Der Israelit
- Journal
- Der Israelit
- Volume
- 27 (1886)
- Issue
- Heft 13 (15.2.1886)
- Date
- 1886-02-15
- Page
- – (sequence 7)
- Language
- German
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m 1« Z WM 11 il 1! i ».ist; M j-V'* % 221 ge siUeio«. Der Waler, iv. . SScnigc Tage nachher, es war an «uem Sabbat, trat Alfred Mendel in den Laden des Herrn Durand. ^Herr Durand," sagte er, „ichHaöe eine große Bitte an Sie. Ihre Frau Gemahlin und Ihre Fräulein Tochter werden Ihnen erzählt haben, daß ich beauftragt worden bin, ein großes Gemälde aus der biblischen Geschichte herzustellen. Den Mittelpunkt desselben bildet die Prophetin Deborah. Gestatten Sie gütigst, Laß Ihre Fräulein Tochter in Begleitung Ihrer Frau Gemahlin einige Male mein Atelier besuche; ich möchte sie als Deborah dachellen." Herr Durand antwortete nicht. „Sic schwelgen?" fragte der Künstler, „warum wollen Sie mir diese kleine Gefälligkeit nicht erweisen?" . „„Mein lieber Herr Mendel,"" sagte Durand bedächtig, „„Sie find ein junger, hübscher, gebildeter Mann, und meine Rosette ist ein junges Mädchen. Eine Annäherung zwischen Ihnen Beiden paßt mir nicht."" Mendel wurde feuerroth; er wollte sprechen, konnte aber das rechte Wort nicht finden. Nach einer kleinen Pause fuhr Durand zu reden fort:. . „„Sehen Sie, mein Lieber, ich könnte Ihnen sagen: Sie find ein armer Schlucker, ein Hungerleider, dem es vielleicht einmal nach vielen Jahren gelingt, sich sein Auskommen zu erringen, und ich dm nicht viel reicher als Sie, muß bitter kämpfen und streben, um die Kosten meines Haushalts zu bestreiten. Eine Mitgift kann ich meiner Tochter nicht geben. Wovon wollten Sie leben, wenn Sie sie sich ineinander verlieben und sich heirathen wollten? Allein, das ist's nicht, was für mich der eigentliche Grund ist, einer Annäherung-zwischen Ihnen und meiner Tochter entgegen zu sein. Sie find .. . nun, wie soll ich sagen? Sie sind auch nicht cm Bischen Jude."" „Und das sagen Sie mir heute, am Sabbat, in Ihrem offenen Geschäfte? Wissen Sie nicht, was der Talmud sagt? Die'Weisen lehren, daß Derjenige, welcher öffentlich den Sabbat entweiht, gleichsam die ganze Thora abrogirt, daß ein solcher dem Götzendiener gleich zu achten sei." Herr Durand seufzte tief auf; er klopfte sich auf die Brust und sprach: „„Chotoßi, owißi, poschaati!"" . Mendel lachte. „Nehmen Sie's mir nicht übÄ, Herr Durand," sagte er, „es scheint rmr, daß Sie ein großer „Tmbooiez" sind. Am Sabbat darf man bs§ SündeabeksurLnkg nicht sagen." - „„Es ist wahr,"" entgegnete Durand stützend, „„ich habe mit wenig gelernt; aber trotzdem bin ich ein gottesfürchtiger Jude. Daß tch am Sabbat mein Geschäft geöffnet halte — ich Eamt nicht anders. Es ist so schwer, sich und die Seinen m der großen Stadt zu ernähren, und der „Samedi" ist der Hauptgeschäftstag. in meiner Branche. Ich bin gleichsam gezwungen, zu sündigen; aber Sie, Sie sind ein „Apekaures." ein Sünder aus Pttncip. Sie essen, was Ihnen vorkömmt, besuchen das ganze Jahr keine Synagoge; nicht einmal am Jomkivpur, essen Chomez am Peßach. Und ich sollte erlauben, daß ein solcher Mann sich meiner Tochter nähert, oder sie sich ihm?"" „Hören Sie, Herr Durand, ich verspreche Ihnen, ein Anderer zu werden. Seit einigen Tagen ist eine große Umwandelung mit mir vorgegangen. Ich habe angefangen, in der Bibel zu studircn. Alte Erinnerungen aus meiner Kindheit -find wieder in mir lebendig geworden. Ich fühle, daß ich das bei mir bestellte Bild nur dann gestalten kann, : wenn ich auch an das glaube, was ich darstelle. Ein neuer Geist ist über mich gekommen. Meine alten Ideale sind verblaßt; ich fühle'es, .daß ich" nur dann etwas Tüchtiges Leisten werde, wenn ich mich auf den Boden der Vergangenheit meines eigenen Volkes stelle. Ich verspreche Ihnen, von nun an nur jüdische Kost zu mir Zu nehmen, am Peßachfeste kein Chomez zu essen und am Jomkippur zu fasten und in die Synagoge zu gehen." „„Und jeden Tag Tephillm zu legen und täglich dreimal zu beten?"" „Auch das." . : „„Und am Sabbat nicht zu rauchen und nicht zu arbeiten?"" „Wissen Sie, was „dajan" ist?" - „„Ich habe keine Ahnung davon."" « „So will ich es Ihnen erklären. Dajan howan min hadin lihejaus kenodaun heißt . . . . doch, die ausführliche Erklärung würde mich zu weit führen; ich wollte nur damit sagen, daß man von einem Andern nicht verlangen darf, daß er beobachte, was man selbst überttitt." Herr Durand stutzte wieder. „„Sie haben nur zu sehr Grund, das mir zu sagen; allein „Sobald Sie Ihr Geschäft am Sabbat schließen, werde auch ich den Sabbat feiern, wie es sich geziemt." . J V ssaffsssrft»