Der Israelit
- Journal
- Der Israelit
- Volume
- 27 (1886)
- Issue
- Heft 16 (25.2.1886)
- Date
- 1886-02-25
- Page
- – (sequence 18)
- Language
- German
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wie er sich witzig ausdrückte, weder Glück, nach Stadt fand, izi kam hierauf nach Amsterdam, und dort wurde er als der große Gttchrte gefeiert. Sein geringerer als Manaffe ben Israel ließ den erfreu Band seiner Schriften hermrsgeben. Der zweite wurde auf Veranlassung seiner Schüler alsbald in Basel gedruckt; der dritte erschien ein Jahr nach seiner Üebcrsicdelung nach Frankfurt. Sie behandeln Fragen aus den verschiedensten Gebieten und es würde den mir von der Redaction gütigst zur Verfügung gestellten Raum überschreiten, wollte ich nur einen Thcil der höchst interepanten Mate des Redners wicdergcbcn. Schön ist besonders, wie er über das Vcrhältniß zwischen Glauben und Wissen schreibt. Durch ein treffendes Bild stellt er das Widersinnige des Versuchs ans Licht, religiöse Wahrheiten auf dem Wege des mathematischen Beweises darzulegen, indem er darauf hinweist, daß ja die Sinneswahrnchmungen sich auch immer nur an ein Organ wenden, daß inan Farben nur mit dem Auge, Töne nur mit dem Ohre wahrnchmen könne, und ebenso thöricht, wie cs sei, etwa die Existenz der Farben leugnen zu wollen, weil man sie nicht hören kann, oder die Macht der Töne in Abrede zu stellen, weil sie sich dem Gesichte entziehen, ebensowenig sei man berechtigt, für die religiösen Wahrheiten, die ihre Basis im unmittelbaren Bewußtsein desMenfchenherzens hätten, die- Formen des mathemathischcn Beweises zu verlangen. — Ein anderer berühmter Arzt war Abraham Walich, der in Padua studirte und eine Schrift herausgab, die einen lateinischen Titel hatte und in fließendem Hebräisch geschrieben war. Er zieht in derselben eine Parallele zwischen den Krankheiten des Körpers und denjenigen der Seele, als welch' letztere er die Sünden bezeichnet, und er sagt, daß es Aerzte gebe, die all' die elfteren durch ein Nürnberger Pflaster, und viele Menschen, die all' die letzteren durch den Versöhnungstag allein heilen zu können glauben. — Dr. Simonis gab eine hebräische Bibel'mit lateinischen Glossen heraus, und der Arzt Anselm Worms verfaßte ein mathematisches Lehrbuch in hebräischer Sprache mit einer lateinisch geschriebenen Einleitung und widmete cs dem Klausrabbincr Rabbi Moses Kann, einem Manne von ftaatsmämiischcn Formen, der die Tochter des Rabbi Samson Werthcim ans Wien zur Frau batte. Die Schrift des Dr. Worms über die Masora ist heute noch werthvoll. Der Aerger über die Wirksamkeit so vieler junger jüdischer Aerzte veranlaßte Judenfeinde, bei den Universitäten Schritte zn thun, daß Inden nicht mehr promoviren dürften, und als diese erfolglos blieben, wandten sie sich an .den Rath der Stadt. Derselbe gab insofern nach, daß gegen Ende des achtzehnten Jahrhunderts dir Anzahl der jüdischen Aerzte, die hier ihren Beruf erfüllen dürsten, auf 3 festgesetzt wurde, während hundert Jahre vorher L vorhanden waren. Auf den Protest der Gemeinde bin wurde später noch einer zugestanden, aber der Prozeß war noch nicht zu Ende, als in Frankreich jene große Entscheidung fiel, durch selche das Mittelalter verurtheüt und die Neuzeit in ihre Rechte eingesetzt wurde. Wenn die Entscheidung hier zn Gunsten der Juden ausfiel und die Vorurrhelle schwanden, so haben nicht zum wenigsten Theil die Männer mitgewirkt, welche auch in den dunkelsten Tagen des Mittelalters nn Dienste der Humanität an den Krankenbetten der Nichrjuden rhätig waren, die fich also nicht allein als Heiler der Kranken, sondern auch als Befreier der Gefepclten erwiesen. — Dem Redner wurde ungetheilter, lebhafter Beifall gezollt. — Oesterr.-Ungar. Monarchie. Im Herbst 1884 affichirten mehrere Schusterjungen in Theresiopel an die Häuser Placate, welche die christlichen Einwohner von Theresiopel zur gemeinschaftlichen Action gegen die Juden aufforderten. Der in dieser Angclegenhett delegirte kön. Gerichtshof verurthcilte den Hauptangeklagten wegen Auf^ forderung zur Austestung und wegen mehrerer Dieb^ stahlsfakren zu 2x/ä Jahren Zuchthaus, zwei Andere zu je sechs Monaten Gefängniß. Dieses Urtheil wurde sowohl von der kön. Tafel, als auch von der kön. Curie bestätigt. Rußland. Das zwölfjährige Mädchen eines Juden in Peterpolowska war plötzlich verschwunden. Me Nachforschungen nach demselben blieben lange erfolglos, bis endlich fein Aufenthaltsort in einem Kloster entdeckt wurde, wo cs getauft worden ist. Der Gouverneur von Petersburg hat der sogenannten Judencomnlission den Vorschlag gemacht, das alte Gesetz einzuführen, wonach den Juden verboten ist, Elsenbahnrcstaurationen und Militärcarrtrnen zu halten. Durch den Befehl des Generals Drentlen ist den Juden in 5tLew das Recht zum Eintritt in das Bankdirectorium der Landbank daselbst und in deren Abschätznngscommission entzogen worden. Der Gencralgonverneur von Polen, General Gurko hat in die Prüfungscommission der Judenfrage zwei Juden berufen. Diese Ernennung hat in jüdischen Mrcifcit große Befriedigung hervorgerufe». _