Der Israelit
- Journal
- Der Israelit
- Volume
- 27 (1886)
- Issue
- Heft 14 (18.2.1886)
- Date
- 1886-02-18
- Page
- – (sequence 1)
- Language
- German
- Belongs to
- journal issue
- OCR quality
- 93% known words query
- IRI
…/2446951-2449600-2449615--23783-2513466- Visual Library
- page viewer of the UB Frankfurt
OCR text
üVIL ZrHr§2^Z. M 14»' ßerrtrak - Hrgan für das otWoboxe Iudenthum. . Herausgegeben von 0r. Lehrmur» in Mensz. Dovtterftag, de« L8. Februar SS4S <L88T> Leitender Artikel. Aie B'ne-M'ritß-Logen. Mainz, 15. Februar. In 9ir. I I des „Israelit" vom 8. Februar haben wir den Wunsch ausgesprochen, daß gutunterrichiete, gesetzesrreue Glaubensgenossen sich über das Wesen der in der Ueberschrift genannten Vereinigungen aussprechen mögen, damit es möglich werde, sich ein richtiges llrtheil darüber zu bilden. Bei der großen'Bedeutung und Wichtigkeit der Angelegenheit ist es wohl angemessen, das Für und Wider derselben reiflich zu erwägen.- Es sind uns von Berlin, wo diese Logen bereits einige Jahre bestehen, von Gegnern und Freunden derselben Zuschriften zugegangen. Wir wollen beiden Auffassungen hier Raum geben und im Voraus dabei bemerken, daß beide Herren Correspondenten der gesetzestreuen Richtung angehören: Berlin, II. Februar. Sie haben, geehrter Herr Redakteur, mit Ihrer Nachschrift zu dem Berichte über die B ne-Brirh- Logen zweifellos recht Dielen aus dem Herzen gesprochen. Die erhabenen Worte, mit welchen die Erfolge dieser Gesellschaften in ihrem Ursprungslande jenseits des Meeres, d arge stellt werden, dürften sehr leicht auch Männer der gesetzestreuen Richtung bewegen, in die jetzt auch in Deutschland entstandenen oder entstehenden Logen rinzurreten. Daher muß eine nähere Erörterung dieser Angelegenheit als nothwendig bezeichnet werden. Fragt man sich zuvörderst, ob dort in jenem Lande, das praktische religiöse Leben durch diese Bereinigungen irgendwie gewonnen hat, so wird diese. Frage voll und ganz verneint werden müssen. Gerade sie haben das Allermeiste dazu beigetragen, daß das sogenannte innere Indenrhum als das Höchste proklamirt worden und landläufige Phrasen, als da find: Jude ist, wer auch nur einmal im Jahre Sch'ma rnft. lver auch in verdotcner Ehe lebt, wer auch Tics oder Jenes Übertritt, wenn er nur der nichtjüdischen Welt gegenüber sein Iudenthum auf den Lippen trägt u. dgl. in. als ganz unbestrittene Grundsätze allgemein verbreitet wurden. Nirgends hat ein solches Juden» thum in Bntchthcilen mehr um sich gegriffen als in Amerika, wo diese Logen alle heterogenen Elemente in sich vereinigen, um schließlich dahin zu führen, daß — und es ist dies noch nicht das Geringste — eine Gleichgültigkeit für das jüdischreligiöse Leben ancrzogen wird, welche allein es möglich macht, baß man mit dem Bruder Arm in Arm treten kann, auch in dem Augenblicke, da er flagrant die wichtigsten Gebote der Thora Übertritt. Denn es sich um die Wahrung der iuuersten heiligsten Güter der handelt, da dürfen wir keineswegs, selbst tür den Preis großartiger wohlthätiger Institutionen, unser» gesetzestreuen Standtpunkr ausgeben oder auch nur hintenansetzen. Dir können oft in unseren nrcn oder sonstigen wohlthäligen Vereinen selbst mft Männern auch entgegengesetzter Richtung für gcvlfte Ziele m Hand gehen, weil es sich da nur um geschäftsmäßige Verwaltung der Angelegenheiten .handelt, daher auch an den Sitzungen und Gcncrm-Lerfammlungen thcilnchmcn, so lange nicht das Grundgesetz, welches ja, JbenL Religionsgesetze entsprechen muß, verletzt wird. Allein in den Logen liegt die Sache ganz anders. Hier hat man sich fortwährend darin zu üben, auch -in demder mft seinem Leben dem Iudenthum sich ganz enrftcmdct hat, Len Bruder ganz und voll anzuerkennen, für den man, wcnn's nöthig ist,, rückhaltlos mit seiner ganzen Kraft und seinem innersten Wesen * einzutretcn verpflichtet wird. -Und hierin liegt eben die große Gefahr für den gesetzestreuen Juden. Was für diesen sonst vom höchsten Werthe war, was für ihn den eigentlichen Maß-, stab bei der Beurtheilung eines Ichudi abgab, nämlich' das jüdisch-religiöse Leben, welches ja auch die moralische Seite vollständig einschließe» muß, dieses Kriterium ist in den Logen ' vollständig beseitigt. Da ist auch ein Prediger der Bruder, der einmal ein c'33 H srr stk h^n, einmal eine ns'b rpipt getraut hat. ferner ein Bruder, der nicht einmal am ira c»* seinen Laden geschlossen hält, ein Bruder der Rabbiner, der fast jede Woche in öffentlicher Schrift die gesetzestreuen Juden mit den gemeinsten Schimpfwörtern belegt, nicht zu gedenken der vielen Brüder, welche öffentlich Trcsa essen, am Sabbat ihre Eigarre rauchen u. A. m. Kann nun, frage ich, der gesetzestreue Jude mit solchen Personen brüderlich verkehren, mit ihnen zu ihren Formeln und Ucbungen sich vereinigen, an ihren allwöchentlichen Abend-Unterhaltungen und an ihren Festen theilnehmen. überhaupt sich mit ihnen ganz identisiciren und in innigem Umgänge mit ihnen dazu helfen die Innigkeit, welche " das jüdisch-religiöse Leben gewährt, hcrabzudrückcn? Denn was verleiht noch dem gklctzcörrcuen Juden irgend einen Werth oder bringt ihm noch Würdigung seiner Opserwilligkeil ein V Hierbei wird ja auch der Begriff der jüdischen npnr ganz aufge-