Der Israelit
- Journal
- Der Israelit
- Volume
- 27 (1886)
- Issue
- Heft 19 (8.3.1886)
- Date
- 1886-03-08
- Page
- – (sequence 1)
- Language
- German
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■ ■■■■"■ - - . ‘ " EL» ■ AenLrak - Hrgan für das oxifjoboxe Iudenthum. Herausgegebcn von Sr. Lehmau» m Maivz. M IS iXVIL Zahrgaug- Movtag, d e u 8. Marz 564V (I88S). Leitende Artikel. Zum WurimfeKe. Mainz, 4. März. Das Purrmfeft ist das einzige unter allen jüdischen Festen, welches ein Ereigmß aus der Geschichte Israels in der Verbannung verewigt. Die großen Feiertage sind sämmtlich eingesetzt in der Zeit, in der Israel zum Volke wurde und im Begriffe stand, das den Vätern verheißene Laud zu erwerben. Auch die Ereignisse, zu deren Andenken wir das Chanukafest feiern, fanden auf dem Boden des Helligen Landes statt. Nur Purim macht eine Ausnahme. Israel war aus der Heimath verbannt und wohnte in den verschiedenen Provinzen des großen Persisch-Medischen Reiches. Mit einem Schlage sollten alle Söhne und Töchter unsres Volkes vernichtet werden, und auch nach der Rettung hörte das Galuth nicht auf. Deßhalb beten wir am Purimfeste das Hallel-Gebct nicht; denn dieses ist nur eingesetzt worden zum Andenken an den Nebergang von der Knechtschaft zur Freiheit, wie es heißt: *i n3j7 tbn „Preiset, ihr Knechte des Ewigen!" d. h., ihr, die ihr nur seid Knechte des allmächttgen Gottes, den Menschen gegenüber aber freie Männer; während nach der Rettung aus Hamans Gewalt unsre Voreltern Knechte des persischen Königs geblieben waren. Es ist daher dqs Purimfest gleichsam typisch für die ganze Geschichte Israels in der Diaspora und dazu geeignet, uns ganz besonders zum Nachdenken aufzufordern» Im 3. Psalm <V. 4. u. 5) wird uns die Bedeutung der Feste sehr schön dargelegt: vtob vo’rna' cmi p;n nvy ist 1 :vra übyb ist' „Ein Andenken hat Er gestiftet Seinen Wundern,, gnädig und barmherzig der Ewige. Hat Er auch Verwirrung (*)mj peö *pe) verhängt über Seine Frommen, so wird Er doch gedenken ans immer Seines Bundes." Die Festtage, die der Allgütige eingesetzt, haben einen doppelten Zweck. Sie sollen uns erinnern an die großen Wohltaten, die Gott uns gespendet (v:n), und an die Rettung, die wir, wenn wir in Noth gerochen, stets bei Ihm gefunden habe», daß Er, wenn Er auch manchmal gestattet, daß Seine Frommen dem Untergänge geweiht scheinen, doch für alle Ewigkeiten Seines Bundes gedenken , und sie erretten wird aus jeder Noth und Gefahr. Auch das Purimfest führt uns diese großen Wahrheiten vor Augen. Es zeigt uns, wie Israel durch Sünde und Schuld sich des Schutzes des allmächtigen. Gottes unwürdig gemacht hatte, wie es aber in der Gefahr seinen Weg wieder gefunden zu Seinem Vater im Himmel, und was die Hauptsache, daß es nach überstandener Noch nicht zurückgefallen in dle alten Sünden, sondern eine höhere Stufe der Gottesfurcht und der Gotteserkcuntniß erreicht hat. Jerusalem war gefallen. Ter gewaltige Eroberer, der babylonische König Nebukadnezar, hatte die Juden hinwcggetrieben aus ihrer Heimath in die babylonische Ebene. Ein grenzenloser Schmerz hatte sich der Gcmüther der armen Vertriebenen bemächtigt. „An Babels Sttömen, dort saßen wir und weinten, an den Weiden dort hängten wir auf unsre Harfen; denn dort verlangten von uns unsre Räuber Gesang und unsre Unterdrücker Freude: Singet uns von den Liedern Zions. — Wie können wir singen das Lied des Herrn auf fremdem Boden? 'Wenn ich dein vergeffe, Jerusalem, so der-, gesse meine Rechte! Es möge kleben meine Zunge an nleinem Gaumen, wenn ich dein nicht gedenke, wenn ich nicht erheben werde Jerusalem auf das Haupt meiner Freude!" —