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Der Israelit · 1886-03-08 · Heft 19 (8.3.1886) · page 10

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Journal
Der Israelit
Volume
27 (1886)
Issue
Heft 19 (8.3.1886)
Date
1886-03-08
Page
– (sequence 10)
Language
German
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längst vorbereiteten Plaues, denn vor den Auge» des Gendarmen ließ man die junge Jüdin einen Wagen besteigen und wezsahrenwobei dem verzweifelten Vater bedeutet wurde, er möge sich so rasch als nur möglich entfernen, weil ihn sonst die Ortsbewohner in ihrem Unmuthc über seine Rectamation wegen Anerkennung der väterlichen Gewalt arg zurrchten konnten. Eingedenk der' bisherigen Erfahrungen, blieb dem Simon Wolfzahn vorlausig nichts Anderes übrig, als diesen Wink unverzüglich zu befolgen. Als cs kurz Hierauf hieß, feine Tochter befinde sich in einem Nonnenkloster, rhat er wieder Schritte, damit ihm gestattet, werde, dieselbe wenigstens für einige Augenblicke zu sehen und zu sprechen. Die Nonnen wiesen jedoch sein Begehren ab, und mit seinen Vorstellungen bei der Bezirkshauptmannschaft und bei den Gerichtsbehörden war er nicht viel glücklicher. Angesichts dieser Sachlage entschloß sich der Landesadvocat Dr. Emil Byk, dem Präsidenten des Ober-Landesgerichtes in Lemberg direkt die Beschwerde vorzutragen, daß das competente Bezirksgericht die Eingabe Wolfzahn's wegen behördlicher Assistenz zur Erwirkung des Zutritts in das Kloster unerledigt laffe. Freiherr v. Schenk informirte sich eingehend über den Fall und traf sodann entsprechende Verfügungen, wodurch sich das Bezirksgericht endlich veranlaßt sah, in die Sache eiuzugrcifcn. Dank diesen Bemühungen ist letzthin Pesche Wolszahn ans dem Kloster entlassen und ihren Eltern wieder znrückgcgcben worden. Köuiggrätz. Der hiesige als Judensrcund bekannte Bischof wurde dieser Tage vom Kaiser von Oesterreich durch Verleihung des Franz-Joseph- Ordcns ausgezeichnet. Unter den zahlreichen Gratulanten, die ans diesem Anlasse beim Bischof sich cinsanden, erschien auch der hiesige Rabbiner, Herr Abraham Eohn. Der Bischof drückte dem Rabbiner seine Freude über dessen Aufmerksamkeit ans und versicherte ihm in beredten Worten, daß sein ganzes Streben darauf gerichtet sei, in seiner Diöccsc den Antisemitismns nicht anskommen zu lassen. F r a n k r e i ch. Paris. Der berühmte Alterthumsforschcr, unser Glaubensgenosse, Herr Dr. Oppert, machte in einer der letzten Sitzungen der französischen Akademie die interessante Mittheilnng, daß in Egypten unlängst ein uraltes Mannscripl gefunden wurde, in welchem vermnthlich die Namen Jakob und Joseph Vorkommen. Wenn sich diese Bermuthnng bestätigt und das Mannscript für echt befunden wird, dann ist dieses v Schriftstück von uugrmrm großer Wichtigkeit. gfeniiletoit. Söarkaro und die Juden. Sbarbaro? — Der geneigte Leser stutzt und entsinnt sich nicht, diesen Namen überhaupt oder im Zusammenhänge mit den Inden gehört zu haben. Er strcngr sein Gedächtnis an und endlich dämmert in ihm wenigstens die Erinnerung, wer Sbarbaro ist. Eifriger Zcitungslcser der er ist, findet er nämlich in einem Winkel seines Gcdächrnistes einen Nachhall der ausführlichen Berichte, welche im verwichenen Sommer die politischen Blätter über einen Monftr^-Scandal-Prozeß gebracht haben, in welchen der gelehrte Prosciwr Sbarbaro verwickelt gewesen ist. Heißes italienisches Blut wallt in den Adern dieses Mannes, welcher in rücksichtsloser Weise theils wirkliche Gebrechen des Staatswesens aufgedcckt und dieselben in übertriebener und fanatischer Weise dargestettt hat, theils mißtrauischen Gemüthes Ehrlosigkeiten und Eorruptionen gewittert hat, die dem obsectiven Beobachter in einem andern Lichte erschienen. Professoren, Beamte, Minister, ja sogar die Frauen der Minister waren vor der rücksichtslosen, vehementen und oftthätlich bedrohenden KampfweisOiescs..Heißsporns nicht sicher und in Italien zitterten Schuldige wie Unschuldige vor den giftigen Pfeilen des Professors. Ein eigenes Journal „Forche Caudine4' (das caudinische Joch) wurde von ihm gegründet, welches fiir so manche hochgestellte Persönlichkeit ein wirkliches caudiuisches Joch wurde, durch das sie ziehen mußte. Und nun — wird der geneigte Leser fragen — ein Mann, bei* ein fo scharfes Auge für die Fehler Anderer hat, der den Splitter im Auge Anderer sieht, ohne att den Balken im eigenen zu denken, wie wird der wohl gegen das viel verläumdete Volk der Juden gesinnt sei»? Wie wird er mit' Wuth und Energie kleine Fehler desselben ansbanschen, neue erdichten, welche Nahrung wird er dem glühenden Feuer des Antisemitismus Zufuhren? Der geneigte Leser mtheilc selbst. Der unverbesserliche Pessimist, der Mann, in bcijcii Augen nichts in der Welt gut ist, vor dessen Urtheil nichts bestehe» kann, läßt sich in seinem Journal ..Forche Uaudine“ vom 18. Januar d. I. folgendermaßen über die Inden vernehmen: „Meine Ansichten über das jüdische Volk sind meinen Studenten bekannt, denn sie sind nicht von heute und haben sich niemals geändert. In der

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