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Der Israelit · 1886-02-25 · Heft 16 (25.2.1886) · page 17

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Journal
Der Israelit
Volume
27 (1886)
Issue
Heft 16 (25.2.1886)
Date
1886-02-25
Page
– (sequence 17)
Language
German
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jolVIL Jahrgang. ZeiLrrsgsnsshrrHtes unb SorresposdesZes. Deutschlaud. FraukfarL a. M., 18. Febr. Im Verein für jüdischcGeschichte undLrleraturhielt gestern Abend Herr Rabbiner Dr. Horovitz einen Vortrag über Frankfurter jüdische Aerzte. Der gelehrte Redner, der auf dem Gebiete der Frankfurter Specialgcschichte besonders heimisch ist und in seinen Schriften über „Die Frankftrrter Radbinen" ein überaus verdienstvolles Werk geschaffen hat, verstand cs in seinem der Form und dem Inhalte nach meisterhaften Vorträge eine Fülle des anziehenden Stoffes vorzuführen, der auch von! allgemeinem Interesse ist. Er knüpfte an eine Herr- - kiche G^zählung an, nach welcher die Arzncikunde bis auf die Zeit der Sündstuth zurück datirt wird. Noa und seine Söhne waren in der Arche sicher, bis sich eines Tages böse Geister unter sie geschlichen. Da kam ein Engel, trug den Noa und die Seinigen auf . seinen Fittichen nach Eden und lehrte sie dort die Hellkunde, und die Unholde mußten weichen. In dieser Erzählung wird die Geschichte der jüdischen Aerzte dargestellt, denn diese waren die Engel, die unserem Volke in der Arche, in der es vor dem Verderben Schutz fand, in der Judcngasse, zur Zell der Krankheit und der Roth Hilfe'brachten. Unter diesen Aerzten waren viele, die, gleich Maimonides, mit der gründlichen Kenntniß der medicinischen Wissenschaft reiches Wissen in der jüdischen Literatur und hohe Mgemeine Bildung vereinigten. Aus der ersten, mit der Judenschlacht im Jahre 1241 endenden Blüthenperiode der israelitischen Gemeinde Frankfurts ist keine Nachricht über jüdische Aerzte aufbewahrt. Neun Jahre nach deur im Jahre 1349 bewirkten zweiten Untergange der Gemeinde ließ sich hier Jakob von Basel nieder, der als ein Meister der Heilkunde galt. Im Jahre 1396 wurde als städtischer Wundarzt Salomon Mesch aus Regensburg angestellt, dein vom Rathe nicht allein eine Besoldung an Geld bewilligt wurde, sondern auch sechs Ellen Tuch „von derselben 'Farbe uttb demselben Stoffe, wie die christlichen Aerzte tragen." Eine ganze Reihe bedeutender Aerzte, wie Isaak Friedrich, Salomon, Jonas, Solomon von Silon, Inda Bcyfuß u. a. werden bis zum Beginne des siebzehnten Jahrhunderts erwähnt. Auch Frauen j betrieben die Heilkunst und zeichneten sich besonders vs. der Augenheilkunde aus. So wlld eiue Cerliue genannt, die, gestützt auf ihre Leistungen, vom Rache Steuerfreiheit für sich beanspruchte, was zwar noch nicht ihr, aber ihrer Nachfolgerin be-! willigt wurde. Gegen die jüdischen Aerzte erhoben jedoch alsbald Klage, die wegen deren Beliebtheit auf sic neidischen christlichen Collegcn derselben und die Pfarrer, was die Einsetzung einer besonderen Prüftmgscommissiou zur Folge hatte, vor der die jüdischen Aerzte ihre Befähigung Nachweise» mußten. Der erste jüdische Arzt, der nach dem Fetnnilch'schen Auffrande (in Folge desselben wurde bekanntlich am 23. August 1614 die ganze Judengemeinde ausgetriebeu, und erst am 28. Februar 1616 fand die feierliche Wiedereinführung statt) hier seine Praxis betrieb f war Salomon Juda zu Nindskopf. Bei der hauptsächlich durch das mnthigc Auftreten der beiden hervorragendsten Männer, Jakob Uri Schiff und Joses Hayn (Verfasser des „Josef Omez") in's Werk gesetzten Neuorganisation der Gemeinde wurde bestimmt, daß ein Gemeindearzt angestellt werde, der die Armen unentgeltlich zu behandeln hätte, und für diesen Posten wurde einer der bedeutendsten Männer jener Zell ausersehen, Josef Salomon bei Medigo. Dieser war eine fesselnde Erscheinung und entstammte einer ursprünglich in Deutschland wohnenden und dann nach dem Oriente ausgewanderten Familie. Er war 1594 geboren und hatte sich frühzeitig gründliche Kenntnisse in den altklassischen Sprachen, im Italienischen und Spanischen erworben. Im Alter von 17 Jahren bezog er die Universität Padua, wosein Oheim gleichzeitig Oberrabbiner und Professor der Philosophie war. Er studirte hauptsächlich Mathematik nnd Astronomie, in welcher Wissenschaft Galilei, der ihn hochschätzte, sein Lehrer war. Im Alter von 23 Jahren wurde er Doktnr meä. Um die Welt kennen zu Lernen, ging er nach Venedig, nach Kairo und nach Konstantinopel. Dort wurde er von einem Meister der Kabbala in die Geheimnisse derselben eingeführt, und er wandte sich von nun an mit Begeisterung deren Erforschung und namentlich dem Studium ihrer Verwandtschaft mit der platonischen Philosophie zu. Alsdann ging er über Jassy nach Polen, Preußen nnd Lithauen und * wurde Hofarzt des Fürsten Nadziwill. Sein Wandertrieb führte ihn nach Hamburg und von da nach Glückstadl, wo er als Prediger wirkte, wo er aber,

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