Der Israelit
- Journal
- Der Israelit
- Volume
- 27 (1886)
- Issue
- Heft 8 (28.1.1886)
- Date
- 1886-01-28
- Page
- – (sequence 1)
- Language
- German
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LLkLZtchrgmU. M 8. D» ZsraW . , . ' Er« v/.. Kentrat - tzrgan für das ortöodoTe Iudenthum. HerausgcgÄea von ör. Lehmarm in Maürz. Dovserstag, -e rr 28. Ja««av S64S <188S> Leitender Artikel. Iie göttliche Worausöcstimmung und die WMeussteißett des Menschen. >1. Mainz, 25. Januar. Kehren wir nun zu dem beim Beginne dieser Abhandlung mitgetheilten Midrasch Tanchuma zurück, und es wird nns derselbe klar und deuüich erscheinen. Der erwähnte Ausspruch der Weisen will Ms die große Frage beantworten, wie die göttliche VorauÄeÄmmung und die Willensfreiheit des Menschen einander nicht widersprechen. Gott bestimmt vorher, daß einst ein Rabbi Elieser in der Mischna die näheren Bestimmungen über die Parah Adumah lehren wird. Moscheh, in der Meinung, cs handele sich um einen lebenden Menschen, spricht seine Verwunderung darüber aus, daß der allmächtige Gott, der nur in Bezug auf die Freiheit des menschlichen Willens Seiner Allmacht Schranken gesetzt hat, dem hier genannten Elieser die Freiheit seiner Entwickelung nicht anhcimstellen will. Gott aber belehrt ihn, daß es sich hier um einen Menschen handelt, der erst in der Zukunft austreten wird. Wie viele Leute mochten Elieser geheißen haben in den 14 JahrhundeSen, die zwischen Moscheh und Elieser ben Horkinas liegen! Aber nicht jeder Elieser entwickelte sich derart, daß durch ihn die Verheißung in Erfüllung ging; erst dem Sohne des Horkinas war es, trotz der ungünstigsten Verhältnisse beschieden, durch die stärkste Willenskraft sich zu dem großen Lehrer seines Volkes zu entwickeln, der für den Bestand desselben nothwendig war. Wir müssen dem Gesagten noch eine wichtige Bemerkung hinzufügrn. Es könnte aus dem Vorhergehenden geschlossen werden, daß der Name emes Menschen bei der göttlichen Vorherbestimmung eine besonders hervorragende Stelle einnimmt, wie das aus den von uns erbrachten Beispielen von Samuel und Elieser hervorzugehen scheint.' Dem ist jedoch nicht so. Die menschliche Sprache vermag Uebersinuliches nur in mangelhafter Weise'da^u- - stellen. So spricht die heilige Schrift von einer Hand Gottes, einem Arm Gottes, von dem Haupte' Gottes, von Seinen Füßen rc. Wir aber wissen, daß Gott kein Körper ist und daß diese Bezeichnungen - nur in symbolischer Weise aufzufaffen sind. Unsere Weise neunen das psr fw eine Ausdrucks^ weise, die geeignet ist, das menschliche Ohr zu verständigen. Aehnlich verhält es sich mtt dem Namen. Wir können eine Persönlichkeit nur durch den Namen genau bezeichnen. Alle bedeutende Männer, der Weltgeschichte leben nur in ihrem Namen in. unserm Gedenken fort. In der That aber thut auch der Name der betreffenden Persönlichkeit nichts zur Sache. Sie wären dieselben gewesen, wenn sie. auch einen andern Namen gefiihrt hätten. Nur. um uns die Sache anschaulich zu machen, haben, die Weisen die Lehren, die wir oben erwähnt haben, an die Namen Samuel und Elieser geknüpft. Was aus allem Dem hervorgeht ist Folgendes: , Gott, der Allwissende überschaut den Gang der Weltgeschichte von Anbeginn an bis zum letzten Augenblicke. Dadurch sind selbstredend die Ereignisse und die von Menschen vollbrachten Thateu und Unterlassungen vorher bestimmt. Gewisse Per- < sönlichkeiten müssen im Laufe der Zeiten aüftreten und gewisse Thaten vollbringen. Jedem einzelnen' Menschen steht cs aber frei, sich zu der vorapsbe-, stimmten Persönlichkeit zu gestalten oder nicht. Wir wollen das noch näher auseinandersetzen. WaS ist eigentlich der Mensch, was seine Persönlichkeit- Betrachten wir die Phasen des menschlichen Lebens.