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Der Israelit · 1886-02-15 · Heft 13 (15.2.1886) · page 6

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Journal
Der Israelit
Volume
27 (1886)
Issue
Heft 13 (15.2.1886)
Date
1886-02-15
Page
– (sequence 6)
Language
German
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3 »dien. BvWbay. Indien, dieses schöne und an Völkern, Sprachen und (Eaton so reiche Land, kann sich auch rühmen, daß es eine Colome schwarzer Juden besitzt, eine Eigenthümlichkeit, die sich in keinem anderen Lande der weiten Erdennmde mehr vorfindet. Diese schwarzen Juden finden sich in der südlich von hier an der Malabarküfte gelegenen Stadt Eocin und in einigen benachbarten Orten. Dieselben sind insgesammt etliche hundert Köpfe stark. Woher mag es nun kommen, daß diese Juden schwarz sind? Die Meinungen darüber sind getheilt. Unter diesen Juden selbst, die fest behaupten, daß ihre Vorfahren aus Palästina nach Indien gekommen sind und die sich daher ihre alte Bezeichnung „Beni-i- Jsrael (Söhne Israels)" nicht wegdisputiren laffen wollen, herrschen zwei Ansichten darüber vor. Nach der einen Ansicht sollen ihre Vorfahren , zu jenen Egyptern gehört haben, die beim Auszuge der Kinder Israels aus dem Mllaude. sich denselben mit Gewalt angcschlossen und die dann selbst oder deren Nachkommen jüdische Frauen geehelicht hatten. Die Bibel nennt bekanntlich diese Egypter an my. Diese Ansicht hat etwas für sich, nur bliebe es immer auffällig, warum gerade die Nachkommen dieser judaisirten Egypter nach Indien verschlagen worden sind und warum finden sich nicht Brüder von ihnen auch in einigen anderen Ländern. Nach der anderen Ansicht wieder, sollen ihre Vorfahren eigentlich als weiße Juden nach Indien gekommen sein und hier dann Landcstöchter geheirathet haben,, von deren Nachkommen nun die heutigen schwarzen Juden Cocins abstammen. Es wäre dieses ein anthropologisches Räthsel, daß die Kinder nun nach und nach die Gesichtsfarbe des Vaters gänzlich verlieren und dafür die der Mutter annehmen. Findet sich doch heute unter diesen Juden auch nicht ein einziges . weißes oder wenigstens weißliches Gesicht — ich spreche selbstverständlich hier nur von den einheimischen, nicht aber von den europäischen Juden, die sich in Eocin niedergelassen haben — daß man so irgend einen Anhalt für ihre vage Behauptung hätte. Meiner Ansicht nach, die ich, was sich von selbst versteht, durchaus nicht für maßgebend halte, stammen diese Juden eigentlich von Indiern her, die sich zur Zeit des Königs Salomo zum Judcnthnmc bekehrt haben. Die neueren Forschungen haben närnlich fast bis zur Evidenz bewiesen, daß das goldrciche Land Ophir der Bibel nur in Indien und nirgend anderswo zu suchen sei. Nebst dem Golde bezog Salomo bekanntlich anchv"an (Pfauen) dann v'vp (Affen) und arm’ (Elfenbein) aus Indien. Nun heißen Pfarre» im Sssscrit, der Sprache der ctoa Indier Loki, während die Affe» Kopi heißes, woraus man^drmlich ersehe» kau», daß diese Bbgd respektive Htren, Indien zu ihrem Varrrlande hatten. (Der Name ans? für Elfenbein ist eigentlich ein hebräischer nnd aus den zwei Worten wr fZabn) und an (geben) zusammengesetzt, der ursprünglich dem Elcphanten nnd später auch dessen beiden Hauern beigclegt wurde. Das Lalnmdische (E!ephaut ist keinesfalls ein hebräisches, sondern ein arabisch-syrisches Wort.) Wenn daher einige moderne-Forscher behaupten wollen, daß das biblische Ophir identisch sei mit dem südamerikanischen und gleichfals goldreichen Lande Peru, daher ihrer Ansicht nach er© am eigentlich Gold der beiden Perus bedeutet, so holen sie ein Bischen zu weit aus, denn noch immer ist es nicht erwiesen, daß die Phönizier und somit auch die alten Inden bis nach Südamerika gekommen sind. Ophir ist daher nur in Indien zu suchen und zwar an der Küste von Malabar. Wenn jedoch die Schiffe Salomo» zur Hin- und Rückfahrt von Ophir drei lange Jahre benöthigten, so trug die Schuld davon nicht die weite Entfernung dieses Landes — man kann von Akaba (dem biblischen rhu) am Rothen Meece gemüthlich in sechs Monaten in einem einfachen Segelschiffe die Reise nach der Stadt Eocin hin und zurück machen — sondern, weil die Bemannung der Schiffe zugleich auch etliche Jahre mithelfen mußte, das Gold zu graben und zu reinigen. Zweifelsohne sind dann viele Indier, die Salomo in feinen indischen Besitzungen, theils als Arbeiter, theils als Beamte beschäftigt hatte, freiwillig zum Judenthume übergetteteu, und. von diesen bekehrten Indiern dürsten die schwarzen Juden abstammen. Ein Beweis dessen,-daß die Gründung der jüdischen Gemeinde in Eocin noch unter Salomo erfolgt ist, dürste auch schon der Umstand sein, daß diese Gemeinde außer den Pentateuch kein anderes Buch der heiligen Schrift, nicht einmal das Buch Josua, kennt. In den Chroniken der alten Indier findet sich zwar^auch nicht die geringste Nachricht über diese schwarzen Juden vor, was sich indeß leicht begreifen läßt, wenn man erwägt, wie scharf das Kastenwesen bei den alten Bewohnern Indiens ausgeprägt war, die daher Jene gänzlich unbeachtet ließen,' die sich nicht zum Budhismus bekannten. Auch die geringe Anzahl dieser bekehrten Juden trug viel dazu bei, daß die indischen Chroniken und Annalen ihnen fast gar keine Aufmerksamkeit schentten. (Schluß folgt.) *

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