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Der Israelit · 1886-01-04 · Heft 1 (4.1.1886) · page 9

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Journal
Der Israelit
Volume
27 (1886)
Issue
Heft 1 (4.1.1886)
Date
1886-01-04
Page
– (sequence 9)
Language
German
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XXViL Jahrgang. Beilage ju Ar. 1 -es Israelit. Letteader Artikel. Literarischer Wericht. Entwurf eines Grundrisses vom herodianischen Tempel nach talmudischeu Quellen bearbeitet. Autographirt von C. Di ebison, Breslau. Eine ausführliche Beschreibung des herodianischen Tempels haben Iosephus in seinen Antiquitäten und in der Schrift de bello Judaico <Lib. 5, Cap. 5) und die Mischnah im Tractat Middoth geliefert. Während wir nach den Angaben des Josephus eine genaue Darstellung des Tempels von Hirt haben, ist der obengenannte Entwurf von Herrn H. Bloch in Breslau nach talmudifchcn Quellen bearbeitet. Zunächst fei bemerkt, daß dieses Werk, sowie das Modell des Tempels, das der Verfasser na ' feinen Angaben noch aufcrtigen ließ, und die Photographie desselben Herrn Bloch zehn Jahre an- , gestrengter Arbeit und bedeutende Gcldopfer gekostet. Er wurde bei diesem Unternehmen nicht sowohl von materiellen als vielmehr ideellen Rücksichten geleitet. Sein Streben ging nämlich dahin, dem Verständniß der erhabenen und sinnvollen Symbolik, die in der innern und äußern Einrichtung des Tempels, jenes geheiligten Mittelpunktes des religiösen Lebens unserer Vorfahren, verkörpert war, durch eine genaue Darstellung zu Hilfe zu kommen und der Ke'nntniß des Tempelbildes die möglichst weiteste Verbreitung zu geben. Insbesondere hatte er hierbei die jüdische Jugend im Auge. Gleichwie in den höhen! Schulen die hervorragenden.Culturbanten des klassischen Atterthums in Abbildungen anzutteffe» sind, so dachte er sich, müßte in den! jüdischen Schulzimmer und vornehmlich dem der Neligionsschulc auch ein Plan des Tempels sich vorfinden. Das jüdische Kind müßte sich auf demselben, wie auf einer Landkarte orientircn können. An diesen! müßte ihm die Symbolik der einzelnen Thcile demonstrirt werden. Es wurde alsdann nicht nur lnehr von diesem erhabenen Bauwerk verstehen, sondern auch lebhafter und wahrer für den Tempel, und was sich danrit theilweise deckt, für das Judenthum fühlen. Andererseits müßte auch eine solche auf genaue Forschung beruhende und hypothesenfreie Abbildung des Tempels namentlich dem Talmndiften werthvoll und willkommen sein. Schon der Umstand, daß sich im Talmud ein ganzer Traktat (wiv .rvvv) mit, der Einrichtung und den Raumverhattniffen des Teuchels beschäftigt, und daß der Talmud bei den: verschiedensten Anlassen immer wieder auf den Tempel znrückkommt, macht eine solche zuverlässige Abbildung nothwendig und ist als förderndes Hilfsmittel znm Verständnisse eines wesentlichen Theiles unserer mündlichen Ucbelieferuug freudig zu begrüßen. Diese Abbildung unterscheidet sich von den bisherigen und auch der in den Talmudausgaben befindlichen schr vortheilhast dadurch, daß in derselben jedes einzelne Maaß auf das genaueste innegehalteu wurde, was ja hierbei die Hauptsache ist, da doch hievon der den Tempelbau behandelnde Tractat den Namen hat. Außerdem muß nach architertonischen Grundsätzen der Aufriß stets vom Grundriß getrennt sein; in den bisherigen nachtalmudischeö Quellen gefertigten Zeichnungen ist jedoch stets Aufriß und Grundriß zugleich gegeben, wahrend Herr Bloch den Grundriß besonders geliefert hat. Später wird er auch noch den Aufriß liefern, der den Ba» allerdings augenfälliger zur Dastcllung bringen wird. Es soll auch nicht unerwähnt bleiben , daß der Verfasser sich noch mit seinem Entwurf auch nach der apologetischen Seite hin ein nicht zu nntersschätzendes Verdienst erworben hat. Bisher waren nämlich christliche Gelehrte der Ansicht, daß sich nach den talmudifchcn Angaben keine regelmäßige Zeichnung des Tempels Herstellen ließe. Diese Ansicht ist nunmehr gründlich widerlegt, und die wissenschaftliche Präcision und Wahrhaftigkeit des Talmuds um einen Beweis mehr erharret. Nebenher sei noch mitgetheilt, daß der Verfasser auch noch den mw in Holz modclliren ließ, der uns in den Stand setzt, pipo inrs ps gründlicher als bisher zu verstehen. Erwähnt sei noch, daß der obengenannte Entwurf 11. ebensowohl in Buchals auch ick Placatform erschienen ist. Die erstere ist ans den Privatdie letztere auf den Schulgebrauch berechnet. Der Preis des Exemplars beläuft sich auf nur 1,50 M. Das wohl gelungene Werk sei hiermit allen Kennern und Gönnern der .Wschen Archäologie und Wissenschaft im Allgemeinen, sowie der jüdischen Lehrerwelt insbesondere empfohlen. Möge es aller Orten diejenige Verbreitung finden, die es schon um des ethischen Zlveckcs willen, welchen es erstrebt, verdient. Schrimm. Dr. H. Ttetz.

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