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Der Israelit · 1886-01-11 · Heft 3 (11.1.1886) · page 1

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Journal
Der Israelit
Volume
27 (1886)
Issue
Heft 3 (11.1.1886)
Date
1886-01-11
Page
– (sequence 1)
Language
German
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Jahrgang. . Jfä A. EL» - - - KenLrak - Hrgan für das orthodoxe Iudenthum. Herausgegebcn von Di-. Lehma»» in Maiuz. Montag, de» 11. 3an»»* 5646 (1886). Le 1 te » dee Artikel. Die göttliche Morausvestirmmmg und die Wilkenstteiheit des Mensche«. \ I. - - Mainz, 7. Januar. Es ist eine alte Frage, die wir in der Ueberschrist angedeutet haben, die Frage: wie läßt sich die Lehre von der Freiheit des menschlichen Willens mit der göttlichen Vorausöeftimmung vereinbaren. Wenn der cülwiffende Gott im''Voraus weiß, was' sich in der Zukunft ereignen wird, daß dieser oder jener Mensch diese oder jene That vollbringen wird, so geräth diese Lehre in Widerspruch mit der Lehre von der Freiheit des menschlichen Willens. Wir wollen das an einem Beispiele klar machen. Der unheilvollste Mann in der Geschichte unseres Volkes war Jerobeam, welcher Israel zum Götzendienste verführt hat. Wenn nun Gott vorher gewußt, daß Jerobeam zwei Götzenbilder aufstellen und deren Anbetung befehlen würde, so hat Jerobeam so und nicht anders Handeln können und hätte dann auch nicht für seine bösen Thaten verantwortlich gemacht werden dürfen. Am kommenden Sabbat (ntea) lesen wir das Ende des Conflicts zwischen Israel und den Aegyptern. Die Aegyptcr hatten die Israeliten gequält, gepeinigt und geknechtet. Dafür erbielten sie die wohlverdiente Strafe. Zehn furchtbare Plagen brechen herein über König, Volk und Land. Die zehnte derselben raffle alle Erstgeborenen Mlzrajtms hinweg, und die Fluthen des Schilfmeeres verschlangen die Blnthe der Männer Aegnptenv. Sünde nnd Strafe waren von Gott voransbeslimmt; denn also hatte Gott zu Abraham gesprochen: ..Wissen, wissen sollst du, daß Fremdling sein wird dein Samen in einem Lande, das ihnen nicht gehört, und sie werden ihnen dienen und man wird fie peinigen vierhundert Jahre; und auch das Volk, dem sie dienen werden, will ich richten, und nachher werde» sie ausziehen mit großem Vermögen: (l.B. M. C. 15, V. 13«. 14). Hier finden wir es deutlich ausgesprochen, daß Gott die Sünde und' die Strafe der Aegypter vorher bestimmt hatte. Es tritt daher die Frage unS entgegen: Wie konnten die Unterdrücker.Israels für ihre Verbrechen verantwortlich gemacht werden, da sie doch so handeln mußten, und nicht, anders zu handeln vermochten?' ' ' ‘ Geradeso wie mit dem Bösen, verhält es sich auch mit dem Guten. Vielfach finden wir es ausgesprochen, daß in der Zukunft ein großer, edler, frommer Mensch auftreten werde, um sein Volk zu befreien, zu erlösen und zu beglücken. So finden wir schon vor der Sündfluth das einstige Auftreten unsres großen Lehrers Moscheh angedeutet; so wurde vom Propheten Jesaias die wunderbar herrliche Wirksamkeit des Königs Chiskijahu schon vor dessen Geburt verküüdet und vom Propheten Ido wurden Jahrhunderte voraus die Thaten des Königs Joschijahu geweissagt. Welches Verdienst kann diesen großen Männern zugemessen werden, wenn ihre Thaten vorausbestimmt waren nnd sie so und nicht anders hatten handeln könnend Die Frage: wie ist die göttliche BorauSbestimmung oder das göttliche VoranSwiffen (ny*T) mit der Willensfreiheit des Menschen (rrma) in Neberrinstimmung zu bringen, hat seit Jahrtausenden die größten Denker unseres Volkes vielfach beschäftigt. Der große MatmonideS, der sie ebenfalls einer langen nnd sorgfältigen Erörterung unterzieht, wird darob von Aabbi Abraham den David {■»"sV'-)) getadelt. Dieser meint, da MatmonideS die anfgeworfene Frage nicht befriedigend zu beantworten

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