Der Israelit
- Journal
- Der Israelit
- Volume
- 27 (1886)
- Issue
- Heft 8 (28.1.1886)
- Date
- 1886-01-28
- Page
- – (sequence 10)
- Language
- German
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130 merkte noch, daß er seine Erklärung gegen Strack flüchtig entworfen bade. Daraus erwiederte der Vorsitzende, daß es Mays Pflicht gewesen wäre genau zu prüfen, was er in öffentlichen Blättern'veröffentliche. Tie Berunmgskammer erkannte schließlich dabin, daß Professor Strack nicht die Absicht gehabt habe, den May zu beleidigen, und daher srcizusprechen sei. Die Meinung Mays, daß er Strack nicht mehr für einen Priester des Christcnthnms halte, sei gar nicht beleidigend. Dagegen enthielten Mays Behauptungen, daß Strack sich vor der Judenpresse fürchte, den Vorwurf der Feigheit. Ebenso zeihe May Herrn Strack der Unwahrheit und unterstelle ihm, daß er sich von einem Dritten insviriren lasse. Alle diese Vorwürfe seien gröbliche Beleidigungen, und deßhalb sei die vom ersten Richter gegen May erkannte Geldstrafe auf 100 Mark erhöht worden. Außerdem wurde Herrn Strack die Pnblikations-Befugniß zugesprochen. Berlin, 25. Januar. Das von Prof. Herrmann L. Strack heransgegebene Missionsblatt „Nathanael", das bekanntlich vor längerer Zeit zu erscheinen aufgchört hatte, ist im neuen Jahre zu neuem Leben erstanden. Prof. Strack, der im Juni des vergangenen Jahres aus dem Com'tte für die Judenmission ausgcschieden ist, läßt nunmehr das Blatt als selbstständige Zeitschrift im Verlage von H. Reuther in Karlsruhe und Leipzig erscheinen, um auch seinerseits an dem „Bau des Reiches Gottes unter Israel", wie er im Borwort sagt, mitzuwirken. Im Hinblick auf das Wicdererscheinen des Missionsblättchens dürste es vielleicht zeitgemäß sein, einen interessanten Passus aus einem in der bekannten Broschüre mitgethclltcn Briefe Stracks an Stöcker der jüdischen Lesewclt kundzulhun. Prof. Strack schreibt am9./5l885 an den Hosprediger Stöcker. „Vcrttaulich gebe ich zu diesem Grunde, der für mich ausschlaggebend war, (für die Unantastbarkeit des angefeindetcn Kol-Nidre einzutreten. Res.) noch einen zweiten auch vorhandenen, da Sie in Bezug auf diesen eher mit mir sympathisiren werden. Ich habe meine Kraft in den Dienst der Jndenmission gestellt, wie Sie die Ihrige in den der Stadtmission und der Bekämpfung der Sozialdemokratie. Mission aber zu üben ohne Liebe und ohne, daß der, an den die Mission geht, von der Liebe des Mlssionircnden überzeugt ist, ist unmöglich. So muß ich auch den Juden zuerst zeigen, daß ich auch für sie eintrete; sie müssen wissen, daß sie in mir keinen Hasser haben. Dann werden ihre Ohren offener sein, und auch das ernste Wort, welches nicht fehle« darf, wird nicht mit dem Borurtherl, ein gewöhnlicher Antisemit rede, von vornherein abgelehnt werden können. Ich weiß wohl, daß tiefgreifende Differenzen zwischen Ehrrstertthnm und Jndenthum auf dem Gebiete des kodifizirteu Rechts und sonst bestehen. Diese Disierenzen wA ich auch nicht vertuschen; ich will sie vielmehr in den Dienst der Mission stellen. Das kann ich aber nur, wenn die Juden überzeugt sind, daß ich das Schlechte in ihren Institutionen nicht suche, daß ich übertreibenden Angriffen vielmehr mich entgegenstelle. Die Besprechung dieser D^serenzen von Person zu Person kann eine mächtige Wane (!) der Mission sein. Die Besprechungen in öffentlichen Versammlungen schadet, mindestens gegenwärtig. Und speziell muß das Vorbringen einer nicht fundirten Anklage die Juden gegen christlichen Einfluß verschließen. Ich bin überzeugt, daß Sie die Wirkung nicht beabsichtigen; aber ich weiß von vielen Fällen, in denen Juden durch die Agitation gegen- Inden, insonderheit durch die über das Judenthum gehaltenen Reden, unzugänglich, ja feindlich gegenüber dem Ehristcnthum geworden sind. Wenn die Judenmission nicht noch schwerer leiden soll, so muß hier Wandel geschafft werden. — Ich bitte Sie herzlich: enthalten Sie Sich möglichst, über die Inden zu sprechen; und wenn Sie einmal glauben, es thun zu sollen, dann nur zweifellos beglaubigte Fakta aus der Gegenwart!..." So weit das lehrreiche Bekenntmß des Herrn Prof. Strack. Daß der „Nathanael" keine Spur von Erfolg jemals wird erringen können, ist selbstverständlich; gleichwohl ist das Wiedererschemen des Blättchens herzlich zu begrüßen, da es uns nur angenehm sein kann, ein christliches Publikum, von welchem fast ausschließlich das Blatt gelesen wird, über Wesen und Inhalt der jüdischen Glanbcnswahrhekten von kompetenter Seite unterrichtet zu sehen. Im Uebrrgen werden wir dem Blatte, dessen erste bereits erschienene Oktavnnmmcr n. a. einen Leitartikel des „Israelit" („Glossen zur jüdischen Schukmännerversammlung") zum Abdruck bringt, uuscre „liebevollste" Aufmerksamkeit auch fernerhin zuwenden. — Die „Neue evangel. Kirchenzeitung" bringt einen zweiten dringenden Aufruf für die Missionseolome Artus. Die Eolonie ist schon auf 30 Seelen znsammengeschrumpft, reichlichere Gaben als bisher sollten fließen, denn müßte Artuf ganz aufgegeben werden, so „würde der Triumph der Inden ein außerordentlicher sein und das darf unser evangelisches Ehrgefühl nicht znlassen!" so schreibt das citirte Kirchenblatt.