Der Israelit
- Journal
- Der Israelit
- Volume
- 27 (1886)
- Issue
- Heft 3 (11.1.1886)
- Date
- 1886-01-11
- Page
- – (sequence 9)
- Language
- German
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TXVll. Jahrgang. Beilage ju Jlr. 3 des Israelit. Zeitungsnachrichten und Correspoudeuzeu. D e L t schlau d. Berlin. Der Jahrgang 1786 der bekannten von Gedike und Biester herausgegebcncn Berliner Monatsschrift, die das ganze damalige gelehrte Berlin zu ihren Mitarbeitern zählte, enthält außer der letzten Arbeit Mendelssohns: „Giebt es natürliche Anlagen zum Laster?" ein höchst interessantes „Schreiben des königlich preußischen Generals von Schotten an den jüdischen Kaufmann D. F. über Moses Mendelssohn", das sür die Werthschätzung, welche damals die beste Gesellschaft dem jüdischen Weisen en^egenbrachte, bezeichnend ist. Der Adressat dieses offenen Briefes ist vcrmuthlich der bekannte Freund Mendelssohns, David Friedläud er, der, aus kleinen kaufmännischen Kreisen hervorgegangen, Assessor beim königlichen Kommerz- und Manufaktur-Kollegium wurde und im Jahre 1834 in Berlin als Stadtrath starb. Der hohe Militär schreibt: „Der unersetzliche Verlust, den die Menschheit, die Wissenschaften, besonders die spekulative Philosophie, und die Moral, den Ihre Nation, den Berlin, den seine Freunde erlitten haben, durchdrang mich dermaßen, daß meine sonst schwer zu erschütternde Gemüthsruhe der Betrübniß und den Thronen Platz machen mußte. „Ein durchreisender jüdischer Kaufmann, Herr L. M., den ich nicht kenne, der aber vermnthlich meine Freundschaft für unfern unsterblichen Weisen kannte, war Ihnen einige Tage zuvorgekommen, und hatte mir schon von dem schönen Aufsatze: Mendelssohn an die Freunde Lcssings, der die unglückliche Veranlassung seines Todes gewesen ist, ein Geschenk gemacht. (Wie freu' ich mich, daß guter Geschmack, Anfklärnng, und Lektüre in Ihrer Nation so sichtbarlich höher steigen!) Ohne dies hätte Herr L. M. seine Tasche vielleicht voll Wechselbriefc, aber schwerlich voll Mcndelssohn'scher Gedanken gehabt. „Man erblickt in seiner Schrift überall die rührendsten Spuren eines geheimen, aber bescheidenen llnwillens, der in seinem Charakter einen neuen liebenswürdigen Zug ansmacht: — sich, wider seinen Witten, seines LessingS halber in einen solchen philosophischen Prozeß verwickelt zu sehen. „Ich sende Ihnen hier nach Ihrem Verlang« einige Briefe unseres verewigten Freundes» doch mit dem Vorbehalt der Zrmickgabe derselben. Von einem so vorttefflicheu Manne ist jede Zeile eine achtungswürdige Reliquie. " „Mendelssohns Zeit und Ruhe waren mir zu werth, als daß ich ihm aus Eigennutz öfter hättt schreiben sollen. Er gehörte mehr der Welt als seinen Freunden. -v „Kennen Sie mich denn so wenig, daß Sie besorgen, cs möchte mir nicht angenehm sein, wenn in Mendelssohns Lebensbeschreibung auch mein Name vorkäme? O sagen Sie es der ganzen Welt ünverholen, daß ich ihn geliebt und verehrt Habel Ich habe in dem Laufe meines langen Lebens alle Gelegenheiten 'ausgesucht, große Männer keimen zu lernen; ich habe, zur Ehre unseres Jahrhunderts sehr viele gefunden, die dieses Namens werth waren; unter ihnen aber nur einen Mendelssohn. Einem rechtschapenen Mann müssen Weisheit und Tugend in der Hütte eben so ehrwürdig als in Palästen sein. Wenn Sokmtes unter uns lebte, wer würde es sich nicht zur Ehre schätzen, den Weisen zum. Freunde zu haben? War Sokrates denn mehr als Mendelssohn?" - So urtheilte in dem Zeitalter Friedrichs des Großen ein Mann des Waffenhandwerks; ein ruhmgekrönter Heerführer, über den bescheidenen jüdischen Gelehrten, so urtheilte er frei und offen vor aller Welt. . _• . Berlin, 8.* Januar.. Der Aufruf zur Neubildung des hebräischen Literatur- Vereins Mekize Nirdamim hat das erfreuliche Resultat erzielt, daß dem Verein 445 Mitglieder mit einer Summe von 5000 M. als Jahresbeiträge und mit ca. 3606 M. zum festen Fond beigctreten sind. Es ist gleichsam ein internationaler Verein geworden; denn er hat Mitglieder sowohl in Irkutsk wie in Texas, in Janina wie in Gothenburg gefunden. Bei der geringen Zeit, welche von der Organisation des Vereins bis zur Drucklegung der Schriften für die Vorbereitung des ersten Jahrganges geblieben ist, ivird man dieser ersten Leisittng die Auerkcnnnng nicht versagen können. Es gelangen jetzt zur (portofreien) Versendung an die Mitglieder des Vereins: