Der Israelit
- Journal
- Der Israelit
- Volume
- 27 (1886)
- Issue
- Heft 6 (21.1.1886)
- Date
- 1886-01-21
- Page
- – (sequence 1)
- Language
- German
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LXVll. Jahrgang. ' J\$ ©♦ DerJsra . ■■■ Ein / ..... . . , Aenlrat - Zrgan für das orthodoxe IudenLKum. Herausgegcben von Br. Lehman» m Mainz. -7 Donnerstag, den SL. Januar 8L4S stSSS). Leitender Artikfl Me göttliche Korausöestimmung und die WMensfteiheit des Menschen. IV. Mainz, 18. Januar. In dem Midrasch Tanchuma, mit welchem wir diese Abhandlung cingeleitet haben, wird uns erzählt: Als Moscheh in den Himmel emporstieg, hätte er die Stimme des Helligeu, gelobt sei Er, der sich mit dem Abschnitte von der Parah Adumah beschäftigte, und Er sagte die Halachah im Namen dessen, der sie gesagt hat: Rabbi Weser, mein Sohn, sagt: die 6uh zweijährig und das Kalb einjährig. Da sprach Moscheh vor dem Heiligen, gelobt sei Er: Herr der Welt, die oberen und die unteren Wesen gehören Dir, und Du sagst Halachah im Namen von Menschen? Ta sprach zu ihm der Heilige, gelobt sei Er: Moscheh , in der Zukunft wird ein Frommer austrcten in Meiner Welt und der wird in der Zukunft zuerst mit dem Abschnitt der Parah beginnen: Rabbi Weser sagt: Tie Kuh zweijährig und das Kalb einjährig. Wir haben an diesen Midrasch drei Fragen geknüpft: 1) Warum erzählt der Midrasch, daß cs gerade der Abschnitt von der Parah Adumah war, mit dem der Heilige, gelobt sei Er, sich beschäftigte, als Moscheh zuettt die Hohe erstieg; 2) erscheint die Antwort nur eine Wiederholung der schon er« wähnten Thatsache; H) wie konnte sich Moscheh init dieser Antwort begnügen nnd nur. die Bitte hinzusügen, das; der erwähnte Fromme vor; ihn; abslammen soll? Tie erste Frage können wir einfach dahin beantworten, daß die Borschristen über die Parah Adumah den Beginn der Gesetzgebung in der Wüste bildeten. Bald näch dem Durchzuge der KiAer Israel durch das Meer kamen sie nach Marah, und da heißt es: terrai pn ö dv d& „dort ettheilte Gott Seinem Volke Satzung und Recht," und diese Satzung (pn), lehren die Weisen, war die Satzung von der Parah Adumah (vergleiche Rasch! zur Stelle). — Und nun werden wir, nach allem Vorhergesagtem, den Sinn des in Rede 'stehenden Midrasch verstehen. Derselbe will uns darüber belehren, daß Gott gleich bei dem Beginne der Gesetzgebung, unserm Lehrer Moscheh des Räthsel lösen wollte, wie sich die Lehre von der göttlichen Vorausbe? stimmung mit der Willensfreiheit des Menschen vereinen läßt. Moscheh hört den allmächttgen Gott Halachah sagen im Namen eines Menschen. Darob verwundert sich Moscheh . gar sehr und spricht: Herr der Welt, die oberen und die unteren Wesen gehören Dir, nnd Dü sagst Halachah im Namen eines Menschen? Wir nlüssen diese Frage unseres großen Lehrers näher in Betracht ziehen. Gott, der Schöpfer des Weltalls, ist allmächtig, und wer vermöchte zu Ihm zu sagen: Was thust Du? Aber in einer Beziehung hat Gott selbst Seiner Allmacht Schranken gesetzt nnd zwar in Bezug auf die Willensfreiheit des Menschen dop nxro pn c’dp ho kn, Alles steht in Gottes-Hand, mit Ausnahme der Gottesfurcht. Lb der Mensch Gott fürchten und Seine heiligen Gebote halten wird, dazu bestimmt ihn Gott nicht, das hängt von dem Menschen allein ab. Dementsprechend lehren die Weisen, daß scholl vor der Geburt des Mellschen bestimmt wird, ob derselbe kräftig oder schwach, gut beanlagt oder schlecht btanlagl, ob er schön oder häßlich rc. werden wird, nicht aber wird voransbesttmint, ob er sein wird ein guter oder ein schlechter Mensch. Das hängt voll dem Menschen allein ab. Darüber lau» der Mensch selbst kfihimicii; er hat die freie Wahl,