Der Israelit
- Journal
- Der Israelit
- Volume
- 27 (1886)
- Issue
- Heft 19 (8.3.1886)
- Date
- 1886-03-08
- Page
- – (sequence 4)
- Language
- German
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326 unseren Verhältnissen angepaßt wurde. Ter Ritus verbietet die Darstellung von figürlicher Dekorattvu und wurden vom . Meister deßhalb geometrische und vfiauzliche Flächrnornamcute durchgängig angcwendct. Tie Längsrichtung des Tempels ist gegen Sonnenaufgang, daher befindet sich der Chor mit dem Allerheiligftcn (der Raum zur Aufbewahrung der Thorarollen) im . Osten, die Haupteingänge im Westen. Das Gesicht des Andächtigen ist gegen das Allerhciligste gewendet, über dem die Morgensonne durch die reich bemalten Fenster hcrcinbricht. Um uns kurz zu fapen, wollen wir sagen: Der ganze Monumentalbau zeichnet sich durch eine künstlerisch sehr günstig demcllcnc Einfachheit aus, welche demselben den Eindruck des Erhabenen verleiht und infolge denen der plastische, sowie malerische Schmuck — dem Charakter des ganzen Baues cntprechcnd — eine ruhige, würdige Pracht auf den Beschauer ausübr, ohne prunkhast oder überladen zu wirken. Noch besonders erwähnenswert!) sind die prachtvollen rer© Stickereien aus dem rühmlichst bekannten Atelier von Hcimerdinger in Karlruhe. Der Anßcnban mit den schönen Kuppeln , die besonders gelungen erscheinen, den großen architektonischen Masscnverhältnissen und der angenehmen Abwechselung des grauen und rothen Sandsteines ergeben eine sehr günstige und malerische Wirkung. Der schöne Vau mit den sich sehr vortheilhaft abwechselnden Silhouetten wirkt allseitig sehr günstig und bleibt gewiß — wie schon erwähnt — eine fehcnswcrthe Zierde unserer Stadt. „ Um auf das Fest selbst zu kommen, können wir mit Vergnügen constatiren, daß eine große Anzahl von auswärtigen Gästen — empfangen von Verwandten und Freunden — bereits mit den Frühzügen cingctrossen ist. Die Stadt ist festlich beflaggt. Um 2 Uhr beginnt der Umzug von der alten in die neue Synagoge. Am 26. Februar, Punkt 2 Uhr, Freitag Nachmittags waren die Festtheiluehmcr in und vor der alten Synagoge versammelt, während die Gäste, welche daselbst keinen Platz zu erhalten befürchteten, in der nächsten Nahe des neuen Tempels Aufstellung nahmen, um sich sodann dem Zuge beim Eintritt desselben in das Gotteshaus anznschließcn. Ter Umzug verlies programmmäßig. Mit einer ergreifenden Ansprache des Rabbiners und Aushebung der Thorarollcn wurde Abschied von der alten Synagoge genommen und — die Jugend mit ihren; Lehrer voraus — unter dem Donner der Böller der zum neuen Gotteshanse angctrelen. Es folgten mm die.Musik des kgl. bayer. is. Infanterie-Regiments , der Synagogenchor, die Gcmrindeälrcsten (welche einen rührenden Anblick gewährten) mit den Thorarollcn, begleitet von reizenden Fcstjungfraneu,-der Rabbiner mit demCarüor, 2 Vertreter der kgl. Regierung, der kgl. Bezirksamtmann, der Vorstand und der Vorsitzende der Baukommission, sodann Bürgermeister, Adjunkten und Svnagogcnausschuß, ferner verschiedene Mitglieder kgl. Behörden und einige protestantische Geistliche, der Stadtrath, Ehrengäste, die Mitglieder der Culrusgemeiude und zum Schluß eine koloffale Menge von Festthcilnchmern. Die Straßen, welche der 'Festzug passirte, waren mit einer dichtgedrängten neugierigen Menge eingefaßt. Beim Eintreten am Portale des Tempels übergab Architekt L e vy mit einer Ansprache an den kgl. Bezirksamtmann Schmitt demselben dm Schlüssel zum Gotteshanse und dieser denselben mit einigen Worten dem Dezirksrabbiner Dr. Landsberg, welcher das Thor der Synagoge erschloß. Die Räume, derselben waren bald überfüllt und begannen die herrlichen Vorträge des Synagogenchorcs. Illach Einführung der Thorarollcn in ehre neue Lade folgte die geistreiche Predigt des Bezirksrabbincrs und zum Schluffe die rituelle Einweihung des Tempels. Damit war die kirchliche Feier, der noch ein Abcndgottcsdienst für die Eultusangehörigen folgte, zu Ende. Stuttgart, 17 Februar. Die heutige Nummer des „Staatsanzciger für Württemberg" veröffentlicht das Rechnungsergcbniß der „Jsr. Centralkirchenkasse" Württembergs pro 1885. Die Einnahmen betrugen 64578 Mk., darunter 10900 M. Landesumlage, 7960 Beiträge der Gemeinden zu den Rabbinatsgehalten, 23180 Zuschuß der K. Staatskasse; die Ausgaben 55133 Mk. darunter 8006 Mk. Berwaltungskoften 23100 Mk. Rabbinatsbesoldungen, 9428 Mk. Gchaltsaufbellernngen für Lehrer und Vorsänger, 3702 Mk. Turnus- und Kirchcnkosten. Das Vermögen beträgt 469970 Mk. Oesterr.-Ungar. Monarchie. Wien, 3. März. Ans Krakau kommt uns die telegraphische Nachricht zu, daß das Ehepaar R itter heute in Folge Auftrages des Cassations- Hofes freigelaffcn worden ist. Die Eheleute Ritter sind bekanntlich von dem Krakauer Schwurgerichte dreimal wegen Mordes znm Tode verurthcilt worden. Zweimal hob der Cassationshof dieses Erkenntnis; ans und ordncic chic neue Verhandlung an. Wie ans der Enthaftung der Angeklagten her-