Der Israelit
- Journal
- Der Israelit
- Volume
- 27 (1886)
- Issue
- Heft 1 (4.1.1886)
- Date
- 1886-01-04
- Page
- – (sequence 1)
- Language
- German
- Belongs to
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XXV1L Achrga-S. Jfä 1* - - ' . - <H H - -• .. -- . HenLrat - Hrgan für das orLHodore IudenLhum. Herausgegeben von vr. Lehumnu m Mainz. . Msslag, b*n 4. $ anno* 5646 (1886). L-tteader Artikel. Wofes Wendetsfohn. 8. Heute dor' 100 Jahren schloß Moses Mendelssohn seine Augen, und heute nach 100 Jahren find es nicht nur seine Glaubensgenoffen, die seinen Sterbetag als einen Gedenktag begehen, ganz Deutschland widmet dem Andenken des großen Tobten Worte der Anerkennung und Verehrung. Es werden wohl nur wenig Blätter von hervorragender politischer Bedeutung sein, — und vielleicht wird keines fehlen — die die Aufmerksamkett , ihrer Leser heute nicht auf die Persönlichkeit des jüdischen Philosophen, den man ehrend wohl als einen zweiten Sokrates zu bezeichnen pflegte, hinlenkten. Diese Thatsache an fich würde aber schon hinlänglich kundthun, nicht allein von welcher Bedeutung Mendelssohn für seine Zeit war, sondern ganz besonders von welch' nachhaltiger Bedeutung sein-Wirken für die Folgezeit geblieben ist. Diesem Gedanken nachzugehen, dem Dauernden und Bleibenden der Wirksamkeit des Mannes nachzuspüren, deffen Gedenktag heute ganz Deutschland begeht, seien die nachfolgenden Zellen gewidmet. Mcndelssohn's Bedeutung ist nach zwei Seiten hin zu würdigen: nach der deutsch-nationalen und nach der besonders jüdischen; er leistete dem deutschen Vaterlande und seinen jüdischen Glaubensgenossen Dienste, die ihm nie werden vergessen werden. Wollen wir auch nicht Mcndelssohn's philosophische Schriften als etwas Unerreichbares hinstellen, daß sie sich aber ebenbürtig hervorragenden Geist esproductcn der deutschen Wissenschaft zur Seite stellen können, das wird Niemand in Abrede stellen wollen. Die deutsche Wissenschaft hat durch diese Areiten wie nicht minder durch die fein durchdachten und in edelster Form gehaltenen Kritiken und Aufsätze, die er in der von Nicolai herausgegebeneu „Bibliothek" veröffentlichte, eine werthvolle Bereicherung erhalten. k Aber noch mehr. Er bereitete der deutschen Sprache herrliche Triumphe und gewann durch seine edle und formgewandte Redeweise einem größeren Publttum Interesse ab für die höchsten Fragen, die den menschlichen Geist beschäftigen. , Durch und durch von deutschem Nationalgefühl beseelt, schmerzte es ihn tief, wenn sich deutsche Schriftsteller ihrer Sprache schämten und nur ein fremdes Idiom für würdig hielten, Ausdruck wissenschaftlicher Forschung zu sein. Noch mehr erzürnte es ihn, wenn die deutsche Sprache durch Entstellung und ftemde Einschiebsel malträtirt wurde. So zeigte er denn, wie man als Philosoph deutsch schreiben müsse, er fand für die Darstellung philosophischer Abhandlungen die richtige deutsche Einkleidung, wie sie vor ihm Keinem gelungen war und zeigte, daß die, deutsche Sprache fähig sei, auch die schwierigsten philosophischen Gedanken treffend und genau auszudrücken. *; So ist Mendelssohn recht eigentlich, wenn man so sägen darf, der Erfinder des klassisch philosophischen Stils, da bisher philosophische Abhandlungen entweder im lateinischen oder französischen Gewände an's Tageslicht ttatcn oder in einem schwerfälligen und geschraubten Deutsch, dessen Sinn nur Eingeweihte mit größter Mühe enträthseln konnten. Dies erkannten denn auch die Zeitgenossen an, und sind in dieser Beziehung die Urtheile bervorragender Männer, die wir in der trefflichen biographischen Einleitung, welche Moritz Brasch der von ihm veranstalteten Ausgabe von Mendelssohn's