Der Israelit
- Journal
- Der Israelit
- Volume
- 27 (1886)
- Issue
- Heft 7 (25.1.1886)
- Date
- 1886-01-25
- Page
- – (sequence 7)
- Language
- German
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Wohnung des chemattgeu Lehrers. Zeigen Oekonomen der Anstalt, Hmm Liebowitz, dessen Frau eine Verwandte des ersten Gründers der Anstalt, des Herrn Zsaac Hartwig, ist, sowie die Luttheizungsanlage für die Korridore, das Badezimmer und dm Betsaal. Hinter dem Hause ist ein Garten. Die demnächst stattfindende Sammlung, deren Ertrag der Erweiterung und Festigung der Anstatt dienen soll, empfehlen wir allen Menschenfreunden. BchaöiMirt. Erzählung von Friedrich Rott. XXIX. „Ich möchte Sie dennoch ersuchen," erwiederte Frau Kornfeld, „wenn der Arzt wüßte, wie sehr sich mein Mann nach Ihnen sehnt, würde er sicherlich Ihren Besuch erlauben. Also, wenn ich bitten darf —* „Wenn Sie es denn durchaus wollen — doch ich muß jede Verantwortlichkeit ablehnen." Mit sichtlichen! Widerstreben folgte er der Boranschreitenden, doch , als er sich im Krankenzimmer befand, schritt er rösch auf das Bett zu und ergriff Kornfelds Hand. „Mein lieber Herr Kornfeld, wie geht es Ihnen? was für euren dummen Streich haben Sie da wieder gemacht; hätte Sie für gescheidter gehalten, Freundchen. Nun, es wird mit Gottes Hilfe bald wieder vorübergehen. Halten Sie sich nur ruhig, folgen Sie dem Mt und ich will Sie auch nicht länger belästigen." Er wollte bei diesen Worten seine Hand zurückziehen, doch der Kranke hielt sie eisenfest, seine Lippen bewegten sich. „Bitte, sehen Sie sich," sagte Frau Kornfeld, „mein Mann wünscht es." Zögernd ließ sich Felsenstein nieder. Die Lippen des Kranken bewegten sich wieder, während er bald auf seine Frau, bald auf den Bankdirector blickte. Dieser zog sein Portefeuille aus der Tasche. „Sie scheinen mir etwas mittheilen zu wollen, hier haben Sie Papier und Bleistift, verfirch» Sie zu schreiben." -^^ Doch Kornfeld wandte seufzend das Antlitz zur Seite und seine Hand regte sich mcht, das Crayon, das Felsenstein ihm zwischen die Finger stecke» wollte, zn umfassen. „Wollen Sie nicht fchrnben?" / „Es ist Sabbat," bemerkte Frau Kornfeld. „Sabbat —" wiederholte Felsenstein gedehnt, „und deßhalb wollte Herr Kornfeld nicht schreiben?—" Es entstand eine Pause, der Bankdirector begann ungeduldig zu werden. Was sollte er bei dem Kranken, der ihn zü sprechen verlangt chatte und nicht sprechen konnte und nicht schreiben wollte? — Schon war er im Begriffe, autzuüeheu, als Kornfeld ihm das Anttitz wieder zuwandte, ihn bittend anschaute und dann mit dem Zeigefinger der linken Hand auf dem Deckbette die Bewegung be§ Schreibens machte.- „Aha!" rief Felsenstein, „verstehe, verstehe. Sie wollen mit dem Finger auf das Deckbett schreiben. Schon gut — schon gut. Werde Ihre Bewegungen aufmerksam verfolgen, fangen Sie au." Kornfeld machte Schriftzeichen mtt dem Finger, Felsenstein las jede Silbe laut. ,' ~ „Mein — Sohn — hat — sich — für ~ rnich — geopfert!" wiederholte er bettoffen, „was soll das heißen? — ich verstehe Sie nicht, lieber Freund — weiß in der That nicht, was Sie damit sagen wollen." Der Kranke zog die Stirn in Falten, seine Lippen bebten. Abermals blickte er Felsenstein an und dann seinen eigenen Finger, der wiederum Schriftzeichen andeütete. Felsenstein laS:- „Ich — selbst — habe — jenes — Geld — unterfchl —" ' t Er sprach das Wort nicht aus, hastig erhob er sich. „Sie sprechen im Fieber. Liebe Frau Kornfeld —" Doch, diese hatte das Antlitz verhüllt und schluchzte'leise. Erschreckt blickte der Bankdirector von Einem zur Andern, er konnte sie nicht fassen diese entsetzliche Selbstanklage — und dennoch — - Die Aufregung des Kranken steigerte sich von Minute zu Minute, er hatte Felsensteins Rockschoss erfaßt, um ihn zum Bleiben zu zwingen; unartikulirte Laute entrangen sich seinen bebenden Lippen. Von tiefem Mitleiden ergriffen ließ sich der Bankdirector wieder am Bette nieder und sprach freundlich beschwichtigende Worte zu dem Kranken.