kennst Du mich nicht?"" „Daniel, meiner Schwester Sohn, mein Schüler, mein Kind! Gelobt seist Du, unser Gott, König der Welt, der Du . uns a«n Leben und aufrecht erhalten,' und uns hast gelangen lassen bis zu dieser Zeit!" Dann schloß er den Neffen in die Arme, und Beide weinten in seliger Freude und wehmuthsvoller Erinnerung. „Was macht die Muhme?" ftagte Daniel. „„Sie ist in der Küche."" Mit jugendlich elastischem Schritte — die Freude Hane den alten Mann verjüngt — lies er a» die Thüre und ries hinaus: „„Breindcl, komm herein und schaue den Gast, der bei uns eingekehrt ist."" Breinde! eilte herbei, die Hände an der Küchenschürzc trocknend. Sie lief zurück, als sie den vornehmen Herrn in reichen« goldgesticktem Gewände erblickte. „„Koui!«! nur herein,"" rief lachend der Rabbiner; „,,cs ist Daniel, meiner Cchtoester Soh««."" Da kehrte sie wieder zurück, die gute Muhme, und «vollte cs erst nicht glauben, daß der vornehme Herr da ihr Reffe nnd einstiger Pflegest'!»« sek. Dam« aber sing sie an zn schluchzen; sie gedachte des verlorene«« ciegnen Lohnes. „„Sei getrost, Breinde!,"" mnahntr der Rabbi,