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Der Israelit · 1886-03-08 · Heft 19 (8.3.1886) · page 6

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Journal
Der Israelit
Volume
27 (1886)
Issue
Heft 19 (8.3.1886)
Date
1886-03-08
Page
– (sequence 6)
Language
German
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Pisek. (Böhmen.) Soeben schreibt mir Herr Gvmnasial-Religionslehrer Israel Singer ans Satoralja Ujhely, daß der ungarische Kultusminister Trefort einen Erlaß an sämmtliche Mittelschuldircktoren des Inhalts versendet, daß die jüdischen Zöglinge am Sabbat schreibe» müssen mit Ausnahme jener, die n a ch w ei sc n, daß sie R a b bin er oder Schächter werdenwoüen. Aber auch solche Zöglinge müssen sich direct an den Eultusminister wenden, um dispensirt zu werden. Da Ihr Hochgeschätztes Blatt in Ungarn vre! gelesen wird, ist die Bekanntmachung dieses unerhörten Erlaßes, die mit seltener Kühnheit in das religiöse Leben einer anerkannten Ilaubcnsgenonenschaft cingrcift, ein Verdienst. Wir bemerken übrigens dem Herrn Trefort, daß der Rabbiner eben dieselben Pflichten, die jeder andere Israelit hat und vica versa. Die Gleichheit aller läßt im Judentum den Unterschied zwischen Laien und Klerikern nicht entstehen. Das sollte der Herr Unterrichtsminister denn doch wissen. — Rußland. Petersburg, 28. Febr. Unlängst ging die Nachricht durch die Zeitungen, daß in Kischinefs mehrere Mitglieder einer jüdischen Räuberbande wegen Beraubung eines katholischen Geistlichen und bewaffneten Widerstandes gegen die Staatsgewalt zum Tode vcrurthcilt worden seien. Wie wir vernehmen, gehören die zum Tode verurtheiltcn Räuber der jüdisch-christlichen Sekte „Neu-Israel" an, welche der berüchtigte Missionär Joseph Rabinowitz gegründet hat.. P a l ä st i n a. Jerusalem. Die Witterungsverhältnisse in Jerusalem waren im verflossenen Jahre außergewöhnlich. Auf die ersten trockenen Monate des JahrS folgte gegen Ende des Monats März der für die Saatfelder ersehnte Spätrcgen in reichlichstem Maße. Da dieser sehr lange anhielt, ward die Frühjahrsreifesaison eine sehr ungünstige. Andererseits wurden die Eifternen der Stadt nun ganz gefüllt und der fast das ganze Jahr wasserleere - Bach Kidron wurde zu einem Strome, was zu mancher Volksbelustigung Anlaß gab. Die anhaltenden Regengüsse belebten auch wieder die Hoffnung ans eine gedeihliche Ernte, eine Hoffnung, die bereits ganz geschwunden war. Am 12. März waren die Pfirsichbäume zur Blüthe gekommen, am 14. die Pslanmcnbättme; am 19. trat Frost ein, wobei das Eis die Dicke des Fensterglases erlangte, so daß das frische Manlbeerlaub, die Psirsichblüthen n. s. w. erfroren, in dem benachbarten Betdschala (bei Bethlehem) auch die Feige». Vom 22. März ch folgten wehr als 3 Woche» lang Hagel, Gewitter und Stürm auf einander. Der arme Ferlach lief fröstelnd und zähneklappernd durch die Straße», feine Sckube im Buse» wohl geborgen haltend, damit die Nape das schlechte gegerbte Leder nicht ganz unbrauchbar mache. Um die Ostcrzcit war das Unwetter so stark, daß Reisende ans der Straße von Irma nach Jerusalem mehrere Fellachen vom Hrgel betäubt oder vom Frost erstarrt für rodt anfhobeu. Im April wechselten Regen, Sirokko und Bewölkung ab, der heitern Tage waren es darin nnr wenige. Im Mai war es an den meisten Tagen heiter, im 3 Tagen kamen Gewitter und an 10 Tagen wehte der Sitokko. An den Sirokkotagcn stieg der Thermometer auf 25 und 26° R., er sank in den Nächten kaum auf 20°, während bei West- und Nordwind der Wärmegrad Mittags l8 bis 20, bei Nacht 13 bis 15° betrug. Nach einem ausführlichen Jahresbericht des Herrn Lehrers Duck über die Witterung zu Jerusalem im Jahr 1884 nnt Vergleichung der Witterung in Sarona bei Jaffa und in Stuttgart war die größte Wärme in Jerusalem nur 3° E. höher gewesen als in Stuttgart, und das Minimum bloß um 4,5° verschiedm. Da der Sirokko von April bis Juni sich häufig cinstelltt, wurde die gewonnene Hoffnung auf eine gute Ernte ganz zu Schanden. Der Erntebericht aus Sarona z. B. hat traurig gelautet. Im Monat Oktober hat au 14 Tagen der Sirokko geweht und den ganzen November bis zum letzten Tage desselben hat man vergeblich aus den Frührcgen gewartet. In den letzten Tagen dieses Monats hat die merkwürdige Naturerscheinung eines massenhaften Sternschnuppenfalls stattgefunden. Es waren mit einem Blick 3, 4 und 5 dieser schießenden Sterne zu sehen. Einige Beobachter zählte» ihrer vierhundert in einer Viertelstunde. Der Anblick dieser Meteore war durch einen krystallhellen Himmel begünstigt. Viele derselben waren glänzend wie eine Rakete und hinterlicßen einen Schweif, der erst allmählich verschwand; andere waren kurz und schnell vorübergehend. Auf die Muhamedaner haben diese schießende Sterne einen mächtigen Einfluß geübt. Am folgenden Tag nach der Naturerscheinung bedeckte sich der Himmel mit Gewölle. .Am l. Dezember fiel ein stärkerer, anhaltender Regen. Ter Gesundheitszustand war ein ziemlich guter. Nur in den Monaten Januar, Februar und März herrschten Fieber und andere Krankheiten. Aeitere Leute litten öfters an.Katarrh. Bei Den Kindern kam viel Kcnchlmften vor, wie in Jerusalem so auch in Haifa. (Warte des Tempels.)

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