Der Israelit
- Journal
- Der Israelit
- Volume
- 27 (1886)
- Issue
- Heft 9 (1.2.1886)
- Date
- 1886-02-01
- Page
- – (sequence 1)
- Language
- German
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X&V1L Jahrgang. $£ A. \ _ Ei» ßentrat - Hrgan für das oxtfyoboxe ZudentHum. Herausgegebcu von Vi-. Lehrmur» m Mainz. - Montag, d en L. Februar SS4T (L88S). Lerte»-er Kottinmgkett. ■ ....... l Mainz, 28. Januar. Mr lesen in dem Wochenabschnitte des kommenden Sabbats (rann 's): ' ' joro’nczn cnps nsjn - „Sie sollen mir machen ein Heiligthum, und Ich werde wohnen in ihrer Mitte. ab jsva tDwo abs. Gott hat verbeißen, in der Mitte der Israeliten zu wohnen, mit ihnen zn sein und Seine- Majestät in ihrer Mitte thronen zu lassen. Wir unsrerseits müssen dieses große Gnadengeschenk zu würdigen verstehen. Es ist das Bewußtsein der steten Gottesnähe, die Gottinnigkeit, die wir unserm Vater im Himmel entgegenbringen müssen. Wie diese sich zu gestalten habe, das wollen wir an der Hand der Lehren unsrer Weisen auseinanderzufetzen versuchen. Schon beim Beginne des kommenden Wochenabschnittes tritt uns ein schwerverständlichcr Midrasch (Jalkut) entgegen: mp*? aba |to 3td VN nsnn?npn ^fn:r ya bs 121 .N2n nbtSDi .im DT,y3. b 12 idjud 121. ho ,rann b „Rede zu den Kindern Israel, und sie sollen nehmen eine Hebe, heißt es nicht, sondern, und sie sollen nehmen Mir eine Hebe.' Ueberall, wo das Wort Mir hknzugefügt ist, ist es für diese Welt und für die zukünftige Welt." Wir brauchen wohl nicht erst darauf aufmerksam zu machen, wie schwervcrständlich dieser Ansspruch'ist. Daß die Widmung eines Theiles unseres Vermögens zu gottgefälligen Zwecken uns den Lohn der künftigen Welt erwerben wird, ist einleuchtend. Wie aber die Gabe auf das Leben dieser Welt cinwirkcn soll, das bedarf der näheren Erklärung. , Wir müssen zu diesem Zwecke einen andern, nicht unnder dunklen Ausspruch unserer Weisen - in Betracht ziehen. Derselbe lautet: mp? n"2"p"n isntd, jhkmi nspyi raus? nyvn . 's #"2"n)'nDnn b „Als die Kinder Israel sprachen: Alles, was der Ewige geredet hat, wollen wir thunund hören, alsogleich sprach der Heilige, gelobt sei Er: Und sie sollen mir nehmen eine Hebe." Cs bedarf der Erklärung, welcher Zusammenhang herrscht zwischen den Worten Israels: „Wir wollen thun und hören", und den Worten Gottes: „Und sie sollen mir nehmen.eine Hebe." . _ . Der Talmud erzählt im Traktat Sabbat (88 b), daß ein Heide, welcher die heilige Schrift kennen gelernt hatte, darüber seine Verwunderung ausgesprochen, daß es hier heißt: „Wir wollen thun und höre»;" es hätte heißen sollen: „wir wollen hören und thun." Man kann ja nicht thun, wenn man nicht vorher gehört hat, was man thun soll. Dieserschwieriger Ausspruch der heiligen Schrift hat von jeher die-größten Männer zum Nachdenken angeregt und mancherlei Interpretationen hervorgerufen. Die einfachste Erklärung ist die folgende: Das Zeitwort ‘Tjcbcutct nicht nur hören, sondern auch verstehen, wie cs heißt (5. B. M., C. 28, V. 49) :?:?e6 ypnn ab tew *u, „ein Volk, dessen Sprache Du nicht verstehen wirst." Demnach erklärten die Israeliten, daß sie die Befolgung der. göttlichen Gebote nicht von ihrem Verständnisse abhängig machen wollen. „Alles, was der Ewige geredet hat, wollen wir thun, selbst wenn wir es auch nicht verstehen und begreifen, und nachher wollen wir es verstehen lernen." So schön, einleuchtend und wahr diese Erklärung auch ist, so scheint sie doch mit einem Ausspruch unserer Weisen (Sabbat 88a) nicht nbereinzustimmen. Dort heißt es: