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Der Israelit · 1885-12-31 · Heft 102 (31.12.1885) · page 1

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Journal
Der Israelit
Volume
26 (1885)
Issue
Heft 102 (31.12.1885)
Date
1885-12-31
Page
– (sequence 1)
Language
German
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^XXVT. Jahrgang. M 102, Ein Gentrat - Hrgan für das orthodoxe Zudenthum. Heransgegeben von I>r. Lehman» in Mainz. Donnerstag, den 31. Dezember 3643 (1885). Da mit dem 1. Jan. 1886 ein neues Quartal beginnt, so erlauben wir uns, die geehrten Abonnenten darauf aufmerksam zu machen, das; namentlich bei der Post das Abonnement frühzeitig erneuert werden muß, damit die Versendung keine Unterbrechung erleide. Leitende Artikel. Hakutß Wizrajim. iv. Mainz, 27. Dezember. Wir haben im vorig n Kapitel auseinandergesetzt, daß die Israeliten in Mizrajim sich nur in sittlicher Beziehung auf der Höhe gehalten, daß sie aber in religiöser Beziehung vielfach zu Nachahmern des ägyptischen Götzendienstes geworden. Unsre Weisen finden das in dem 9. Verse des 6. Kapitelsdes 2. B. M. angedeutet: ipcr fcOi ^rxisr '12 p nc’O *im :rwp nlirpvi nn Tjrpo mro „Und es redete Moscheh so (wie Gott ihm befohlen hatte) zu den Kindern Israel, und sie hörten nicht auf Moscheh wegen der Kürze des Odems in Folge der schweren Dienstbarkeit." -arnror di« -ft ir ic» KT-re p rrnrr -prsno -pn ,->ir p -p -ft’i: ,ncr N212 rrmr:: irr.O’? om’jp nvp 'vw? nca» irw nnn? :mr nreye „Gerade in Folge der schweren Knechtschaft hätten sie sich freuen sollen, - ob der frohen Botschaft, die ihnen die goldene Freiheit verkündete!' Aber der Sinn des Verses ist ein anderer; wir müssen ihn folgendermaßen deuten: Sie hörten nicht auf Moscheh wegen der .Kurzsichtigkeit ihres Geistes, weil es ihnen nämlich schwer fiel, sich von dem ihnen zur Gewohnheit gewordenen Götzendienste loszusagcn." Zweihunderttlndzehn Jahre weilten die Israeliten in Aegypten, und 86 Jahre schon währte dir furchtbare Knechtschaft und Erniedrigung; in dieser langen Zeit hatten sie sich gewöhnt, ihre Herren als Wesen höherer Art zu betrachten; mußten doch, — so dachten Viele von ihnen — die Götter der Aegypter groß und mächtig sein, da sie ihren Anbetern Macht und Reichchum und Ruhm und Ansehen verliehen, während es den Anschein gewann, wie wenn der Gott ihrer Väter sie verlassen hätte. Als freie Männer waren sie nach Aegypten gekommen, und jetzt waren sie, schon so lange, lange, unter das schwere Joch der schlimmsten Knechtschaft gebeugt; man mordete ihre Kinder, und Niemand nahm sich ihrer an; sie wurden geschlagen und mißhandelt, und Keiner trat für sie cm. Daher wandten sie sich ab von dem Allmächtigen und betete» zu den Göttern, durch deren Hilfe sie den Ursprung der Macht der Aegypter vermutheten. Das war im Tsr.p, die Kurzsichtigkeit ihres Geistes. Bctrachteu wir nur die trostlose Lage jener Geschlechter, die in der Sclaverei, inmitten der schrecklichsten Knechtungen und Demüthiguugen geboren wurden, heramvuchsen und starben! Kann cs etwas Schrecklicheres geben? Welch traurige Aussicht stand den: neugeborenen Kinde bevor! Entging es dem gewaltsamen Tode, so mußte es die Leiden der Erwachseuen schauen, mußte mitansehen, wie sein Vater und seine Verwandten geplagt, gepeinigt, gedeinüthigt wurden. Wuchs der Knabe heran, so wurde er gleich dem durch die harte Arbeit vor der Zeit gealterten Vater zur Knechtesarbeit verwendet; er mußte dabei sein, wenn sein alter, schwacher Vater, der unter der ihm aufgelegten Last, erlag, durch die Peitsche des Aufsehers zu neuer, übermenschlicher Anstrengung getrieben wurde; er mußte es ruhig ausehen und mußte dazu schweigen, mußte schweigen, wenn ihm auch das Herz dabei blutete. Warn»! ließ der einzige, allmächtige Gott das geschehen? Solchergestalt wurden sie dazu veranlaßt, zu den Göttcm der Aegypter um Hilfe zu flehen — das war Mi lDp, die Kurzsichtigkeit des Geistes, die cs

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