Der Israelit
- Journal
- Der Israelit
- Volume
- 27 (1886)
- Issue
- Heft 18 (4.3.1886)
- Date
- 1886-03-04
- Page
- – (sequence 10)
- Language
- German
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Kulanzen errichtet, oder in dir üctive Armee, oder die Miliz riugcrreten sind, und daß die Zahl der Verwundeten unter ihnen eine große war. Tie israelitische Gemeinde zu Samacoff hat den Militär-Behörden für nahezu 12,000 Frcs Kleidungsstücke und Proviant für die Armee geliefert. Sie hat außerdem 200 Frcs. an das israelitische Milirär-Lazareth vou Sofia gesandt. Eine gcwipe Anzahl verwundeter israel. Soldaten ist nach dem letzten Krieg zu ihren betreffenden Familien zurückgelehrt, um dort verpflegt zu werden. Bis jetzt weiß man vom Tode eines israel. Soldaten ans Samacoff, der auf dem Schlachtfeld gefallen und eine Wimve mir zwei Kindern hintcrläßt. Gleich am Tage nach seiner Rückkehr nach Sofia hat S. Hoheit der Fürst Alexander die Ambulanzen zu besuchen begonnen. Eine der ersten, welche derselbe in Augenschein genommen, war diejenige, welche von der israelitischen Gemeinde orgauifirt worden. Es war am 31. Dezember. „Das Lokal war zu dieser Gelegenheit geschmückt worden; über der Thür zierte ein Blumengewinde die Aufschrift: Willkommen!" Seine Hoheit besuchte die Krankensäle, hielt vor jedem Bett und hatte für jeden Kranken ein wohlwollendes Wort. Er hat mit eigener Hand vier israelitische und drei nichtisraelitische Verwundete mit Orden geschmückt. S. Hoheit zeigte sich außerordentlich zufrieden mit der ganzen-Organisation der Ambulanz. Vor ihm war bereits Monseigneur Element, der Metropolit und Präsident des bulgarischen „rorhcn Kreuz" erschienen. Dieser Prälat hatte bereits die Juden wegen ihres patriotischen Werkes beglückwünscht. Die Zeitung Trinovska Constitutio. das Organ der Regierung, erwähnt in folgender Weife die von unseren Glaubensgenosien organifirte Anchulanz. „Die israelitische Gemeinde zu Sofia hat während des Krieges eine große Thättgkeit entwickelt. Sie hat auf eigene Kosten eine Ambulanz organisirt, wo bereits mehr als 133 Verwundete verpflegt wurden." Bis jetzt weiß man von 23 israelitischen Soldaten, die während dieses letzten Krieges verwundet und von zweien, daß sie getödtet wurden. Sechs der Verwundeten erhielten das Militär-Vcrdienstkrcnz; einer derselben gehörte zum Personal der Schule der Alliance zu Sofia. (Israeliten Rumäniens.) Man kennt ans früheren Berichten Herrn Radn Porumbar, Direktor der Papierfabrik zu Bacau und dessen Gewaltthätigkciten gegen die Inden. Vor einigen Monaten bat er deren neuerdings verübt; zum Glück sind die Behörden und Gerichte dazwischengetrctcn und haben den Herr» Psrumbar daran mmrert, daß die Inden gleichfalls unter dem Schutz der Gesetze stehen. Die Vorgänge sind folgende: Zur vergangenen Sommer behauptete Herr Porumbar, daß in seiner Fabrik ein Lcderstreifeu gestohlen worden, und der Dieb nur ein Jude sein könne. Der Staatsanwalt ordnete Untersuchungen an und ließ mehrere jüdische Schuhmacher scstnehmen. Wenn sie auch noch so oft die Quelle, woher sie ihr Leder bezogen, anfwicscn und die Händler nanntcu, die es ihnen verkauft, cs half nichts, sie wurden ins Gefaugniß gesteckt und Monate dort seftgehaüen. Als sie endlich vor Gericht erscheinen durften, war es ihnen ei» Leichtes ihre vollkommene Unschuld zn beweisen und sie wurden fteigesprochen. Herr Porumbar ist gleichfalls der Sreuerpachter in der Gemeinde Letea. Im vergangenen September ersuchte er den Bürgermeister dieser Gemeinde, sich nach der Besitzung eines Juden Namens Kaufmann zu begeben» um daselbst ein Quantum Wein mit Beschlag zu belegen, welches der Pächter insgeheim nach dem Dorfe gebracht hätte, ohne die schuldige Steuer zn zahlen. Am 17. September confiscirte der Bürgermeister, in Begleitung des Porumbar, bei Kaufmann 17 Tonnen alten Weines und eine Tonne von der letzten Ernte und nahm ein Protokoll auf. Das Permauenz- Comkte des Distrikts bcanstragte den Unterpräfect mit der Untersuchung; derselbe constatirte, daß der mit Beschlag belegte Wein, welcher sich in den Kellern des Kaufmanns befunden, dort bereits mehrere Jahre vor der Pacht des Porumbar gelagert hatte; daß im klebrigen Herr Kaufmann in der Gemeinde Letea niemals Wein verkauft habe, und daß er ein einziges Mal, durch ein Jrrthum, das auf den Bürgemcister znrückzuführen war, diesem 2—3 Vadra Wein überlasten, zu einer. Taufe, wo Porumbar selbst als Pathe fungkrte. Das Ergebniß der Untersuchung wurde dem Comite am 22. September nntgethcilt, doch unterrichtete dasselbe nicht gleich den Porumbar davon. Am 27. September wollte Porumbar, in Begleitung des Bürgermeisters, den consiscirten Wein aus Kaufmanns Keller abführcu, doch Herr Negolsco, Administrator der Besitzung und denen Leute verhinderten es. Porumbar zeigte dem Staatsanwalt an, daß er selbst, und der Bürgermeister angefallen worden feien; eine Untersuchung wurde von dem Stellvertretenden des Staatsanwalt eingeleitet, doch Porumbar wartete nicht ab bis sie beendet war. Von Militär begleitet, ließ er durch den Bürgermeister die Kcllcrtlmre erbrechen und die 15 Tonnen fortfnhre». Zn gleicher Zeit zertraten seine Leute die Trauben der letzten Ernte, welche in einem Neben-