Der Israelit
- Journal
- Der Israelit
- Volume
- 27 (1886)
- Issue
- Heft 16 (25.2.1886)
- Date
- 1886-02-25
- Page
- – (sequence 11)
- Language
- German
- Belongs to
- journal issue
- OCR quality
- 90% known words query
- IRI
…/2446951-2449600-2449617--23831-2513516- Visual Library
- page viewer of the UB Frankfurt
OCR text
IAd i t u. Bombay. (Schlnß.) Dafür bewahren aber diese Juden in ihrer HanpLsynagoge zu Cocrn zwei eherne Tafeln auf, auf denen die Privilegien und Vorrechte, die ihnen von den früheren indischen Königen ertheilr worden, ewgegraben sind. Die Schrift auf diesen Taft!» ist die!ü*m«Indje und gibt mau denselben ein Alter von zwölf- bis fünfzehnhundert Zähren. Jedenfalls wurden diese Tafeln angesertigt, bevor der Islam existirtc, also in einer Zeit, in der in Indien der Budhismns die ausschließliche Religion des Landes war und die Bevölkerung daselbst noch die altindische Sprache, das sogenannte Sanscrit redete. Das Talmulische ist noch heute die Umgangssprache dieser Inden, in der sie auch die Bibel übersetzt haben. Die hebräische Sprache dagegen ist nur ihren Rabbinen, Lehrern nnd Gelehrten bekannt. Ihre Anssprache des Hebräischen ist ganz verschieden sowohl von der der europäischen als and) der orientalischcn Juden, da sie im Ganzen nur drei einfache Vocalc: a, i. u. nnd zwei zusammengesetzte: ai, au, besitzen, mit denen sic sich behelfen müssen. Das barer jc-2? löirb daher von ihnen folgcndennaßen ausgesprochen: „Schamanga Israel adnnai alnkcuu adunai ahad." Die jüdischen Ausdrücke, als: ,pDn pns ,Trai nre ran u. s. w. sind auch ihnen giläusig, nur lauten sie in ihrem Munde: Muscha, Nabaiuu, Aharun Habrhen, Miahn Hanabi. Die Thora schreiben sie auf ungegcrbten Lammfellen, die'sic durch eigens dazu bestellte Personen zuöercitcn, und auch bewachen lassen. Ihr Rabbi, zugleich' ihr Borbeter, ist nebstbei auch ihr Thoraschrelbcr, der als ciu kleines Neben gcschäst auch einen schwunghafte» Handel mit Amuletten (Dadi) betreibt. In diesen Amuletten stehey gewöhnlich die biblischen Namen Gottes, am meisten jedoch der Namen ner, wobei sie immer das Schi» mit neun Köpfen versehen, dann die Namen der Patriarchen oder Propheten und zum Schluffe irgend ein Bibelvcrs. Soll das Amulett besonders schnell nnd gut wirken, so wird dieser Vers drei oder sieben Mal wiederholt. Dasselbe kommt dann in ein goldenes oder silbernes Etui und wird am Halse, auf der Brust, hie und da auch an der Uhrkctte, bei den Frauen oft auch in den Ohrgehängen, als Schlnuck getragen. In ihren Wohnungen findet sich jedoch die Bibel in hebräischer Sprache nicht vor, da che furchten, eine Sünde zu begehen, wenn sie dieses heiligste der Bücher in profanen Räumen ansbewahren. Ihr Rabbi (Mondeliar) jedoch, der für seine Bibliothek rin eigenes Zimmer besitzt, hat auch, seine hebräische Bibel, sowie auch sein vollständiges ^22 d*j? und T>Vrrr o*r. Beide Amsterdamer Druckwerke, welche die portugiesische Gemeinde in Amsterdam im vorigen Jahrhundert ihren schwarzen Glanbensbrüdern in Kotschm (Eocin) zum Geschenke gemacht hat. Im Besitze des Rabbi befindet sich auch die Copie eines arabischen Briefes, den die jüdische Gemeinde in Cocin durch den berühmten portogiesischen Seefahrer Basco de Gama. der bekanntlich den Seeweg nach Indien entdeckt und der. auch die erste Nachricht von dem Vorhandensein dieser schwarzen Juden nach Europa gebracht, an ihre Schwestergrmeinde in Lissabon gerichtet haben soll. In letzterer Stadt ist jedoch nicht das Geringste über diesen Brief bekannt. Möglich; daß sich derselbe nun in einem poitugicsischew Archive oder in einer portugiesischen Klosterbibliothek vorfindct. In neuerer Zeit haben diese Juden wieder versucht, sich ihren scphardischen Brüdern in Indien zu nähern und sich in deren Gemeinden anfnehmeu zn lassen; sie wurden jedoch, angeblich weil ihre Abßaunnung eine gänzlich dunkle ist und ihr Judenthnm ungemein stark dem Samantanismus ähnelt, zurückgewiesen. Jndeß soll diese Zurückweisung deshalb erfolgt sein, weil diese Juden, ganz abgesehen von ihrer Ncgerfarbe, auf einer sehr niedrigen Stufe der Enltnr und Bildung stehen, was auch die Ursache ist, daß unter ihnen eine so große Arinnth herrscht. Sie ernähren sich zumeist vom ^asttragen, vom Hansircn mit Küchengeschirr und Eßwaaren, dann auch vom Fischen, Straßenrcinigen' n. dgl. Handwerker gibt cs sehr wenige unter ihnen; noch weniger aber Kansscute und Finanzmänner: .Sic wären daher, hätten die spanischen^Judcngcmeindcn Indiens sie in ihre Gemeinschaft ausgenommen, denselben ungemein zur Last gefallen nnd hätten auch die Armen dieser Gemeinden beeinträchtigt. Wollen doch die weißen Inden nicht einmal in das Viertel ihrer schwarzen Glaubensbrüdcr, geschweige denn in ihre Wohnungen gehen. Man kann ihnen diese Zurückhaltung keinesfalls als Hochmuth. sondern als eine vernünftige, hygienische Vorsichtsmaßregel anrechnen. Die Unreinlichkcir dieser schwarzen Inden, besonders der Annen unter ihnen, geht über alle Begriffe und man kann keines ihrer Wohnhäuser betreten, ohne daß Auge nnd Nai'e zugleich beleidigt wären. Auch ihre mangelhafte und noch dazu schmutzige Kleidung .gestattet es nicht, sie in einem Salon einzuführen. Sic tragen indes; ihren weißen Glanben-brüdernihrer Zurückhaltung wegen keinen Groll nach, und betrachten sie es noch immer als eine große Ehre, wenn einer derselben ihre Synagoge betritt. Den Sabbat feiern sie wie die übrigen Juden und bleiben