Der Israelit
- Journal
- Der Israelit
- Volume
- 27 (1886)
- Issue
- Heft 6 (21.1.1886)
- Date
- 1886-01-21
- Page
- – (sequence 18)
- Language
- German
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TrViivitfrririii «sssseei ^g=a^WK5g3»a 3=55?5^ggS^^ 102 und Juden — bis die zwölfte Stunde an die nächtliche Ruhe mahnte. ✓ Oester r. -Ungar. Monarchie. Wie«. In einem galizischen Dorfe beiTarnow haben die Juden ihr Bcthaus in einem Gasthause. Ein I8jähriger Baucrnbursche äußerte sich im Gasthause, wahrend die Juden beteten, in spöttischer Weise über das Bethaus der Jsraeliren. Bromlewitsch, so heißt der Bauernbursche,, hatte sich deßhalb vor dem Tarnower Gerichtshöfe zu verantworten, wurde jedoch fteigesprochen. Der Gerichtshof begründete den Freispruch damit, daß ein Vethaus nicht zu den Lehren, Gebräuchen und Einrichtungen einer Kirche gehöre, und daß es sich in diesem Falle nicht um ein öffenttiches, sondern um ein Privatbethaus gehandelt habe. — Dagegen überreichte die Staatsanwaltschaft die Nichtigkeitsbeschwerde, über welche der oberste Gerichtshof vorige Woche verhandelte. Dieser war nicht der Meinung des Tarnower Gerichtes und verurteilte den B. zu strengem mit Fasten verschärften Arrest in der Dauer vou 14 Tagen. Ar abie n. Aden. Längs der Ostküste der arabischen Halbinsel, die eine Ausdehnung von circa hundertundfünfzig geographischen Meilen hat und die zur Zeit zweien Herrschern, dem Sultan von Konstantinopel und dem Jman (Glaubenslchrer) von Maskat (die Fürsten dieses Landes nennen sich schon seit Jahrhunderten Jmane), gehört, befindet sich im Ganzen nur eine einzige jüdische Gemeinde, die zu El - Chatif, deren Mitglieder fast alle aus Bagdad eingewandert sind, deren Zahl aber kaum hundert ausmacht. Noch vor etlichen Jahren existirte auch in der Hafenstadt Maskat eine kleine jüdische Gemeinde, gleichfalls ans Bagdader Emigranten gebildet. Die jüdische Gemeinde von Bagdad, bekanntlich die größte Asiens, ist nämlich so eine Art.Karthago; denn sie schickte schon vor Hunderten von Jahren und schickt noch heute Eolonien aus ihrer Mitte nach allen Hafenstädten Asiens und Ostafrikas aus, damit dieselben sich dort ansiedeln und von hier aus dann Handelsverbindmigen mit ihrer Muttergemeinde nntcrhaltcn sollen. Bon Danton in khina bis nach Suez hinaus trifft man in allen bedeutenden Häfen Asiens Bagdader Inden, die eine rührige Geschäftsthätigkeit daselbst entfalten und den Handel nngc. mein zn fördern wissen. Ein Bagdader Jude war belatttttlkch auch der Begründer des noch beute in London, Bomtzav, kalmtta und Kanton bestebenden WcHtzalllhanses David Snssnll (tw) und Komp., das man gewöhnlich das arabische Haus Rothschild nennt. Die nun schon erwähnte Gewände von Maskat wurde eigentlich von dem jüdischen Kaufmmme Bar-Mssim gebildet. Dieser war nämlich der erste Jude überhaupt, der sich in Maskat niederließ, und trat er bald auch mit dem dortischen Sultan oder richttger gesagt, Jman, Sajid-Sajid (gest. 1856} der selbst ein großer Kaufmmm und Rheder war. in Geschäftsverbindung. Später ward er hier rechte Hand dieses Fürsten. Dieser Bar-Nisfim, der ei« äußerst strenggläubiger und auch äußerst wohlthatiger Jude war, wurde von der englischen Regierung als ihr Konsul in Maskat bestellt. Ohne die bewährte Geschäststüchtigkcit seiner Glaubensgenoffen auch nur im Geringsten zu befürchten, berief Bar- Mssim, da er gerne in einer jüdischen Gemeinde geweilt und seine Andacht gerne in einem Gotteshause verrichtet hätte, mehrere Bagdader Jude» zu sich nach Maskat, half ihnen sich hier anzufiedel» und Geschäftshäuser zu etabliren. Später folgten noch andere jüdische Emigranten aus Bagdad nach, und so ward Maskat bald eine, wenn auch kleine, aber immerhin respectable jüdische Gemeinde. Bei dem Ausbrüche des englisch-persischen Krieges 1857, dessen Hauptschauplatz der persische Meerbusen war (ein englisches Geschwader bömbardirte die persische Hafenstadt Buschir), beschloß die englische Regierung in Maskat, dessen Wichtigkett als Flottenstation sie nun erkannt hatte, einen diplomatischen Agenten zu bestellen, der nicht nur den dorügen englisch-indischen Handel überwachen, sondern auch dem Landesfürftcn daselbst als Rathgeber zur Sette stehen und ihn zur Befolgung einer England wohlwollenden Politik verhalten sollte. Bar-Niffim, der übrigens fast gar keine weltliche Bildung besaß, wurde nun in höchst ehrenvoller Weise seines Postens als Consul enthoben, und bald nachher segnete er auch das Zeüliche. Da die junge jüdische Gemeinde in Maskat sich ihres Gönners und Beschützers beraubt sah, begannen ihre Mitglieder' bald sich zu zerstreuen und sich eine neue Wirkungsstätte anszusuchen. Sie wanderten theils nach Bombav, theils wieder nach Buschir und El - Ehatis ans, und nur wenige von ihnen blieben in Maskat zurück. Heute finden sich kaum noch zehn Juden in dieser Stadt, und vor der dortigen Snnagoge, die früher an den hohen Festtagen die Anzahl der Andächtigen kaum zu fassen vermochte, sproßt heute üppig das Gras empor. Dagegen hat sich die jüdische Gemeinde in El-Ehatlf, die kaum fünfzig Jalne alt Ist, in der jüngsten Zeit bedeutend gehoben. Seitdem nämlich die Türken 1845 diesen Hafenort besetzt und mit ihrem Reiche vereinigt haden, strömten immer mehr Juden aus Bagdad nnd