Der Israelit
- Journal
- Der Israelit
- Volume
- 27 (1886)
- Issue
- Heft 4 (14.1.1886)
- Date
- 1886-01-14
- Page
- – (sequence 9)
- Language
- German
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- Mohel 1× ep/1006163
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XXVll. Jahrgang. eilllar zu Nr. 4 Leiterrder Artikel. Amerikanische Miefe. □ New-Aork, 18. Dezember. . Nachdem meine zwei letzten Briefe sich eingehend mit einem unerquicklichen Gegenstand beschäftigten, will ich heute wieder dem harmlosen Plauderer das Wort gestatten, der dem geschätzten Leser Weiteres von den Glaubensgenossen im russisch-polnisch-jüdischen Viertel New-Aorks erzählen soll. Der Charakter und dasLeben im Allgemeinen in diesen Regionen wurde im jüngsten diesbezügl. Brief ausführlich geschildert und ich komme heute dazu durch die Beschreibung einzelner Gestalten, einzelner Vorkommnisse das bereits gelieferte Bild zu vervollständigen. Wenn die Schilderungen von humoristischer Würze begleitet sind, so möge dies nicht etwa meiner Phantasie zu Gute gehalten werden; ich erzähle nur Thatsachen, führe nur die Personen vor, wie sie sich in Wirüichkeit zeigen. Zu den Erscheinungen, die in den Mauern New-Horks wie ganz Amerikas für den unparteiischen Beobachter stets ein Interesse haben, gehören iy erster Reihe die „Reverend»", die sich in geräuschvollster Weise allenthalben höre» lassen, die in allen Religionsklasscn ihrer gewichtigen Stimme Gehör zu verschaffen wissen. Das Judenthum New-Iork's zählt ungefähr 747 solche „Vertreter" und „Beschützer"; neben dem einfach reformatorischen Reverend (unter diesem Namen sammeln sich alle Diejenigen, die sich berufen fühlen als Rabbiner, Vorsänger, Lehrer, Mohel u. s. w. zu fungircn), sieht man den orthodoxen, neben dem Alles leugnenden Religionsdiener, den vom Chasidismus angehauchten Rabbi, kurz alle Nuancen und Schattirungen des Iudenthums sind durch tüchtige Reverend» vertreten. Daß bei einer so großen Anzahl manche recht sonderbare Gestalten ihr Erscheinen an der Bildfläche machen, ist natürlich nnd besonders in dem Viertel, über dessen Bewohner ich spreche, sind solche Erscheinungen nicht selten. Folge mir der liebe Leser nun nach einem kleinen Hause in H.... Street, wo bei unserem Eintritt in das gemächliche Zimmer des „Rabbi" Joseph der Träger dieses schönen NmnenS gemüthlich in seinem Lehnstuhl sitzt, eine elegante Pfeife im Mund nnd ein Gläschen echten Misten vor sich Nabend, während auf dem Tisch eine Anzahl verschlossener Bücher liegen, die nach dem Staub, der auf ihnen lastet, zu schließen mchr als Schaustück als der Lektüre gelten. Der behäbige Mann ist gleich mit der Nasche bei der Hand und der Tropfen, zu dessen Genuß er den Gast drängt, überzeugt Jedermann, daß der wackere Mann nur Gutes zu genießen gewohnt ist. Nun' glaubt vielleicht der Leser, daß man etwa nur wegen einer rkttar oder andern Religionsangelegenheit die heiligen Räume des Mannes betreten kann, weit entfernt davon. Der Mann, der um Sabbat Nachmittag seinen Getreuen 1212 predigt, der auch sonst für seine 5 Dollars , per Woche alle an ihn gestellten Fragen beantwortet, ist auch noch ein vielseitig gebildeter Geschäftsmann nebenbei. Eine Anzahl Kunden versteht er mit Loosen und die Getreuen glauben sicher, daß die gebenschte Hand des Rabbi ihm eher die richtige Nummer zu geben im Stande ist, wie des Rabbi ungelehrter Concurrent. Auch Versicherungsgeschäfte besorgt er, aber dies nur im Interesse seiner vielen Freunde, die erst durch'. ihn auf die Wohlthätigkeit dieser Einrichtung hingewiesen werden. Daß man courante Silber- und Gold-? waaren bei chm kaufen und verkaufen kann, ist. nicht zu verwundern; denn dies Geschäft ist seiner oft ausgesprochenen Ansicht nach die beste Nebenbeschäftigung für einen. Mann seines Standes. Da seine lieben Gläubigen oft noch Familienglieder in der fernen Heimath haben, ist es nicht mehr als aufmerksam, daß er ihnen anempfiehlt, dieselben ' sicher kommen zu lassen, nicht nur um seine Gemeinde zu vergrößern, sondern auch nm Schiffsscheine, die er von einer Agentnr auf Lager hat, abznsetzen. Natürlich hat er bei diesem Geschäft manche Unannehmlichkeiten; so soll er genau dem liebenden Gatten anzcigen, wann die bessere Ehehälfte, die nach Ansicht ihres Ehcherrn nach v"' daheim abrcist (bei den lieben Leuten heißen die „Zeit nach v"'" sowohl die Monate zwischen riwD und nvv wie die zwischen ros und nraio) hier eintrisst. Zwar weiß der Reverend durch Vermittlung der Compagnie, mit welchem Schiss die Frau cintrcffcii „soll", allein, wenn dieselbe nun plötzlich in Bremen erkrankt und nicht mehr das bestimmte Schiss erreichen fmmV Wehe dem armen Rabbi, die Ehrfurcht des gehorsame»! Gemcindegltedes verwandelt sich in das Gegentheil und »vcnn dem bestürzten Gatten die Geduld reißt, ist es nicht selten, daß er die schrecklichsten Wnlh»