Der Israelit
- Journal
- Der Israelit
- Volume
- 27 (1886)
- Issue
- Heft 19 (8.3.1886)
- Date
- 1886-03-08
- Page
- – (sequence 7)
- Language
- German
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0 e « I i I * * 9 g. . ' " - " - -V . .' L . ‘ Seit Wochen und Monaten befand sich die Einwohnerschaft von Frankfurt am Main in der größten Aufregung. Nach taugen Skr&mblungea. imö Zwistigkcttcn hatten sich endlich die deutschen Fürsten geciurgt und dem heiligen römischen Reiche deutscher Nation eia Oberhaupt gegeben, und nun sollte die Krönung des ncuerwahlten Kaisers ftattsinden. Große Vorbereitungen waren getroffen. Auf dem Platze vor dem Römer war ein Springbrunnen errichtet, der auf der einen Seite rochen und auf der anderen Seite weißen Wein ausgicßen sollte. Nicht weit davon war ein großer Dausen Hafer aufgeschichtet, und daneben stand eine Brcttcrhütte, in welcher an einem ungeheuren Spieße cm ganzer Ochs gebraten wurde. Endlich war der Krömmgstag angebrochen, und eine Zahllose Mcnschenmcnge hatte sich Zusammeugefunden, um das prächtige und seltene Schauspiel mitanzuschcn. Die Krönung und Salbung im Dome war vorüber, und Glocken schalt verkündete, daß der Kaiser mit feinem Gefolge sich wieder in den Römer begab. Der Stallmeister der Stadt Frankfurt eröffnte den Zug, Reitpferde mit Wappendecken, Pauker und Trompeter folgten ihur. Hieran schlossen sich die drei Compagnien der Bürgercavallerie. Dann kamen die Fürsten mit zahlreichem Gefolge r zuerst der Rcichserbmarschall, dann der Reichserzkanzler, der Kurfürst von Mainz mit großem Gefolge, ebenso die Kurfürsten von Cöln und Trier und die übrigen weltlichen Fürsten, Grafen und Herren. Dann erschien die Majestät, alle klebrigen überstrahlend. Zwölf Frankfurter Rathsherreu trugen den rcichgestickten Baldachin, unter welchem der vornehmste Herrscher dieser Erde, die reich mit Diamanten vexierte Krone auf dem Haupte, den HermeUmnantel um die Schultern, in der rechten Hand das Scepter, in. der linken Hand den Reichsapfel tragend, einherschritt. - Ein ungestümes Vivat erscholl ans taufend und abermals tausend Kehlen. Ta, plötzlich ward der Fuß des Kaisers gehemmt. Auf dem Römerplatze war für den Kaiser und die Fürsten eine hölzerne, mit rothgelbem'und weißem Tuche bedeckte Brücke erbaut worden. Kaum halte der Kaiser die Brücke betreten,'als sich ein Mensch aus dieselbe bmaufschwang, in die Knie fiel und des Kaiser» Füße umklammerte. Die Hellebardiere *) Nachdruck verbale,,; lUbtvfrtmngftrrdjt voibehalle». -32» wollten ihn 'htettsfioBS!, - «wer der Keifer 'wchrrr ihnen.- Der ZmerLe fLtte: ... Herr und Kaiser, helft mir, rettet mich I“ „»Was ist Sir?*4' fragte der Kaiser gütig. „Ich bin ein Adeliger ans Franken, ein Mgerer Sohn, birrhergekommen, mn in die Dienste unsres geliebten Kaisers zu treten. Mein Bruder, der das 'schloß meiner Vater geerbt hat, zahlte mir mein mütterliches Erbcheil heraus. Es waren-Lausend Goldgulden, lauter Florentiner, ans der Präge Wailand Kaffer Ludwigs des Bayern. Als ich hierherkam gab ich sie dem Wirthe zum Weidenbusch, wo ich Quartier genommen, zur Aufbewcchrung. Heute forderte ich mein Eigenthum zurück, und er gab mir die Metallflasche; allein sie war ihres kostbaren Inhalts beraubt und statt dessen mtt Wein gefüllt. Ihr, Großmächtigster. Kaiser, der mächtigste Herrscher der Welt, seid heute eingesetzt. Recht und Gerechtigkeit zu wahren in deutschen Landen; befehlt, daß mir mein geraubtes Eigenthum zurückgegeben werde!" Ein Mann hatte sich aus der Menge herbei- . gedrängt und rief: „„Kaiserliche Majestät, lasset Euch von einem Wahnsinnigen nicht beirren! Ich bin Walter Fürchtenicht, der Gastwirth aus dem WeidenöuH. Die ganze Stadt kennt mich und weiß, daß ich ein rechtschaffener Mann bin. Was mir der fränkische Junker gegeben, das habe ich ihm zurückeistattet."" „Glaubt ihm nicht, Majestät," schrie der Junker, „er ist ein Dieb, ein Räuber! Er hat mir mein ganzes Vermögen gestohlen." Rathlos blickte der neuerwählte Herrscher 'von dem Einen auf den Andern; er hätte gar gern durch ein Salomonisches Urtheil seinen Ruf begründet im deutschen Reiche; allein, es fiel ihm nichts ein. Todtenstille herrschte ringsum. Aller Augen hingen an den Lippen des Kaisers, dessen Entscheidung erwartend. Da hörte inan, wie Jemand halblaut zu seinem' Nachbar sprach: „Wäre, ich der Kaiser, ich wüßte schon, zu rathen." Der Kaiser drehte sich um und bettachtete aufmerksam den Sprecher. Es war ein schöner Jüngling, mir schwarzgelocktem Haar und schwarzen, feurigen Augen. „Tritt vor!" rief ihm der Kaiser zu. Der Jüngling trat vor und verneigte sich fast bis zur Erde. 7 * „Wer bist Dn?" - „„Ich beiße Daniel und stamme aus Gernsheim am Rhein; ich bin ein Schüler des hiesigen iiochgelchrten Rabbi Simeon.*"