Der Israelit
- Journal
- Der Israelit
- Volume
- 27 (1886)
- Issue
- Heft 16 (25.2.1886)
- Date
- 1886-02-25
- Page
- – (sequence 26)
- Language
- German
- Belongs to
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m ca Hk cK>.«k ’ .V " ~ (Schluss von No* 143.) m. Die Neuzeit hat alle Lebensverhältnisse wesentlich verändert. Nicht bloss das Verkehrswesen und die äusseren Lebensgewohnheiten haben neue Bahnen eingeschlagen, sondern selbst der Wohltbätigkeit hat unsere Zeit ihren eigentümlichen Stempel aufgedruckt und ihr ein ganz neues Gepräge verliehen. In früheren Zeiten pflegten die Vorsteher von Armen vereinen von Haus zu Haus zu gehen, um Wohlthätigkeitsgelder zu sammeln, Empfangerund Geber zeigten ein ernstes oder gar betrübtes Gesicht, jene wegen der Barmherzigkeit, welche sie anzuregen bestrebt waren, diese durch das Mitleid, welches sie fxir ihre armen Brüder empfanden, Manche wohl auch aus Missvergnügen darüber, dass man sie zum Geben zwang. Ganz anders geht man jetzt zu Werke, wenn man zu wohlthätigen' Zwecken eine Sammlung beabsichtigt. Man veranstaltet dann eine lustige „Soiree“, ladet eine grosse Gesellschaft zu Musik und Tanz, Spiel und Lust ein, —die Neuzeit liebt es ja, eine freundliche Aüssenseite zu zeigen — und wenn sich dann die ganze glänzende Gesellschaft in gehobener Stimmung und ausgezeichneter Festlaune, befindet, tritt man mit dem wohlthätigen Zwecke der „Soir6e“ hervor; ein Jeder pflegt in solcher Stimmung gern über seine Verhältnisse zu spenden, und so fällt denn, selbst nach Abzug der Kosten eines solchen Gesellschaftsabends, dem wohlthätigen Zwecke immer noch ein reicher Ertrag zu. Uns will diese Art moderner Wohlthätigkeit nicht besonders Zusagen. Keinem edel Denkenden und warm Empfindendes ist es möglich, sich an Spiel und Tanz zu ergötzen, sobald er weis», dass er nur zum Besten armer, leidender und schwer geprüfter Menschen eingeladen worden. Welcher wahre Jehudi kann sich rauschenden Vergnügungen hingeben, wenn er seine Brüder in höchster Noth und Drangsal sich befindend Weisel Wß0 hat Freude und Lust mit | solch* beklagenswerthen Zuständen und herzssrreissenden Nöthen zu schaffen?! — Zu einem weit günstigeren Urtheile gelangen wir jedoch, wenn wir die gegenwärtig übliche Ar t der Vertheilung der Wohlthätigkeitsgelder betrachten. Früher vertheilte mau diese an alle Bedürftigen, die darum baten; man hatte lediglich sein Augenmerk darauf gerichtet^ der Noth des Augenblickes zu steuern, ohne sich um die Zukunft viel Sorgen zu machen. Die Neuzeit verfährt darin weil rationeller, indem sie bei der Verfcheilung der Almosen, nach Befriedigung der dringendsten Bedürfnisse der Gegenwart, weise Rücksicht darauf nimmt, auch für die Zukunft der Armen und Bedrängten zu sorgen, damit diese nicht für ewig der Allgemeinheit zur Last fallen möchten, ln dieser Beziehung müssen wir unserer Zeit Beifall zollen, denn nur auf diese Weise kann die Wohithätigkeit der Gegenwart auch für die kommenden Geschlechter segensreich wirken. Als unsere Väter voi\wenigen Jahrhunderten sich im heiligen Lande, d. h. in den vier Städten: Jerusalem, Hebron, Tiberias und Safed ansiedelten, überschütteten unsere Brüder in der Diaspora sie mit ihren Wohlthaten und spendeten Summen, mit denen man dazumal fast alle Grundstücke Jerusalems hätte erwerben können. Diese Summen wunderten aber, von der Hand in den Mund, und der einzige bleibende Vortheil, der durch sie erzielt wurde, ist der, dass Palästina wenigstens wieder von Jaden bewohnt wird, sonst würden wir gar kein Andenken mehr in dem Lande unserer Väter haben, wie dies in vielen Jahrhunderten des Mittelalters der Fall gewesen. Die künftigen Geschlechter werden aber für diese kostbare Errungenschaft kaum ein Verständnis» haben und die Frage an uns richten, wo all' die gespendeten immensen Summen geblieben sind. Können wir ja selbst es nur lebhaft bedauern, dass man nicht wenigstens einen Th eil i..--