Der Israelit
- Journal
- Der Israelit
- Volume
- 27 (1886)
- Issue
- Heft 13 (15.2.1886)
- Date
- 1886-02-15
- Page
- – (sequence 4)
- Language
- German
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218 ZertrrvZsrrachrichte» std SorrespovdeaZe». D c n t f dj lau d. Mainz, 11. Februar. Soeben wird uns von einer edlen That berichtet, deren Nachahmung wir allen von Gott mit Glücksgütern rcichgesegneten Glaubensgenossen empfehlen wollen. Ein durch seine fast beispiellose Wohlthatigkeit und durch viele andere hervorragenden guten Eigenschaften weithin berühmter, ftrengfrommer Glaubensgenope, derselbe, welcher unlängst 100,000 M. zur Errichtung eines Volksschul-Gebäudes der isr. Religionsgesellschast zu Frankfurt a. M. gespendet hat, feierte vor einigen Tagen seinen Geburtstag. Seine Kinder, Schwiegersöhne und andere Verwandte wollten ihm eine Freude bereiten und ihm zu seinem Wiegenfeste eine prachtvolle Equipage schenken. Man hatte zu diesem Zwecke eine ganz respectable Summe zusammengelegt. Durch Zufall erfuhr der edle Mann von dem Vorhaben der Seinen, und bat, nachdem er seine Freude über das beabsichtigte Geschenk ausgesprochen, man solle ihm das Geld übergeben, damit er Pferde und Wagen nach eigener Wahl und eigenem Geschmack bestelle. Am Geburtstage nahm er das Geld in Empfang und ging fort, um die betreffenden Einkäufe zu machen. Freudestrahlend kehrte er zurück. „Ich habe mir eine Equipage besorgt", berichteter, „wie sie Niemand schönerhaben kann." Er hatte das Geld einer armen, sehr achtbaren Wittwe gebracht, damit sie es zur Mitgift ihrer heirathsfähigen Tochter verwende. — Gott segne den edlen Mann und gewähre chm das Glück, noch viel Gutes zu üben! — Bingen, 27. eaw. Ein schwerer Verlust hat die hiesige Gemeinde betroffen! Ein Edler und Frommer ist unserer Religionsgesellschast durch den Tod entrissen worden; ein Verlust gleich schwer für unsere Gemeinde, wie unersetzlich für die vom tiefsten Schmerz gebeugte Familie, ein Verlust, der auch ganz besonders die Armen und Unglücklichen schwer betroffen hat. Herr NathanKahn ist nach nur viertägigem Krankenlager heimgegangen. Mit einer seltenen Gottergebenheit bereitete er sich, sobald er das Lager aufsuchre, auf seinen Hinübergang vor, mit vollem Bewußtsein und stommer Ruhe die Seinen, die in liebender Sorge sein Lager umstanden, selbst vorbereitend und tröstend. Wenn er aus dem kurzen, unrnhevotten Schlummer, der seinem ewigen Schlafe voranging, erwachte, citirte er die herrlichsten jü» bischen Sätze, noch kurz vor seinem Heimgang Lspette er: nrat rs» iö und öfter das ss® p-s ns».. Wahrlich, er starb wie cm Frommer, der seine Wichten voll und ganz erfüllt hat und der die dunkle Turchgangspforte des Todes nicht fürchtet. Mit ihm ist einer der immer seltner werdenden, echten, alten rrnn, der eine» immensen Schas alter Melodien befaß, dazu ein bis in sein hohes Alter — er wurde 73 Jahre alt— ungeschwächtes, herrliches Lrgan, dahingegangen. Am Dienstag Mittag wurde seine irdische Hülle unter außerordentticher Betheiligung zur Ruhe geleitet. Auf dem Friedhofe der isr. Religionsgesellfchaft hielt Herr Rabbiner Dr. Sänger einen Nachruf an den Heimgegangenen» mit dem ihn die Bande der Freundschaft eng verbunden hatten. Anknüpfend an den dieswöchentlichen Wochenabschnitt nsnn und an die Funcüon des Verblichenen als ixrs rrto rühmte er die Lebensweise desselben, wie der Hingegangene, obgleich der Tempel Israels zerstört fei, dennoch den Beruf erwählte, welcher am besten seinem Priesterberuf entsprach, er wurde -nys rvbu, ein Vermittler zwischen Gott und der Gemeinde. Wie der hohe Priester am höchsten Tage des Jahres seinen Schmuck abgelegt und in Linnen gekleidet das Allerheiligste bettat, fo sei auch dieser iro in diesem Gewände vor Gott getreten buner to nxm wa njei Fürbitte für sich, seine Familie und seine Gemeinde emzulcgen, die gewiß Erhörung finden würde, da der edle Todte eine solche Fülle von Tugenden besaß, wie sie nur den Besten eigen sein können. In herrlicher Redeweise schilderte Herr Dr. Sänger mtt vor Rührung erstickter Stimme, wie der Dahingegangene in seinem vielseitigen Wirken, gleich groß, als Jehudi, Mensch, Familienvater, Bürger, ebenso als Verwandter wie als Freund sich bewährt habe. Es sei geradezu wunderbar gewesen, wie unendlich viel Gutes er den Armen und Bedrängten erwiesen, als ob er unerschöpfliche Schätze besessen hätte. Hungrige fanden die freundlichste Aufnahme an seinem Tische, er hatte ständige arme Kunden ohne Unterschied der Confcssion; gar Vielen brachte er seine Liebesgaben in's Haus, auf's Sorgfältigste dabei bedacht, daß ja Niemand von feinem Wohkthun erfahre, und mancher Mund dessen, der von ihm Gutes genossen, würde nun seinen Heimgang beklagen. Auf ihn läßt sich der Satz anwenden jns vidy tjhd. „Deine Priester kleiden sich in Liebesthun." Der Redner schloß, daß sicherlich aus den Ver- V