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Der Israelit · 1886-01-25 · Heft 7 (25.1.1886) · page 6

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Journal
Der Israelit
Volume
27 (1886)
Issue
Heft 7 (25.1.1886)
Date
1886-01-25
Page
– (sequence 6)
Language
German
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brach plötzlich das Mißgeschick der Ausweisungen russischer Juden über unsere Stadt uud die nahe liegenden Grenzbezirke herein. Mehr als zwei Drittel unserer 1214 Seelen zählenden jüdischen Gemeinde sollten den Ort verlassen. Durch die Bemühung deS Herrn Dr. Rülf wurden von den bereits erfolgten 59 Auswcisungsordres eme Anzahl wieder zurückgenommen, etwa 80 Personen dursten wieder bleiben. Am 18. September, am ,Borabende des Dersöhnungstags, ist eine zweite und noch zahlreichere Serie von etwa 80 Ausweisungen erfolgt, wodurch die russische Gemeinschaft in die höchste Aufregung und Bestürmung versetzt wurde. 169 Ausgewiesene wurden von uns unterstützt. Es waren dies theils Familien, theils Einzelpersonen aus der Stadt oder, den beiden Kreisen Memel und Hcydekrug mit zusammen 603 Personen, darunter auch 17 christliche Ausgewiesene mit zusammen 67 Personen. Hier und im Kreise befinden sich aber vielleicht etwa noch 100 Personen, welche in unsere Vifrc noch gar nicht eingetragen sind, weil sie eine Anfentbaltsverlängerung bis zum Frühjar, Lhellwcise sogar bis zum Oktober 1886 erhalten haben. Auf die verschiedenen, zu Gunsten der Ausgewiesenen erlassenen Aufrufe antwortete zunächst das Central-(5omite für die russisch - jüdischen Flüchtlinge zu Berlin, indem uns dasselbe aufs Neue zu diesem specicllen Behufe 5000 Mk., sowie das „Eomite zur Unterstützung der bedrängten Israeliten" in Frankfurt a. M. (Vorsitzender: Herr Adolf D. H. Goldschmidt), welches 2500 Mk. zur Verfügung stellte. Hiermit konnten wir sofort die Unterstützung derjenigen beginnen, welche schon mit dem 15. Oktober den Ort verlassen mußten. Die Sammlungen wurden seitdem mit allem Eifer fortgesetzt, und bis zu dieser Stunde haben wir in 649 größeren und kleineren Sendungen Mk. 32212,81 von auswärts erhalten, während eine am hiesigen Orte, lediglich bei den hier seßhaften oder nur zeitweilig ihres Geschäftes wegen sich aufhaltcnden Juden veranstaltete Sammlung einen Ertrag van 2470 Mk. ergeben hat. Von diesen 34682,81 Mk. sind bereits 25808,11 Mk. verausgabt, so daß am heutigen Datum in unserer Untcrstützungskasse noch ein Bestand von 8874,7« Mk. vorhanden ist. Auch eine große Menge, etwa 25« Sendungen in Postpacketen, Kollis und Kisten per Bahn, von sehr nothwendigen .Kleidungsstücken aller Art sind eingegangen und zweckmäßig verwendeNvorden. Während der Fortschaffnng der Ansgewiksenen nmr die Beförderung der ans Rußland kommenden Auswanderer nicht eingestellt worb«. Die Ausgewiefeuen hinzugcrcchuet sind im Laust des Jahres 1277 Personen, meist zur Uebersideluog nach fremden überseeischen Ländern unterstützt uud befördert worden. Hierzu standen uns außer der obengenannten Sammlung von 34682,81 Mk. noch weiter 10000 Mk., welche wir vom deutschen Central- Eomitee für die russisch-jüdischen Flüchtlinge za Berlin verwilligt hatten, z» Gebote. In Bezug auf die anderweitigen Unterstützungsthätigkciten und Wohlthätigkcits-Austatten des stam digen Hilfs-Comitee's können wir uns kurz fassen. Eine der Hauptbcstrebungen des Hilss-Comitee'S war jederzeit der Krankenpflege zugewendet. DaS nun feit 15 Jahren bestehende, von milden Gaben errichtete und erhaltene Krankenhaus beherbergt jederzeit eine ganze Anzahl mittelloser Kranken, welche von Rußland Herkommen, um hier Hilst und Heilung zu finden. Aber auch die mittelose» Kranken, welche im Kraukenhause nicht Aufnahme finden können, besonders diejenigen, welche am Orte ihren Wohnsitz haben, erhalten Unterstützungen und . zum allerwenigsten freie Medicin, deren JahreSrechnung weit über 1000 RU. beträgt. Das ^beste und verdienstvollste Institut des Hilfs-Eomitee's ist unstreitig die Armenschule. Im Jahre 1879 mit unzulänglichen Kräften und noch weit unzulänglicheren Mitteln gegründet, hat sie sich bald zu einer überaus segensreichen Anstalt heraus-und heraufgebildet. Hamburg, 17. Januar. Die Einweihung des Betsaales im Jsraelittschen Altenstift, welche in einfacher aber würdiger Weise sich gestern Abend vollzog, bildete den Abschluß der Inauguration dieser Anstalt, welche sich den humanitären Anstalten Hamburgs der besten Art anreiht. Das einstöckige Hans, welches nach den Plänen des Architekten Siegmund Seelig von der Firma Albers und Rockstrohen erbaut ist, macht auch äußerlich einen sehr hübsche» Eindruck. Es befinden sich darin im Ganzen dreißig Zimmer, welche mit allen Bequemlichkeiten, wie sie besonders für alte Leute nöthig find, ausgestattct sind. Das Mobiliar, von der Firma I. D. Hegmann, Ncuerwall, geliefert, tragt allen Ansprüchen in Bezug auf Solidität Rechnung, und macht auch in der äußeren Ausstattung einen sehr guten Eindruck. Jedes Ehepaar, resp. jeder alleinstehende Alumne hat ein besonderes Zimmer, außerdem befindet sich in der ersten Etage das gemeinschaftliche Speisezimmer, sowie ein komfortabel eingerichtetes Lese- und Spielzimmer. Im Paterre liegt die -vgggiRJWiWWW ■»mWMJ-mm

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