Der Israelit
- Journal
- Der Israelit
- Volume
- 27 (1886)
- Issue
- Heft 16 (25.2.1886)
- Date
- 1886-02-25
- Page
- – (sequence 9)
- Language
- German
- Belongs to
- journal issue
- OCR quality
- 96% known words query
- IRI
…/2446951-2449600-2449617--23829-2513514- Visual Library
- page viewer of the UB Frankfurt
OCR text
XLVN.KHrZMZ. LerLerrder ArLrZeL. KmeriLamsHe Wriefe. o New-Aork, 11. Februar. Während ich mich in den letzten Monaten meist mit der Reformbewegung innerhalb des amerikanischen Judenthmns beschästtgte, halte ich es am Platze einmal einen Blick auf das orthodoxe Zudenthum zu werfen, auf den Theil unsrer Glaubensgenossen, die den alten Grundsätzen treu geblieben sind. Die Zahl dieser Männer ist Ln New-Mrk und im ganzen Lande nicht so gering wie man in der alten Heimath wohl glauben mag, allein es fehlt der Zusammenhalt der einzelnen Mitglieder, sowohl wie der Gemeinden, und dadurch ist es für die orthodoxe Partei nicht möglich nach Außen hm.thätig sein zu können und mit derselben Energie, demselben Geräusch wie die Reformer sich bemerkbar zu machen. Tie Stadt New-Dork z. B. hat eine ganze Anzahl orthodoxer Gemeinden), allein meist klein und vereinzelt, ohne Führer, ohne Zusammenhalt. In den Gemeinden der'untern Stadt, die meist polnische sind, versuch^ man zwar seit einiger Zeit durch eine orthodoxe Apociation einen Kreis zu ziehen, allein zu einer Vereinigung aller orthodoxer Elemente in hiesiger Stadt wird es schwerlich im Anschluß hieran kommen. Es ist eben einerseits die alte unsinnige Voreingenommenheit, die polnische und deutsche Gemeinden trennt, während andererseits der Mangel einer größeren jüdischen Autorität den kleinen Geistern, zu viel Spielraum für ihr Auftreten gewährt. Jede Gemeinde besitzt, wenn auch keinen Rabbi, so doch einen Mann, der sich selbst oder den Andere mit dieser Würde ausstatten und wer genau niit den Verhältnissen vertraut ist, der weiß, daß ein großer Theil dieser Leute nicht immer für eine Führer-Rolle geschaffen, noch für eine solche die nöthige Erfahrung besitzt. Ein Witzling wendete einmal auf solche selbsteingesetzte Rabbis dav Wort an: „bw rav D*pc bas, ist ein Häring auch Fisch." Doch Scherz bei Seite, diese Anmaßung hat leider traurige Folgen, dies Negieren so mancher kleiner Geister hat für die Gesammtheir keine gutent Nachwirkungen. Es mag ja wohl sein, daß cinzclue Männer im beschränkten Kreise Manches leisten, daß einzelne Wenige durch deren Einfluß sich bekehren; allein das orthodoxe Zudenthum als Ganzes r. 16 ies IsraeUtr gewinnt nicht mir nichts, sondern gar Mancher wird durch diese Wichtigmacherci und das Hervsrtreterr von solchen Leuten, die nicht die Befähigung zum. Führen Haben, aögestoßen. Statt, daß B. Männer, denen es Emst um die Bestrebungen für unsre Religion ist, sich zusammenschaaren und ihren Einfluß dahin geltend machen, daß eine Anzahl kleiner Gemeinden, wenn auch räumlich getrennt, zusammentreten, einen Rabbiner engagieren, der neben der jüdischen, auch die winenschaftliche, weltliche Bildung besitze und der ein Lehrer des Volks, ein Erzieher der Jugend ist, glauben dieselben ihrer Pflicht als Jehudim zu genügen, wenn sie das Gotteshaus besuchen, für sich lernen und Anderen vielleicht manchmal Vorlesungen halten. Statt, daß man für den eigenen Heerd sorgt, Schulen gründet, das Thorastudium der Jugend zugänglich macht, (wenn auch die eigene Person nichts damit zu thun hat), glaubt Man besser zu thun, wenn man Geld für fernere Zwecke sammelt, das wohl der Gesammtheit in der Welt zu Gute kömmt, wovon aber der eigene Hausstand nichts profiürt. Ich mißgönne den .norcr und anderen Anstalten keineswegs die Spenden, die ihnen von hier zükommen, ich wünsche, daß auch ferner New-Uork diese Institute reichlich bedenke, allein es ist aucham Platze, die Spender zu mahnen, daß es nicht genügt, einen guten Nock zu haben , während darunter ein zerlumptes Hemd und andere unschöne Bekleidungsstücke stecken. Was der Orthodoxie hier Noch thut, ist ein Oberhaupt, das neben einer makellosen Religiosität die Kraft besitzt, dem Volk ein würdiger Führer zu sein.. Trefflich gelehrt in den jüdischen -Wissenschaften, vollständig vertraut mit profanem Wissen, Energie und Selbstlosigkeit sind die Eigenschaften, die Jemand besitzen muß, der die orthodoxe Partei in Rew-Aork führen, die-Orthodoxie in Ehren Hochhalten will. Die Gemeinden können getrennt bleiben und ein solcher Rabbi könnte bald hier, bald da auftreten, während Schulen, rwnu und mpo ganz seiner Aufsicht unterstellt sind. Ich brauche wohl den Leuten, die in Gemeinden wie Berlin, wo ein Dr. Hildesheimer, Frankfurt ein Dr. Hirsch, Mainz ein Dr. Lehmann , Halberstadt ein Dr. Auerbach , Fürth ein Dr. Dessau u. s. iv. an der Spitze ftcyen, nicht zu sagen, welchen Werth die Anwesenheit dieser Männer in den betreffenden Städten für das Zudenthum hat. In Ncw-Aork wissen es zwar Manche auch zu schätzen;