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Der Israelit · 1886-03-11 · Heft 20 (11.3.1886) · page 7

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Journal
Der Israelit
Volume
27 (1886)
Issue
Heft 20 (11.3.1886)
Date
1886-03-11
Page
– (sequence 7)
Language
German
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vundeü«. m der Zeit, da die vrm uns erzähltes Begebenheiten vorgegangcn, wagte wohl selten em Jude, diesen vornehmen Gasthof zn betreten. SrLüchrern betrat daher ein jüdischer ZLugling die Flur des Hauses. Mas WM Du hier, Hebräers schrie ihn du kaiserlicher Leibgardist au, „mach daß Du weiter kommst! Hier gibt es nichts zu handelnd „Latz ihn emtreteu, Peters sagte der Haupt- .mann der Garde, welcher in der Hausflur stand, „Seme Majestät hat einen Juden zur Audienz befohlen; vielleicht ist es der Erwartete. Wie heißt Tu, Hebräer?" „„Daniel aus Gernsheim."" „Du bist also der weise Daniel! Folge mir; ich führe Dich in das Vorzimmer der kaiserlichen Majestät." Daniel folgte dem voranschreitenden Hauptmanue. Die Treppen waren mit weichen Teppichen belegt und reich mit Blumen geschmückt. Solche Pracht hatte Daniel noch niemals gesehen. Im Vorzimmer waren die vornehmsten Männer des Reiches versammelt: Kurfürsten, Fürsten, Kardinale, Erzbischöfe, Bischöfe und die Gesandten der freindcn Machte. Aller Augen richteten sich auf den cmtretenden Jüngling, der sich vor den vornehme« Herren tief verneigte. Durch den Saal ging ein Geflüster, und Einer raunte dem Andern zu: „Der weist Daniel." Auch der kaiserliche Hofmarschall hone den Namen nennen. Er ttat dem Jüngling; entgegen und fragte: . „Seid Ihr der weist Daniel?" „„Ich heiße Daniel,"" antwortete der Jüng- ' lmg bescheiden. „Der Kaiser hat befohlen. Euch sofort zu ihm zu führen. Folget mir." Eine Mnute nachher stand der junge Mann vor dem Antlitze des Kaisers und. verneigte sich bis zur Erde. „Ah, mein weiser Daniel," sagte der Kaiser. „Ich habe Dich hierher beschicden, um Dir für den guten Rath zu danken, den Dü mir gestern ertheilt hast. Der edelste Beruf des Herrschers ist, Recht und Gerechtigkeit zu üben und den unschuldig Verfolgten vor feinem Gewaltiger oder seinem Ränder zu schützen. Du hast mir dazu verholfen, einem Sträubten sein Eigenthum zurückzngeben »und den heimtückischen Dieb zu bestrafen. Ich danke Dir und gestatte zugleich, daß Du Direine Gnade er- < durch." ' „„Majestät,"" sagte der Jüngling, „„Eure huldvollen kaiserlichen Worte sind mir Belohnung lllnng. Nicht wüßte ich, was ich mir erbitten sollte. Ich habe em kleines Vermögen von meines Etters v ererbt, das wir erlaubt, ohne Sorge für meinen körperlichen Untechatt dem Studium der heilige» Goüeslehre zu leben. Daher habe üb für mich nichts zu erflehen, wohl aber für mein armes, geknechtetes und nur zu häufig verfolgtes Volk. Kaiserliche Majestät, seid den Juden em gnädiger Herrscher und Schützer und ich werde Euch dankbar sein bis an das Ende meines Lebens."" Am Fenster des Gemaches saß vor einem Schreibtische der Erzkanzler des deutschen Reiches, der Kurfürst von Mainz, damit beschäfügt, Namen und Siegel unter einer Menge vor ihm liegender Schriftstücke zu setzen. Zu ihm wendete sich jetzt der Kaiser: „Kürfürstliche Gnaden," sagte er, „wie gefällt Euch dieser Jüngling?" „„Gestatten Eure Kaiserliche Majestät,"" entgegnete der Angeredete, „„daß ich das Wort an diesen jungen Mann richte?"" Der Kaiser nickte zustimmend. ' „Daniel von Gernsheim," sprach der Kurfürst, „Eure Antwort zeugt von dem Leichtsinn der Jugend. . Die alten Römer stellten die Occasio, die Gelegenheit mit einem Schopfe dar. Sie wollten damit sagen, daß man die Gelegenheit, sobald sie/sich einem darbietet, beim Schopfe erfassen müsse. Und Ihr wollt die OevLslouem vorüber gehen lassen, ohne sie zu ergreifen, wollt die kaiserliche Gnade verschmähen? Man weiß ja, die Herzen der Söhne Eures Volkes hangen am Golde. Erbittet Euch eine große Summe, und des Kaisers Majestät wird dem Schatzmeister'befehlen, sie Euch auszuzahleu." „„Verzeiht, Kurfürstliche Gnaden,"" entgegnete Daniel, „„wenn ich es wage, einem so hohen Herrn, der nächst der Majestät der Erste ist in allen deutschen Landen, zu widersprechen. Daß die Herzen der Juden am Golde hangen, kömmt nur daher, . daß man stets Gold von ihnen fordert für die Erlaubnis ungehindert leben und athmen zu dürfen. Man verbietet ihnen den bäuerlichen und bürgerlichen Erwerb und zwingt-sie zum Handeln und zu Geldgeschäften, um von ihnen so viel Steuern als möglich erheben zu können.. Als meine Voreltern noch im heiligen Lande wohnten, da bebauten sie den Boden und lebten vom Ertrage desselben. Handel und Geldgeschäfte lagen ihnen fern: Auch mein Herz hängt nicht am Golde. Ich habe mich., der heiligen Wissenschaft gewidmet, und meine Sehnsucht geht dahin, Schätze des Wissens aufzuhäufe«."" „Dein Streben ist löblich," sagte der Kurfürst nach einigem Bedenken, „und wenn Du Dir nicht

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