Der Israelit
- Journal
- Der Israelit
- Volume
- 27 (1886)
- Issue
- Heft 23 (22.3.1886)
- Date
- 1886-03-22
- Page
- – (sequence 6)
- Language
- German
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Mödling anläßlich der Auslösung der akademischen Orrsgnwve gegen die Lereinslcinmg des Deutschen Schulr-crems, rasbcwuderc aber gegen den hochverdienlen Obmann dcnclbcn. Herrn Dr. Morrs Wcit- Icf, gcrichieten Angriffe, ihre schärfste MißbÄigung aus, bezeichnet das Vorgehen dieser Ortsgruppen als ein das Vercinsintcreffc schädigendes und spricht der Dcrcinslemmg und dem Herrn Odmanne des Vereins ihr unbedingtes Dertrancn aus. Zugleich crmächrigr dieselbe ihren Ausschuß, die Schwcster- Ortsgiuppcn cinzuladcn, sich diesem Schritte anzuschließeu." (Lebhafter Beifall; das Haustein von Antiscmircn zischt, worauf die Versammlung nochmals in lebhafter Weife ihren Beifall kundgibt.) Hierauf nimmt ein Antisemit, welcher erst heute in die Ortsgruppe cingetretcn war, das Wort. Er erklärt, daß der Beschluß der akademischen Ortsgruppe, keine Juden aufzunehmen, kein antisemitischer, sondern ein rein deutscher Beschluß gewesen sei. (Lebhafte Heiterkeit.) Wenn die Inden wirklich io deutsch fühlen, wie sie behaupten, so mögen sie eine israelitische Ortsgruppe bilden. Der Wunsch deutscher Männer, keine Juden unter sich zu haben, sei ein berechtigter, und es sei deßhalb nicht begründet gewesen, die akademische Ortsgruppe aufzulösen. Er stelle den Antrag, über den Antrag des Vorstandes zur Tagesordnung nbcrzugehen: (Lebhafter Widerspruch: die Antisemiten klatschen Beifalls Dr. Kolbe führt daun aus, daß die Vercinslektung nach den Statuten die akademische Ortsgruppe auflösen mußte. - Herr Gundelfingcr nahm zuletzt das Wort. Es scheine, sagte er, als ob die Mitglieder der akademischen Ortsgruppe keine Ahnung von der Anschauungs- und Tenkungsweise jener Mitglieder des Deutschen Schulvereins haben, welche zufällig der jüdischen Confession angehören. Mit ihrenr ganzen Denken und Fühlen hängen diese an der deutschen Sache. (Stürmischer Beifall.) Insbesondere befremdend wirkt es auf uns, die Heranwachsende Generation, welche dieselbe Erziehung genossen hat, wie die christlichen Eollegen, wenn wir plötzlich erfahren müssen, daß wir jedes nationalen Gefühls bar sind. (Lebhafter Beifall.) So wenig als man einem rechtschaffenen Manne die Biederkeit absprechcn kann, kann man uns, die wir deutsch fühlen und deutsch sind bis in unser innerstes Mark, das Dentschthnm absprechen. (Lebhafter Beifall.) Ich lviil nicht betonen, daß Männer wie Laster nnd Knranda für die deutsche Sache gewirkt. (Ein Antisemit ruft: „Bismarck!*) Die Hauptsache ist, daß man redlich, treu und offen handelt und sich als Deutscher bekennt. Das mögen sich Jene, welche sich seit einigen Jahren als Generalpächtcr des Germanenthums geriren, gesagt sein lasten. Wir werden treu znur Deutschthum halten, so lange ein Hauch uns beseelt. (Lebhafter Beifall.) In diesem Strben werden uns jene wackeren Männer bekräftigen, welche nicht zngebcn, daß wir Fremde sind auf deutschem Grund und Boden, wo wir geboren und erzogen wurden. (Erneuter Beifall.) Bei der Abstinkmnng wurde der Antrag auf Ucbcrgang zur Tagesordnung mit allengegen 7 oder 8 Stimmen abgelehnt und die Resolution des Vorstandes mir demselben Stimmenverhältniß unter stürmischem Bestalle angenommen. In den Vorstand der Ortsgruppe wurden die Herren Dr. Ludwig Prossinagg als Obmann, Roben R. v. Schaub als Schriftführer, BaNholomäus Ranzi als Zahlmeister, Dr. Karl Eckel, Dr. Engen Hcrzfeld, Joseph Matzenancr, Dr. Victor Mataja, G. A. Heydrich und Dr. Rodert Schindler als Anßfchußmitglieder wiedergewählt. - Pefth, 18. März. In Zala-Egerszeg, wo vor drei Jahren blutige Antisemiten-Exzesse ftattfanden, herrscht abermals große Gährung anläßlich der demnächstigen Ersatzwahl für den Reichstag. Gestern wurden jüdischen Einwohnern die Fenster eingeschlagen. Heute sind zwei Compagnien Infanterie dorthin abgegangen. E n g I a n d. Portfea, 17. März. Der hiesige jüdische Wohlthätigkcitsvcrein zzi ra’rs gab vorigen Monat sein jährliches zum Besten des Vereins stattfinden- , des Festessen im Saale des israel. Gemeindehauses, wobei über 80 Personen Theil nahmen. Es war sehr erfreulich, unter denselben den General- Gouverneur Sir Willis, den Admiral der hiesigen Flotte Baron Alderley, zwei Parlaments-Mitglieder und protestantische Geistliche und andere hervorragende Militär- und Civilantoritäten (auch den Mayor der Stadt) zu sehen, Alle sich über Inden und Judentlmm lobend aussprechend. Es wurden 70 Pfund Sterling (l 100 Mark) gezeichnet. Der Verein besteht über ein halbes Jahrhundert.